Liga-Kracher nach dem Pokal-Krimi

Bayern gegen Leipzig: Keine Zeit für Freude

+
Schnell wieder Bodenhaftung bekommen: Heynckes’ Auftrag – unter anderem an Martinez und Alaba.

Wenn Leipzig in München gastiert erwartet man ein Spiel, in dem jeder gewinnen kann. Eines, das laut Heynckes „genauso eng“ werden wird wie jenes im Pokal. Entschieden wird es wohl im Kopf.

München – Natürlich kam sie wieder, die Hunde-Frage. Und für einen Moment dachte man am Freitag: Zum Glück hat das jetzt der Cando nicht gesehen. Denn als der Fragesteller das Wort „Hund“ in den Mund nahm, rollte der Bayern-Trainer doch tatsächlich kurz mit den Augen. Kaum einen Vierbeiner kennen Fußballfans der Nation ja inzwischen besser als Schäferhund Cando, der sein Herrchen vermisst, auf Frauchen Iris aufpasst und ab und an nicht fressen mag. Aber am Freitag ging es ausnahmsweise mal nicht um ihn. Jupp Heynckes wurde zu einem Tier gefragt, das den Namen „Ben“ trägt und ihm räumlich deutlich näher ist als der geliebte Cando.

Ben nämlich wohnt am Tegernsee und hat Tierfreund Heynckes am Donnerstag einen Besuch an der Säbener Straße abgestattet. Die Kennenlernfreude war groß, auf beiden Seiten, und auch die Hundehalterin nahm ihren guten alten Freund herzlich in den Arm. Susi Hoeneß, verriet Heynckes am Tag vor dem zweiten Spiel gegen RB Leipzig binnen einer Woche, habe zu ihm gesagt: „Ich möchte dich ja schon mal sehen, bevor du im Sommer wieder weg bist.“ Und weil Vollzeit-Trainer Heynckes eben die Zeit fehlte („auch für Freude ist im Moment kein Platz“), habe die Präsidenten-Gattin sich den Mitbewohner im Hause Hoeneß eben gepackt und sei kurzerhand ins Auto gestiegen. Selbst ist die Frau.

„Wir sind zuhause eine Macht“

In Momenten, in denen Heynckes solche Anekdoten erzählt – und er macht das gerne und ausführlich – merkt man, wie herrlich erfrischend ein Gesprächspartner sein kann, der a) der deutschen Sprache mächtig ist und b) richtig Spaß an seinem Job hat. Natürlich, der Last-Minute-Sieg am Mittwoch hat auch ihm selbst noch etwas mehr Rückenwind verpasst, der 72-Jährige und sein Team gehen mit breiter Brust in das Duell an diesem Samstag (18.30 Uhr) , das mit Blick auf die enge Tabellenspitze einen ähnlich wichtigen Charakter hat wie jenes in der zweiten Runde des Pokals. Heynckes sagte am Freitag Sätze wie „wir sind zuhause eine Macht“ und „die Mannschaft hat Sicherheit und Selbstvertrauen“. Er ließ aber auch nicht außer Acht, „dass wir noch besser spielen können. Das wissen wir auch.“

Heynckes gefielen die „aggressiven Elfmeter“

Am Mittwoch hatte man schon viele positive Dinge gesehen. Heynckes haben vor allem die „aggressiven Elfmeter“ gefallen, die gezeigt hätten, „dass die Spieler wieder von sich überzeugt sind“, auch das „taktisch kluge, clevere und geduldige Spiel“ sei ganz nach seinem Gusto gewesen, berichtete er. Trotzdem aber ist ihm nicht entgangen, dass der Platzverweis von Leipzigs Keita seinem Team in die Karten spielte, die Balance im Mittelfeld nicht immer stimmte und die Offensivkräfte zahlreiche Chancen ungenutzt ließen. „Man kann nicht alles in drei Wochen verändern“, stellte er daher klar. Man sah ihm in diesem Moment aber an, dass er auf das, was er schon verändert hat, mächtig stolz ist.

Man kann nur darüber spekulieren, wie Duelle gegen Leipzig vor rund einem Monat ausgegangen wären. Stand heute erwartet man ein Spiel, in dem jeder gewinnen kann, eines, das laut Heynckes „genauso eng“ werden wird wie jenes im Pokal. Hitzig wird es erneut zugehen, „in solchen Spielen werden die Emotionen immer hoch geschossen“, auf beiden Seiten. Der Sieg vom Mittwoch biete – wenn überhaupt – „einen ganz kleinen psychologischen Vorteil“.

„Die Psychologie spielt eine wesentliche Rolle“

Auf den Kopf wird es ankommen, „die Psychologie spielt eine wesentliche Rolle“, denn 120 Minuten stecken allen Beteiligten noch in den Knochen. Heynckes hat in den letzten Tagen daher einige Einzelgespräche geführt, ein besonders langes sogar mit Kingsley Coman, der ihm versicherte, trotz Knieprellung einsatzfähig zu sein („er brennt“). Auch James, der in Leipzig wegen Rückenproblemen fehlte, ist im Aufgebot. Heynckes ließ zudem durchblicken, dass Mats Hummels und Jerome Boateng in der Innenverteidigung gesetzt sind und Javi Martinez (am Mittwoch eingewechselt) wohl anstelle von Arturo Vidal spielen wird.

Über den Chilenen, der am Mittwoch Gelb-Rot-gefährdet ausgewechselt wurde und darüber hinaus Ärger wegen einer Disko-Schlägerei hat, verlor Heynckes kein schlechtes Wort. Es gibt so ein paar alte Weggefährten, auf die der Bayern-Coach nichts kommen lässt. Vidal ist „ein ziemlich guter Freund“ von ihm, sagte er. Über ihm stehen nicht mehr viele. Vielleicht aber die Familie Hoeneß. Und seit Neuestem auch Ben.

Hier geht es zumLive-Ticker zum Spiel FC Bayern gegen RB Leipzig.

WhatsApp-News zum FC Bayern gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für FCB-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Roten direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Auch interessant

Meistgelesen

Verlängerung der Gnabry-Leihe nach Hoffenheim? Rummenigge spricht Klartext
Verlängerung der Gnabry-Leihe nach Hoffenheim? Rummenigge spricht Klartext
Reschke verrät: Daran scheiterte der Griezmann-Wechsel zum FC Bayern
Reschke verrät: Daran scheiterte der Griezmann-Wechsel zum FC Bayern
Bei Fanclub-Besuch: FCB-Anhängerin bemerkt „duftes“ Detail an James
Bei Fanclub-Besuch: FCB-Anhängerin bemerkt „duftes“ Detail an James
Bayern-Star Ribéry muss vor Gericht: Es geht um Millionen
Bayern-Star Ribéry muss vor Gericht: Es geht um Millionen

Kommentare