Gewinner und Verlierer des Rückspiels

Fans top, Götze floppt: Die Lehren aus dem 3:2 gegen Barca

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Mario Götze kam gegen Barcelona nicht über die Reservistenrolle hinaus, die Bayern-Fans waren über 90 Minuten der zwölfte Mann für die Bayern.

München - Raus mit Applaus: Der FC Bayern verabschiedet sich ehrenhaft gegen den FC Barcelona aus der Champions League. Wer hat sich im Rückspiel besonders ausgezeichnet? Und wer hat jetzt ganz schlechte Karten? Die Gewinner und Verlierer:

Es war ein Achtungserfolg: Mit 3:2 gewann der FC Bayern das Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona. Doch die 0:3-Hypothek aus dem Hinspiel war zu groß, für den deutschen Rekordmeister ist damit in der Königsklasse Schluss. Unterm Strich steht damit für die erfolgsverwöhnten Münchner "nur" ein Titel, nämlich die Meisterschaft in der Bundesliga. Die Lehren aus den 90 Minuten am Dienstagabend machen jedoch Mut für neue Aufgaben. Wir nennen die Gewinner und Verlierer des vergeblichen Kraftakts:

Gewinner

Die Fans des FC Bayern

90 Minuten gaben sie alles, schrien sich die Lunge aus dem Leib, klatschten sich die Hände wund und feuerten ihre roten Lieblinge an, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen. FCB-Kapitän Lahm schwärmte nach dem Abpfiff von der außergewöhnlichen Atmosphäre in der Allianz Arena: "So etwas habe ich selten erlebt!" Und Thomas Müller lobte: "Die Unterstützung war selten so groß wie heute, auch wenn wir ausgeschieden sind. Hut ab, da kriegt man Gänsehaut, und das kommt nicht so oft vor bei mir.“ Bereits vor dem Anpfiff beeindruckte der Münchner Anhang mit einer spektakulären Choreo. Auch wenn am Ende drei Treffer zum Wunder fehlten, die Fans des FC Bayern erwiesen sich eindeutig als finalreif.

Die Moral der Mannschaft

Gegen dieses Über-Barca einen 0:3-Rückstand aus dem Hinspiel aufholen? So mancher Fußballspieler hätte da schon vor dem Anpfiff abgewinkt. Aber nicht der FC Bayern! Mit kühlem Kopf und heißem Herzen brannten die Profis von der ersten Sekunde an - als Medhi Benatia nach sieben Minuten das schnelle 1:0 erzielt hatte, war der Glaube ans Finale bei allen Spielern greifbar. Auch beim zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand steckten Thomas Müller & Co. nicht die Köpfe in den Sand, gaben bis zum Abpfiff alles. "Ein überragendes Kompliment an diese Spieler", schwärmte Pep Guardiola. Der Coach versammelte seine Akteure nach dem Spiel gesammelt in der Kabine, um ihnen seine Hochachtung und seinen Dank auszusprechen - Müller wurde sogar vor laufenden Kameras aus dem TV-Studio entführt.

Juan Bernat

Im Hinspiel am Camp Nou wurde der kleine Spanier zur tragischen Figur. Mit seinem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung verschuldete er das erste Gegentor und brachte auch sonst wenig bis nichts zustande - eine Lehrstunde für den 22-jährigen Senkrechtstarter des FC Bayern. Doch das Rückspiel in der Allianz Arena nutzte Bernat zur Rehabilitierung. 98 Prozent seiner Pässe kamen an - ganz im Gegensatz also zu seinem Fehlpassfestival im Hinspiel. Außerdem entschied der Linksfuß 61 Prozent seiner Zweikämpfe für sich. Seine Aufgabe gegen Lionel Messi löste er am Dienstagabend wesentlich besser, auch wenn der Superstar natürlich nie komplett auszuschalten ist.

Thomas Müller

Das Bayern-Urgestein verkörperte den Sieges- und Kampfeswillen wie kein Zweiter. Mit jeder Faser seines Körpers wollte Müller den Finaleinzug doch noch schaffen - das war bis auf den Oberrang unter dem Dach der Allianz Arena deutlich zu spüren. Im Hinspiel noch ausgewechselt, durfte der 25-Jährige am Dienstag immerhin bis zur 87. Minute mitwirken, mit seinen unkonventionellen Aktionen brachte er die Barca-Abwehr ein ums andere Mal ins Schlingern und traf auch selbst zum Endstand von 3:2. Wenn es ihm bis dato noch nicht klar war, weiß Guardiola spätestens seit Dienstagabend, wie wichtig Müller für diese Mannschaft und diesen Verein ist.

