Gespräch mit dem Vierten Offiziellen

Guardiola: Diskussionsbedarf in der Halbzeit

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Pep Guardiola am Spielfeldrand.

Karlsruhe - Ungefährdet, aber auch ohne jeden Glanz besiegt der FC Bayern den Oberligisten FC Nöttingen im DFB-Pokal. Pep Guardiola hatte in der Halbzeit Diskussionsbedarf.

Niklas Hecht-Zirpel wäre ein hübscher Name für einen DFB-Pokalhelden gewesen. Ein Name mit dem Klang der Provinz. Es gehört zum Wesen dieses Wettbewerbs, dass bis dato unbekannte Menschen mit einer einzigen Aktion berühmt werden, für einen Tag und vielleicht sogar für eine kleine Ewigkeit. Niklas Hecht-Zirpel hatte diese Aktion gestern um Viertel nach Vier. Sein erster Schuss wurde noch von Sven Ulreich pariert, sein zweiter Versuch aber saß. Es war nach 16 Minuten der Ausgleich für den Oberligisten FC Nöttingen im Pokalspiel gegen den FC Bayern, aber es war auch ein Freudenmoment, der nicht lange währte. Eine Minute später gingen die Bayern wieder in Führung und gerieten danach nie mehr in Gefahr.

Man sollte sich niemals zu lange freuen als kleiner Verein, denn das Imperium kann jederzeit zurückschlagen. Am Ende stand es 1:3, und mit diesem Ergebnis konnten alle prima leben. Die Gastgeber, weil ihnen ein Tor gelungen war und noch einige weitere hübsche Aktionen. Und die Gäste, weil sie die Pflichtaufgabe routiniert und letztlich ungefährdet überstanden hatten, wenn auch ohne jeden Glanz. Pep Guardiola sah zufrieden aus, als er sein Fazit zog. Er bescheinigte seiner Mannschaft „Charakter, Enthusiasmus und Seriösität“ und entschuldigte die matten Momente. „Bei 36 Grad um vier Uhr nachmittags ist es nicht einfach. Wir brauchen die Energie für den Ligastart.“

FC Bayern gegen FC Nöttingen: Vidal verwandelt Elfmeter

Die erste Runde im DFB-Pokal ist die große Zeit für Studenten und Sachbearbeiter, Betriebswirte und Handwerker. Auch Felix Zachmann ist kein Fußballprofi und deshalb über die Heimatregion hinaus kaum bekannt, doch gestern in Karlsruhe hatte er einen Moment, in dem alle auf ihn schauten – Pech für Zachmann. Schon nach fünf Minuten, als der Oberligist noch arg mit seinen Nerven zu kämpfen hatte, ging der Defensivmann ohne Not mit dem Unterarm zum Ball. Zachmann ist gelernter Erzieher und wusste natürlich, dass Regeln einzuhalten sind. Und so brachte Arturo Vidal die Bayern schon früh per Elfmeter in Führung. Der Chilene übernahm somit Verantwortung und erfüllte auch sonst die in ihn gesetzten Erwartungen voll. Eine Minute nach seinem Tor sah er für eine kernige Grätsche Gelb.

Dankbarer als mit diesem 1:0 hätte die Partie aus Sicht des haushohen Favoriten nicht beginnen können. Nicht dass es die Bayern nötig gehabt hätten. Sie starteten konzentriert in die Partie und hätten durch Mario Götze leicht auf 2:0 davonziehen können (12.). Aber manchmal entwickeln sich Spiele urplötzlich anders, wenn der Außenseiter aus dem Nichts seine Chance bekommt und beherzt zugreift.

Doch weil Nöttingen in der Euphorie des Ausgleichs kurz die Ordnung aufgab, erübrigten sich alle Gedankenspiele gleich wieder. Götze stellte die alte Führung her, Robert Lewandowski polsterte sie wenig später noch aus (26.). Das einzig Überraschende an den folgenden fast 70 Minuten war die Tatsache, dass die Bayern das Resultat nicht standesgemäßer gestalteten.

Pep Guardiola diskutiert in der Halbzeit mit dem Vierten Offiziellen

Guardiola wirkte nicht sehr glücklich, als er zur Pause seinen Platz an der Linie verließ. Auf dem Weg in die Kabine marschierte der Trainer, unter Spannung wie immer, zum vierten Unparteiischen und redete mit erhobenem Zeigefinger auf ihn ein. Inspirierter wurde der Vortrag seiner Mannschaft aber auch nach dem Wechsel nicht. Am nächsten kam noch Lewandowski dem vierten Treffer, als er eine Viertelstunde vor Schluss ein Zuspiel von Douglas Costa nicht ganz erreichte.

Der Brasilianer, der schon während der gesamten Vorbereitung viele Akzente gesetzt hat, war auch gestern einer der auffälligsten Münchner. Ein anderer, aber im negativen Sinn, war Sven Ulreich. Der Torhüter griff sich mehrfach Bälle erst im Nachfassen und sah auch beim Ausgleich nicht souverän aus. Immerhin: In der Schlussphase parierte er einmal glänzend. Es hätte sonst noch mal hitzig werden können.

FC Nöttingen – FC Bayern 1:3

Nöttingen: Kraski – Walter, Schmidt, Fuchs, Bilger – Schneckenberger, Zachmann (82. Neziraj) – Hecht-Zirpel (70. Bitzer), Brenner – Schürg, Gür (77. Schenker).

FC Bayern: Ulreich 5 – Rafinha 3, Boateng 3, Alaba 4, Bernat 3 – Vidal 2 (46. Höjbjerg 3), Kimmich 3 (74. Dante 0) – Lahm 3 (55. Robben 3), Götze 3, Costa 2 – Lewandowski 2. Schiedsrichter: Kampka (Mainz).

Zuschauer: 30 000.

Tore: 0:1 Vidal (5., Handelfmeter), 1:1 Hecht-Zirpel (16.), 1:2 Götze (17.), 1:3 Lewandowski (26.).

Gelbe Karten: – Vidal, Boateng.

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Von Roy Mansen

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