Der FC Bayern besiegt PSG in Lissabon

Giovane Elbers irres Triple-Tagebuch: Erst Golfen mit Brazzo und dem Titan - dann Party bis in die Morgenstunden

Giovane Elber öffnet sein Triple-Tagebuch.
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Giovane Elber öffnet sein Triple-Tagebuch.

Warum Giovane Elber nach der Triple-Sause den Flieger verpasste und besser auf Gin Tonic verzichten sollte, erzählt der Ex-Bayern-Spieler in seinem Tagebuch.

München - Er ist eine Bayern-Legende – und noch immer ganz nah dran: Giovane Elber (266 Spiele, 140 Tore für den FCB) war dabei, als die Bayern in Lissabon Geschichte schrieben. In der tz öffnet er sein Triple-Tagebuch:

FC Bayern: Giovane Elber machte schon einmal Portugal unsicher bevor die Mannschaft kam

Liebes Triple-Tagebuch!

Mein Herz tanzt immer noch Samba, wenn ich an die Zeit in Portugal denke. Ich war in meiner Funktion als Bayern-Botschafter ja sogar schon vor der Mannschaft auf der Iberischen Halbinsel. Als die Spieler noch im Flieger waren, konnte ich mir schon mal ein Bild vom Ort des Kurz-Trainingslagers in Lagos machen. Als ich die imposanten Klippen und kuscheligen Strandbuchten rund um das Teamhotel Cascade Wellness Resort erkundete, ahnte noch niemand, dass hier der Grundstein für den späteren Champions-League-Triumph gelegt werden sollte.

Am Abend sind die Spieler dann an der Algarve angekommen, und als ich am nächsten Morgen die erste Trainingseinheit für FC Bayern TV kommentiert habe, habe ich schnell gemerkt: Puh, die Jungs sind gut drauf, fokussiert und konzentriert – es könnte wirklich zum großen Triumph reichen. Und dann ist auch noch Hansi Flick gekommen und hat gesagt: Giovane! Schön, dass du hier bist. Das hat mich so gefreut! Normalerweise ist ein Trainer vor so einem wichtigen Turnier nur auf das Training fokussiert, aber der Hansi ist da einfach anders.

FC Bayern: Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic machen Giovane Elber beim Golfen nass

Nach dem Trainingslager in Lagos ging es für unseren Bayern-Tross nach Lissabon. Genauer gesagt nach Sintra, knapp 30 Kilometer von Lissabon entfernt. Unser Hotel, das Penha Longa Resort, hatte sogar einen eigenen Golfplatz. Dort habe ich am Nachmittag oft mit meinen alten Teamkollegen und jetzigen Bayern-Vorständen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic Golf gespielt. Im Vergleich zu den beiden bin ich aber ein richtiger Anfänger und habe das schlechteste Handicap. Oli und Brazzo sind schon fast Profis. Die machen Abschläge über 280 Meter, ich schaffe vielleicht die Hälfte. Einmal hat Oli den Ball nicht richtig getroffen und sich grün und blau geärgert. Er ist noch genauso ehrgeizig wie früher. Dann habe ich ihn ein bisschen aufgezwickt, und wir mussten alle lachen.

„Oli und Brazzo sind schon fast Profis“: Giovane Elber nutzte den Golfplatz am Penha Longa Resort in Lissabon für Duelle mit Hasan Salihamidzic (r.) und Oliver Kahn sowie FCB-Chefscout Marco Neppe. (2. v.l.).

