Bayern formschwach

Schweinsteiger dampft bei unangenehmer Frage ab

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Längst nicht alles im Griff: Bastian Schweinsteiger und seine Bayern bemühen sich, eine gute Figur abzugeben.

München - Die Bayern wissen selbst, dass sie in ihrer aktuellen Form Europa kaum das Fürchten lehren. Bastian Schweinsteiger zeigte sich nicht allzu gut gelaunt.

Bastian Schweinsteiger trug einen dieser Pappbecher aus der Kabine, die die Menschen gerne auf der Straße in einer Hand durch ihren Alltag balancieren. „Coffee to go“ sagt man da neudeutsch. Ob der Bayern-Kapitän aber tatsächlich Kaffee trank, war bei seiner Nachlese des 2:0 im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Braunschweig schwer herauszufiltern. Denn bei der ersten kritischen Frage machte er sofort kehrt und drehte ab. Unentspannt. Einige seiner Kollegen gaben indes zu, dass Kaffee als Hallo-Wach-Getränk für alle Münchner an diesem Abend keine schlechte Idee gewesen wäre.

„Wir haben ganz gut angefangen, uns dann einschläfern lassen – und dann wurde es immer schlechter“, fasste Jerome Boateng den Kick erfrischend ehrlich zusammen. Im Gegensatz zu seinem Kapitän war er um offene Worte nicht verlegen. „Gegen Schachtjor Donezk“, sagte Bayerns Abwehrchef, „reicht es so sicher nicht.“ Am kommenden Mittwoch reist der ukrainische Meister zum Champions League-Rückspiel an, im Gepäck hat er ein solides 0:0 als Basis. Gemeinhin wird Donezk weiterhin als Außenseiter eingestuft, doch die Bayern wissen selbst, dass sie in ihrer Form vom Pokal-Auftritt in Europa keinem Angst einjagen. Für Donezk kann es zwar noch reichen. Ohne eine gravierende Leistungssteigerung aber wäre ein Aus im Viertelfinale der Königsklasse kaum eine Überraschung. Und gleichzeitig eine Riesen-Enttäuschung.

Natürlich konnten die Bayern gegen Braunschweig die alte Binsenweisheit für sich reklamieren, ein gutes Pferd springe nur so hoch, wie es muss. Allerdings blieben sie bisher einen Nachweis schuldig, dass sie tatsächlich in der Lage sind, bei Bedarf die Zügel anzuziehen. Das Spiel ist außer Balance, weiterhin fehlen die Impulse aus dem zentralen Mittelfeld, weiterhin sind Konter drin. Zwar verbuchten die Braunschweiger keine nennenswerte Chance, doch ein Zweitligist geht als Maßstab nicht durch, wenn man demnächst gegen Titelaspiranten in Europas Elite erfolgreich bestehen möchte.

Schweinsteiger verdrückte sich bei der Frage, was er dazu sage, dass das Aufbauspiel lahmt, sobald er und Xabi Alonso gemeinsam Regie führen – dabei ist das genau einer der zentralen Ansatzpunkte, wenn man analysiert, warum die Stafetten aus der Hinrunde im neuen Jahr kaum noch abgerufen werden. Der Spanier ist seit der Rückkehr des Kapitäns nur ein Schatten seiner selbst – Gründe hierfür sucht man bisher ebenso erfolglos wie Pep Guardiola Lösungen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Mario Götze nach einem kurzzeitigen Höhenflug im Nach-WM-Spätsommer wieder in jenen fast unsichtbaren Mario Götze aus der Vorsaison verwandelt hat und auch Thomas Müller seine undurchsichtigen Laufwege nicht wie gewohnt findet. Müller wurde am Mittwoch erst in der Schlussphase eingewechselt, zuvor hatte er einen guten Blick auf das Geschehen. Sein Fazit: „Das war keine Gala, es war ein Pflichtsieg. Wir haben uns den Zahn ziehen lassen und waren auf einmal recht schläfrig.“ Matthias Sammer hatte sich unlängst Maschinen gewünscht, doch davon sind die Münchner weit entfernt – Maschinen können nicht schläfrig werden. Franck Ribery verteidigte das Team: „Wir sind Menschen, keine Maschinen.“

Als wohltuender Paukenschlag kam da David Alabas Freistoßtreffer zum 1:0 daher. „Er hat einen super Linksfuß“, lobte Ribery, und wie er „Linksfuß“ in seinem drolligen Deutsch-Französisch gesagt hatte, klang es fast wie „Hexenfuß“. Das hätte noch besser gepasst. „Der Freistoß war klasse, klasse, klasse“, staunte Robert Lewandowski, „im Training schießt er die Freistöße nie so.“ Muss er ja auch nicht – im Spiel ist es wichtiger, und den Bayern tut es gut, dass der Österreicher immer mehr zur tragenden Figur wird. Er war gegen Braunschweig der beste Mann auf dem Platz, ja, man kann sagen: Das war wenigstens einer, der an diesem Abend keinen Kaffee nötig hatte. Ein ausgeschlafenes Kerlchen.

Andreas Werner

 

Eine 5 und nur eine 2! Noten & Bilder zu Bayern - Braunschweig

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