Dreesen ist Bayerns „Herr der Zahlen“

FCB-Finanzboss: Die Gefahr hinter 100-Millionen-Euro-Transfers

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Der Herr der Zahlen beim FC Bayern: Jan-Christian Dreesen.

München - Er hält sich gern im Hintergrund, dabei ist er beim FC Bayern einer der mächtigsten Funktionäre: Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen. Er erklärt den Unterschied zwischen Umsatz und Finanzkraft und bestätigt, dass es für Thomas Müller tatsächlich ein 100-Millionen-Euro-Angebot gab.

Er ist der Herr der Zahlen: Jan-Christian Dreesen hat als Finanzvorstand die Aufsicht über die finanziellen Anstrengungen des FC Bayern. Und sein Credo dabei ist eindeutig: „Es ist kein Ziel des FC Bayern, in einer Umsatztabelle auf Platz eins zu stehen. Unser Ziel ist es, sportlich möglichst jeden Titel zu gewinnen. Dafür müssen wir finanziell gesund sein, aber nicht die Nummer eins“, stellt Dreesen im Interview mit der Sport Bild klar.

Dreesen: Der Umsatz sagt nichts über die Finanzkraft aus

So interessiere den Rekordmeister seine Platzierung in der sogenannten Deloitte-Tabelle wenig. In der Studie der gleichnamigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft liegt der deutsche Branchenprimus aktuell auf Platz vier. Bei einem Umsatz von 592,0 Millionen Euro muss sich der FC Bayern in der Saison 2015/16 nur Manchester United (689,0), dem FC Barcelona (620,2) und Real Madrid (620,1) finanziell geschlagen geben.

Dreesen freut sich zwar über die Umsatzsteigerung seines Vereins - ein Plus von stattlichen 128 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr -, doch er stellt klar: „Umsatz ist kein Selbstzweck. Das sagt nichts über die Finanzkraft eines Klubs aus.“ Für den Finanzfachmann sind das Betriebsergebnis und der Gewinn vor Steuern „die entscheidenderen Größen“. Transfererlöse werden in den Berechnungen der Deloitte-Studie nicht berücksichtigt. Für Dreesen verliert die Studie dadurch an Aussagekraft, denn: „Es gibt europäische Topklubs, bei denen Rekordtransfers entscheidende Teile der Bilanz sind.“

Megatransfers können in gefährliche Spirale führen

So könne man leicht die Bilanz frisieren, indem man beispielsweise einen Spieler für 100 Millionen Euro verkaufe und die Ablösesumme als Gewinn verbuche. „Wenn der Klub dann gleichzeitig einen Spieler für 100 Millionen Euro kauft und mit einem Fünfjahresvertrag ausstattet, wird der Spieler auf fünf Jahre abgeschrieben. Heißt: Der 20 Millionen Belastung durch die Abschreibung steht im Jahr eins ein Gewinn von bis zu 100 Millionen Euro gegenüber. Also: in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung 80 Millionen Plus“, erklärt Dreesen.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben, denn, so Dreesen, man gerate dadurch in eine „gefährliche Spirale“. Auf dem Papier steht zwar ein stattliches Plus zu Buche, doch bezahlen müsse man die 100 Millionen Euro für den neuen Spieler ja dennoch. „Sie haben also einen bilanziellen Gewinn, aber das Geld trotzdem nichts in der Kasse.“

Und der Verein, der neben den Transfererlösen keine anderen stabilen Geldquellen wie etwa Merchandisingeinnahmen, Sponsoring oder hochdotierte TV-Verträge aufweisen könne, sei gezwungen, immer wieder seine Spieler zu verkaufen. Für Dreesen und den FC Bayern gilt daher folgende Maxime: „Wenn wir klug investieren, müssen wir nicht in Umsatztabellen ganz oben stehen, um erfolgreicher als die (...) anderen Klubs zu sein.“

Dreesen hat keine Angst vor den Unsummen aus China

Die Finanzoffensive aus dem Reich der Mitte sieht Bayerns Herr des Geldes daher relativ gelassen. „Auch in China können die Leute rechnen. Über die Zeit wird sich das von alleine ins rechte Lot rücken“, glaubt der 49-Jährige.

Selbst Gerüchte, wonach ein chinesischer Klub 200 bis 250 Millionen Euro für Robert Lewandowski geboten haben soll, lassen Dreesen ruhig schlafen. „Uns geht es um den maximalen sportlichen Erfolg und nicht um eine Gewinn-Explosion. Wenn wir uns also bei bei Transfers schwächen, würden wir diese auch nicht machen.“

Daher habe auch die 100-Millionen-Euro-Offerte von Manchester United für Thomas Müller, die Dreesen explizit bestätigt (“So etwas hat es tatsächlich mal gegeben. Da kam ein Fax aus England“) keine Diskussion an der Säbener Straße ausgelöst.

Geld wie Heu! Ein Bayer unter den Top Ten der bestbezahlten Profis in 2015

Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 10: Andres Iniesta (FC Barcelona): 21,5 Millionen € (Gehalt: 15 Mio. €, Prämien: 2 Mio. €, andere Einkünfte: 4,5 Mio. €). © afp
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 9: Wayne Rooney (Manchester United): 22 Millionen € (Gehalt: 16,7 Mio. €, Prämien: 300.000 €, andere Einkünfte: 5 Mio. €). © dpa
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 8: Thomas Müller (FC Bayern): 23,6 Millionen € (Gehalt: 16 Mio. €, Prämien: 600.000 €, andere Einkünfte: 7 Mio. €). © dpa
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 7: Gareth Bale (Real Madrid): 24,5 Millionen € (Gehalt: 14 Mio. €, Prämien: 500.000 €, andere Einkünfte: 10 Mio. €). © dpa
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 6: Angel di Maria (Paris St. Germain): 26 Millionen € (Gehalt: 24 Mio. €, Prämien: 800.000 €, andere Einkünfte: 1,2 Mio. €). © afp
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 5: Thiago Silva (Paris St. Germain): 26,5 Millionen Euro (Gehalt: 23 Mio. €, Prämien: 1 Mio. €, andere Einkünfte: 2,5 Mio. €). © afp
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 4: Zlatan Ibrahimovic (Paris St. Germain): 28,5 Millionen Euro (Gehalt: 20 Mio. €, Prämien: 2,5 Mio. €, andere Einkünfte: 6 Mio. €). © dpa
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 3: Neymar (FC Barcelona): 43,5 Millionen Euro (Gehalt: 20 Mio. €, Prämien: 2,5 Mio. €, andere Einkünfte: 21 Mio. €). © dpa
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 2: Cristiano Ronaldo (Real Madrid): 67,4 Millionen Euro (Gehalt: 32 Mio. €, Prämien: 400.000 €, andere Einkünfte: 35 Mio. €) © dpa
Die bestverdienenden Fußballer der Welt im Jahr 2015
Platz 1: Lionel Messi (FC Barcelona): 74 Millionen Euro (Gehalt: 36 Mio. €, Prämien: 3 Mio. €, andere Einkünfte: 35 Mio. €). © afp

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