Zum Lachen war uns auch allen zumute, nachdem wir das Viertelfinale gegen Barcelona mit 8:2 gewonnen hatten. Das war der Wahnsinn. Ich hatte danach keine Stimme mehr. Beim Spiel hatte ich übrigens Frauen-Power als Unterstützung. Immer, wenn ich Spiele mit Carina aus der Marketing-Abteilung anschaue, gewinnen wir. So war es auch dieses Mal. Schade, dass sonst keine Fans dabei sein durften. Sie hätten bestimmt die ganze Nacht durchgefeiert. Komischerweise hielt sich das Feiern beim FC Bayern in Grenzen. Wir sind nach diesem Wahnsinnsspiel direkt ins Hotel gefahren. Eine Party gab es keine. Sogar Vorstand und Präsidium haben höchstens noch ein Glas Bier oder Wein getrunken und sind dann sofort ins Bett. Nicht nur die Spieler, alle Mitarbeiter waren total auf den Titelgewinn fokussiert. Und es musste ja auch noch das Halbfinale gegen meinen Ex-Club Olympique Lyon gewonnen werden.

Giovane Elber: Mit PSG wird Neymar nie die Champions League gewinnen

Die Zeit zwischen Halbfinale und Finale nutzte ich, um mir die Stadt Lissabon endlich mal in Ruhe anzusehen. Besonders schön war eine Bootstour auf dem Tejo zusammen mit der Vorstandschaft und dem Präsidium. Je näher das Endspiel kam, desto nervöser wurde ich. Das hatte auch damit zu tun, weil ich ein paar Tage zuvor in einem Interview gesagt hatte, dass ich nicht verstehen konnte, dass Neymar den FC Barcelona verlassen hat. Meine Meinung: Mit Paris würde er nie die Champions League gewinnen. Und dann hieß das Finale Bayern gegen PSG. Ich hatte also auch einen Ruf zu verlieren!

Giovane Elber und Thiago mit dem Henkelpott.

Als das Spiel angepfiffen wurde, waren meine Neymar-Gedanken verschwunden. Vor allem, als unser Stadionsprecher Stephan Lehmann, der beim Finale auch im Stadion war, plötzlich Fangesang anstimmte und sich alle Mitarbeiter die Seele aus dem Leib grölten. Das war sogar im Fernsehen gut zu hören. Mir haben Freunde aus Brasilien geschrieben, was denn bei uns los war, weil wir so laut waren. Unsere Anfeuerung zeigte Wirkung, und als Kingsley Coman den Siegtreffer erzielte, brachen alle Dämme: Champions-League-Sieger 2020!

FC Bayern: Elber und Brazzo feiern bis in die Morgenstunden

Nach dem Spiel ging es für uns direkt ins Hotel, wo wir die Mannschaft empfingen. Danach fand die große Triple-Sause statt. Es war zwar schade, dass nicht die Familien aller Spieler dabei sein konnten, aber die Stimmung war trotzdem super. Eigentlich wollte ich mich um zwei Uhr morgens verabschieden - aber dann kam Brazzo. „Hey, Brasilianer! Was los? Schon ins Bett? So kenn ich dich gar nicht“, sagte er zu mir und überredete mich zum Bleiben. Dann stieg ich von Weißbier auf Gin Tonic um – ein großer Fehler. Als ich das nächste Mal auf die Uhr geschaut habe, war es plötzlich schon fünf Uhr morgens! Ich habe zu Hasan gesagt, dass ich mich jetzt noch kurz ins Bett lege, bevor wir mit der Mannschaft zum Flughafen fahren. Brazzo hat mich gewarnt und mir den Gegenvorschlag unterbreitet, mit ihm an der frischen Luft noch ein paar Abschläge auf dem Golfplatz zu machen. Aber ich wollte unbedingt ins Bett – noch ein großer Fehler.

Die große Triple-Sause: Giovane Elber posiert mit Hasan Salihamidzic (l.).

Typisch Giovane, ich hab verschlafen! Also schnell runter an die Rezeption – und ich hatte Glück: Vor dem Hotel wartete ein Brasilianer an seinem Wagen. Also bat ich ihn, mich schnell zum Flughafen zu fahren. Als ich dort ankam, war die Mannschaft schon weg, und ich musste den nächsten Flieger nehmen. Von Giovane Elber

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