Er ist um jede Grätsche dankbar

FC-Stürmer Hosiner: Darum gibt's keine Ösi-Wette mit Alaba

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Philipp Hosinerwar einen Monat lang „ans Bett gefesselt“

Köln - Kölns Philipp Hosiner spricht vor der Partie gegen den FC Bayern über seinen Nierentumor, seine Vorbildfunktion – und warum er keinen Groll gegen 1860 München hegt.

Philipp Hosiner (26) hat sich beim TSV 1860 erste Sporen verdient, über Austria Wien und Stade Rennes kam er zum 1. FC Köln, mit dem er nun auf den FC Bayern trifft. Vor einem halben Jahr musste er einen enormen Schock verwinden, als ein Tumor an seiner Niere entdeckt wurde.

Herr Hosiner, welche Erinnerungen werden am Samstag bei Ihrer Rückkehr nach München wach?

Sehr schöne. München ist eine tolle Stadt, ich habe noch immer viele Freunde hier, die ins Stadion kommen werden.

Sind Ihre Erinnerungen an 1860 auch schön? Sie erhielten nach drei Junioren-Jahren keinen Profivertrag.

Ach, ich habe keinen Groll gegen 1860. Ich habe dort den Sprung in den Erwachsenenbereich geschafft und hatte in der Regionalliga eigentlich eine gute Torquote. Natürlich hätte ich mir einen Profivertrag gewünscht, aber dazu kam es nicht, also musste ich mein Glück woanders suchen. Es war insgesamt aber eine tolle Zeit, und es tut mir auch heute noch in meinem Herzen weh, wenn ich sehe, wie sich die Löwen schwertun beim Kampf um den Klassenerhalt.

Haben Sie Bayerns 0:2 bei Arsenal gesehen, kann man da Rückschlüsse für das eigene Duell ziehen?

Arsenal hat eine andere Qualität, das ist klar. Aber auch wir werden einen Matchplan haben und fahren nicht nach München, um da nur einen schönen Ausflug zu haben. Wir wollen die Bayern ärgern.

Klassische Frage in so einem Fall: Ist Bayern nun verwundbar oder gefährlicher?

Wir hoffen, dass sie jetzt ein bisschen aus dem Rhythmus gekommen sind und wir das ausnützen können. Vielleicht schießen sie ja jetzt nicht mehr ihre Tore wie am Fließband.

Wie ist Ihr Kontakt zu Landsmann David Alaba?

Sehr gut, wir sind Freunde, kennen uns von der Nationalmannschaft. David ist einfach toll, das Aushängeschild des österreichischen Fußballs.

Gibt es eine Wette?

Bisher nicht. Aber da wäre David wohl etwas im Vorteil. Also lieber nicht (lacht).

Wie steht es denn um Ihre EM-Teilnahme?

Ich hoffe auf eine Chance und möchte mich in Köln mit Einsätzen und Toren empfehlen.

Was trauen Sie Ihrer Auswahl in Frankreich zu?

Das Ziel sollte die K.o.-Phase sein. Das ist auch realistisch, und dann werden wir sehen, wie weit es noch geht. Bei der Qualifikation haben wir auf jeden Fall gezeigt, dass wir uns sehr gut entwickelt haben.

Wie geht es Ihnen generell? Im Januar wurde bei einer Routineuntersuchung ein zwei Kilo schwerer Tumor an der Niere entdeckt.

Mir geht es gut, ich habe mit dieser Sache zum Glück abschließen können. Ich habe keine Schmerzen und keine Nachbehandlungen mehr, nur noch regelmäßige Kontrollen. Alles ist zu 100 Prozent verheilt. Ich musste nur im Sommer und auch noch in den ersten Spielen Grundlagen nachholen. Nach dem Eingriff war ich ja doch einen Monat lang ans Bett gefesselt und konnte mich kein bisschen bewegen. Das braucht natürlich Zeit, bis man wieder wirklich fit ist.

Was hat sich seitdem für Sie geändert?

Es war damals ein großer Schock. Ich habe mich früher auch schon bemüht, die Dinge nicht als selbstverständlich zu nehmen, aber nach so einer Diagnose nimmst du natürlich alles noch viel bewusster wahr. Du bist noch dankbarer.

Ist man sogar für jede Grätsche dankbar?

Ja, ist man. Auch über Läufe, die man früher vielleicht ungern gemacht hat. Ich sage mir heute: Sei doch froh, dass du in einer Bundesligamannschaft dabei sein darfst. Auch bei vielleicht eher ungeliebten Dauerläufen. Man sieht alles aus einem anderen Blickwinkel.

Sie standen bereits neun Wochen nach der OP wieder auf dem Platz. Haben Sie keine Angst mehr beim Zweikampf – Rücksicht kann man ja schwer einfordern in der Branche . . .

Naja, die Niere ist ja an und für sich gut verpackt im Körper. Im Fußball besteht für sie keine so große Gefahr wie etwa bei einem Boxer oder auch Eishockeyspieler. Die Ärzte haben auch klar gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Es gibt für solche Fälle nicht einmal eine Extra-Bandage. Und Rücksicht brauche ich auch nicht von anderen. Ich bin ein Spieler wie jeder andere auch.

Ihr Trainer Peter Stöger sagt, Ihre Story sei hollywoodreif . . . Wer hätte einen Oscar verdient? Vielleicht der Arzt, der den Tumor entdeckt hat?

Er wäre ein guter Kandidat. Es war ein Riesenglück, dass der Tumor entdeckt wurde. Das war vielleicht Schicksal. Sechs Monate zuvor hatte ich ja schon mal in Frankreich einen Medizincheck, und da wurde der Tumor noch nicht erkannt. Ich kann einfach nur froh sein.

Sehen Sie sich heute auch ein bisschen als Vorbild für Menschen, die gesundheitlich sehr schwierige Zeiten durchmachen müssen?

Ich bin stolz, wenn mich andere als ein Vorbild nehmen. Als ich krank war, habe ich auch viele Briefe bekommen von Leuten, die mit Fußball nichts zu tun haben und eine ähnliche Krankheitsgeschichte hatten. Sie haben mir Mut zugesprochen, manche haben auch Respekt dafür bekundet, wie offen ich mit dieser Sache umgehe. Ich finde es wichtig, darüber zu sprechen. Wenn ich mit meiner Geschichte nur ein paar Menschen helfe, dass sie aus schwierigen Situationen gestärkt hervorgehen, bin ich schon überglücklich.

Interview: Andreas Werner

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