Gemeinsamkeiten, Unterschiede

So ticken Hoeneß und Mateschitz: Der Patriarchen-Check

Uli Hoeneß (r.) und Dietrich Mateschitz
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Uli Hoeneß (r.) und Dietrich Mateschitz.

München - Man kennt sich. Wie denn auch nicht? Wenn es Mittwoch in der Allianz Arena zum Gipfel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig kommt, stehen sich nicht nur die beiden besten Teams der Liga gegenüber, sondern auch Uli Hoeneß und Dietrich Mateschitz.

Das Duell um die Tabellenspitze ist auch Duell des FCB-Chefs gegen den Red-Bull-Boss. Die Fakten gibt’s im tz-Check!

Wie haben die Patriarchen ihr Vermögen und ihre Position erlangt?

Hoeneß: Nach seiner Zeit als Kicker wurde er Bayern-Manager und Unternehmer. 1985 gründete Hoeneß mit Werner Weiß die HoWe Wurstwaren KG, die Aldi, Käfer und McDonald’s beliefern. Geleitet wird HoWe nun von Tochter Sabine und Sohn Florian, der Jahresumsatz wird auf 55 Millionen Euro geschätzt. Tagesproduktion: Bis zu vier Millionen Würstl.

Mateschitz: Dank des Jetlags! Bei einer Hongkong-Reise im Jahr 1982 bekämpfte Mateschitz die Müdigkeit mit einem örtlichen Energy Drink. Der Name: Kratin Daeng. Zu deutsch: Roter Bulle. 1984 gründete er mit thailändischen Partnern Red Bull, sein Vermögen wird von Forbes auf 12,8 Milliarden Dollar geschätzt.

Welchen Bezug haben Hoeneß und Mateschitz zum Sport?

Hoeneß: Uli Hoeneß kam im Jahr 1970 nach München und ist 46 Jahre später der personifizierte FC Bayern. Als Aktiver wurde er Welt- und Europameister und gewann dreimal den Landesmeister-Cup. Mit 27 wurde Hoeneß jüngster Manager der Liga und holte mit Bayern in dieser Zeit 19 Meisterschalen, elf DFB-Pokale und zweimal die Champions League.

Mateschitz: Für seine sportlichen Fähigkeiten ist Mateschitz nicht bekannt, dafür jedoch für sein „sportliches“ Hobby. Der Red-Bull-Boss steht auf Flugzeuge und hat sich seine eigene Flotte gekauft. Die Flying Bulls, die auch als Werbeträger eingesetzt werden, können im Hangar-7 in Salzburg bewundert werden.

Wie steht es um das soziale Engagement der zwei Bosse?

Hoeneß: Hoeneß sagt selbst: „Wenn ich in einer Stunde bei einem Vortrag zwischen 20 000 und 30 000 Euro für wohltätige Zwecke erwirtschaften kann, geht mir das Herz auf.“ Die Dominik-Brunner-Stiftung, das gespendete Freigänger-Gehalt und sein Engagement für das Bunte Münchner Kindl belegen die Aussage.

Mateschitz: Ähnlich wie Hoeneß ist auch Mateschitz für seine ­soziale Ader bekannt. Seine Stiftung Wings for Life verfolgt das Ziel, Querschnittslähmung heilbar zu machen. Der Magnat ließ einem Forschungsprojekt zu diesem Thema zudem 70 Millionen Euro zukommen, die drittgrößte Privatspende in der Geschichte Europas.

Wurde oder wird im Bezug auf die beiden Macher auch Kritik laut?

Hoeneß: Für seine Steueraffäre musste Hoeneß eine Welle der Kritik ertragen, doch auch sportlich machte sich der Bayern-Lenker nicht immer nur Freunde. Willi Lemke und Christoph Daum sind nur zwei Beispiele. Ebenfalls kritisiert wurde Hoeneß dafür, direkten Konkurrenten die besten Spieler wegzukaufen.

Mateschitz: Besonders aktuell ist die Kritik für das Projekt RB Leipzig, das laut BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nur dazu diene, eine Dose zu promoten. Bei Red Bull gilt er als kühl und distanziert. Den eigenen Sender Servus TV wollte er wegen einer geplanten Betriebsratsgründung einstampfen. Folge: Der Betriebsrat kam nicht zustande.

Treiben Hoeneß und Mateschitz gemeinsame Projekte voran?

Hoeneß: Hoeneß pflegt ein gutes Verhältnis zu Dietrich Mateschitz und verteidigte erst jüngst dessen Leipziger Modell. Gemeinsame Projekte gibt es auch: Im Gespräch ist eine neue Multifunktionshalle in München, in der die FCB-Basketballer und die Red-Bull-Eishockeycracks unter demselben Dach spielen können.

Mateschitz: Mateschitz schickte Hoeneß nach dessen Haftentlassung einen persönlichen Brief. Im Fußball bleiben sie aber Rivalen. Hoeneß: „Wie ich den Herrn Mateschitz kenne, wird er, wenn es an Weihnachten notwendig ist, noch ein paar Milliönchen drauflegen.“

Wie groß ist der direkte Einfluss auf ihre Klubs?

Hoeneß: Auch wenn Hoeneß als Präsident des FC Bayern formal nur wenig Einfluss auf die operativen Geschäfte an der Säbener Straße hat, hat sein Wort Gewicht. Gemeinsam mit Karl-Heinz Rummenigge fällt er die wichtigen Entscheidungen im Verein und formt so auch weiterhin aktiv den FC Bayern der Zukunft.

Mateschitz: Auch wenn er mit 70 Jahren bei Red Bull nur noch drei Tage die Woche arbeitet, fällt Mateschitz weiterhin wichtige Entscheidungen selbst. Anders im Fußball: Hier vertraut er auf die Expertise von Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl – aber ohne Mateschitz läuft nichts.

tz

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