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Sebastian Rode

Der Mittelfeldmann gilt als bissiger Zweikämpfer und eher als Mann fürs Grobe. Doch nach seiner Einwechslung im Rückspiel gegen die Katalanen, zeigte Rode, dass diese Eigenschaften auch in einem Champions-League-Halbfinale extrem wichtig sein können. Er war Guardiolas erster Einwechselspieler - also noch vor Weltmeister Mario Götze - und wurde nach seinen Balleroberungen oder erfolgreichen Defensivaktionen mit Applaus des Trainers belohnt. Zudem darf der 24-Jährige sich in seiner Entscheidung für einen Wechsel von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern bestätigt sehen: Kann schließlich nicht jeder Fußballer von sich behaupten, in einem CL-Halbfinale gegen Barcelona auf dem Platz gestanden zu haben.

Der Fußball insgesamt

Neutrale Beobachter durften bei den beiden Duelle zwischen Bayern und Barca mit der Zunge schnalzen: Ein Offensivfeuerwerk, wie es die beiden Teams in den insgesamt 180 Minuten abbrannten, gibt es nicht allzuoft auf diesem Niveau zu bestaunen. Insgesamt acht Tore durfte der geneigte Fernsehzuschauer beziehungsweise Stadiongänger bestaunen. Erlebnisfußball spanischer Schule statt Ergebnisfußball nach Chelsea- und Mourinho-Art - so etwas würden wir gerne öfter sehen.

Verlierer

Mario Götze

Dass man sich in dem mit zahlreichen Weltstars gespickten Kader des FC Bayern auch das ein oder andere Spiel mal auf der Ersatzbank oder gar der Tribüne wiederfinden kann, ist selbst für Weltmeister normal. Doch dass Mario Götze weder in der Liga noch im DFB-Pokal-Halbfinale gegen seinen Ex-Verein Borussia Dortmund ran durfte und auch in den beiden Kracherspielen gegen Barca nicht in der Anfangsformation stand, sollte dem Finalhelden von Rio de Janeiro zu denken geben. Schließlich waren die beiden eigentlichen Stammspieler im Bayern-Mittelfeld gar nicht dabei: Franck Ribéry und Arjen Robben fehlen seit Wochen verletzt. Trotzdem hat es der 22-Jährige nicht geschafft, sich in den Augen von Guardiola unverzichtbar zu machen. Erst in der 87. Minute des Rückspiels wurde der Filigrantechniker eingewechselt, dabei brauchte der FC Bayern gegen die Katalanen doch so dringend Tore. Die bittere Erkenntnis: Wenn es drauf ankommt, ist Götze keine Option. Gut möglich, dass im Sommer eine Änderung herbeigeführt wird - in welcher Richtung auch immer. Er ist jung, manches braucht Zeit", wiegelte Sportvorstand Matthias Sammer ab: "Er hat unsere ganze Unterstützung – wir brauchen ihn.“ Allerdings weiß auch Sammer: "Die Konstellation ist keine, die Mario happy macht.“

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Medhi Benatia

Der Marokkaner zeigte auch im Rückspiel gegen Barca seine zwei Gesichter, die ihn schon die ganze Saison begleiten: einerseits gute Aktionen bei Offensivstandards und knallhartes Zweikampfverhalten, andererseits eine gewisse Lethargie und taktisches Fehlverhalten. Mit seinem Kopfballtreffer in der siebten Minute ließ er aus Bayerns Final-Fantasie zumindest einen veritablen Final-Traum werden. Doch mit einem Stellungsfehler vor dem kurz darauf folgenden 1:1-Ausgleich und einem folgenschweren Verlassen der Abwehrkette vor dem endgültig entscheidenden 2:1-Treffer der Katalanen machte Benatia den guten Eindruck wieder dahin. ZDF-Experte und Ex-Profi Oliver Kahn kritisierte anschließend entsprechend scharf: "Ich weiß nicht, was ihn vor dem 1:2 geritten hat. Was macht er da beim Kopfballduell zwischen Messi und Schweinsteiger? Er muss nur in der Viererkette bleiben, dann passiert gar nichts. Dass er da so blind rausrückt, ist irgendwo dann auch eine Qualitätsfrage. Das muss man dann ganz klar so sagen." Fakt ist: Es lag nicht an dem 28-Jährigen allein, dass es nichts wurde mit dem Final-Wunder. Sicher ist aber auch: Die Verantwortlichen beim FC Bayern werden Benatias Missgeschicke in den entscheidenden Momenten durchaus registriert haben.

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