De Gefahr der frühen Spieltage

Guardiola: "Wir töten die Spieler"

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FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola.

München – Der FC Bayern startet heute mit einem Spiel gegen den SC Paderborn in die Aufsteiger-Woche. Pep Guardiola kritisiert die Termindichte und wünscht sich ein bisschen mehr NBA in der Bundesliga.

Tatsächlich: Pep Guardiola hat in der Bundesliga noch nie gegen einen Spitzenreiter spielen müssen. Meist sind das die Bayern selbst. Und wenn nicht sie, dann Borussia Dortmund. Doch als die Münchner vorige Saison, in Guardiolas Einstandsjahr, auf den großen Widersacher im direkten Duell trafen, hatte der die Tabellenführung schon abgegeben.

Am fünften Spieltag von Pep-Saison zwei ist es aber so weit: Der FC Bayern als Nicht-Spitzenreiter fordert den Spitzenreiter. Und der heißt: SC Paderborn. Kommt heute nach München. Zum Wiesn-Spiel. Die ganze Fußball-Nation reißt derzeit wohlwollend Paderborn-Witze.

Niemand scheint die elf Deutschen in der Startaufstellung von Paderborn zu bemerken

Es fügt sich gerade alles zu einer schönen Geschichte zusammen: Dass die Klubs gegeneinander spielen, von denen jeder für ein Extrem der Liga steht (siehe Tabelle unten) – aber dass der kleine Verein höher notiert in diese Partie geht; dass Paderborn bisher mehr Tormaschine ist als der FC Bayern (7:5 Treffer); dass die Abwehr des SCP genauso stabil ist wie die des Rekordmeisters (2:2 Gegentreffer). Und dass ein Spieler von Paderborn weiter schießen kann als die Stars der Bayern, oder? Frage an Pep Guardiola: Ob in seiner Mannschaft jemand den Ball so weit raushauen könnte wie Moritz Stoppelkamp, der 82,3-m-Rekordschütze aus Paderborn? Der Bayern-Trainer muss überlegen. Dann sagt er: „Manu.“ Neuer, sein Torwart.

Auf eine Besonderheit des Paderborner Teams macht der ehemalige Nationalspieler Karlheinz Riedle, Weltmeister von 1990, in seinem vor allem für den internationalen Markt betriebenen englischen Twitter-Account aufmerksam: „Niemand scheint zu bemerken, dass Paderborn am letzten Spieltag elf Deutsche in seiner Startaufstellung hatte. Davon könnten Wolfsburg und Frankfurt lernen.“ Der SC Paderborn als der wahre FC Deutschland – der zu sein der FC Bayern gerne für sich reklamiert.

Guardiola sieht den FC Bayern "einen Monat hinterher"

Dass eine Mannschaft aus weitgehend unbekannten Spielern – Pep Guardiola hat es vermieden, sich auf Namen wie Hünemeier, Strohdiek oder Brückner einzulassen – mal oben steht, gehört zu den Konstellationen, die sich in der frühen Phase einer Saison einfach ergeben können. Schon Louis van Gaal, einer von Guardiolas Vorgängern in München, hatte den Klub aufgefordert, bei der Deutschen Fußball-Liga seinen Einfluss geltend zu machen, dass man es an den ersten Spieltagen nicht mit einem Aufsteiger zu tun bekommt. Denn die Geschichte zeige: Die neuen Teams würden zunächst von ihrer Unbeschwertheit getragen, sie fangen die Saison in besserer Verfassung an als sie sie beenden. Guardiola denkt ebenso: Anfällig sind die „großen Teams wie wir, Dortmund, Schalke, Leverkusen nach dem Urlaub.“ Derzeit sieht Guardiola seine Bayern „einen Monat hinterher“. Er beruhigt, dass die Mannschaft viel besser spielen werde als sie das soweit gezeigt habe, „aber wir brauchen Zeit“. Bis? Er spricht schon von der Winterpause, „wenn die Verletzten zurückkommen“.

Routiniert jammert er noch ein wenig vor sich hin: „We kill the players.“ Man töte die Spieler durch zu hohe Belastung: „Philipp Lahm spielt seit zwölf Jahren jeden dritten Tag. Wir verlangen zu viel von den Spielern.“ Die Basketball-Liga NBA, für die sich Guardiola interessiert und die er in seinem Sabbatjahr in New York verfolgte, habe auch einen dichten Rhythmus an Spielen – „doch es sind fünf Monate Urlaub“.

Guardiola: "Die Tabelle ist jetzt nicht wichtig"

Heute Paderborn, am Samstag in Köln – nacheinander (und an den von van Gaal gefürchteten frühen Spieltagen fünf und sechs) trifft der FC Bayern auf die beiden gut gestarteten Aufsteiger. Leichte Spiele, schwere Spiele?

Pep Guardiola räumt ein, über Paderborn bis vor kurzem gar nichts gewusst zu haben. Er hat sich aber drei, vier Spiele in der Aufzeichnung angesehen und findet, „dass es kein Glück und keine Überraschung ist, dass Paderborn oben steht“. Er erwartet auch, dass die Westfalen in der Allianz Arena ihre Chance suchen werden: „Paderborn wird sicher nach vorne gehen. Sie haben das bisher so gemacht, warum sollten sie das ändern? Und sie haben keinen Druck.“

Einen standesgemäßen Sieg gegen ein gerade aus der 2. Liga gekommenes Team vorausgesetzt, würde der FC Bayern heute Abend die Bundesliga-Führung wieder an sich nehmen. Pep Guardiola meint: „Die Tabelle ist jetzt nicht wichtig.“ Würde sich aber natürlich viel leichter sagen, wenn man dennoch oben steht und einen Spitzenreiter gestürzt hat.

FC Bayern SC Paderborn
Bundesliga-Saisons 50 1
Fassungsvermögen Stadion 71.000 15.000
Verkaufte Dauerkarten 38.000 11.000
Mitglieder 239.000 10.000
Offizielle Fanclubs 3576 39
Umsatz (2012/13) 432,8 Mio. Euro 14,7 Mio. Euro
Teuerster Transfer Javi Martinez  (2012) 40 Mio. Euro Moritz Stoppelkamp (2014) 700.000 Euro

"Hey, Medhi, pass auf die Paderborner auf!" - Bilder vom Sonntagstraining

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Von Günter Klein

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