Ist ihre Zeit bei Bayern abgelaufen?

Peps Bankdrücker: Götze und Thiago sind außen vor

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Thiago (l.) und Mario Götze haben derzeit nur einen Bankplatz beim FC Bayern.

München - 90 Minuten auf der Bank schmoren, während die Kollegen auf dem Patz geilen Fußball abliefern - die Situation kennen die Bayern-Stars Mario Götze und Thiago derzeit nur zu gut. Ist ihre Zeit beim FC Bayern abgelaufen?

Es gab wenig auszusetzen an der Leistung des FC Bayern im Topspiel am Samstagabend bei Borussia Dortmund. Beinahe wie aus einem Guss spielte der deutsche Rekordmeister bei seinem schärfsten Rivalen auf - einzig die fehlenden Tore trübten den Gesamteindruck ein wenig. Und obwohl die 90 Minuten im Dortmunder Signal Iduna Park (für beide Teams) äußerst kräftezehrend und intensiv waren, hielt sich Bayern-Trainer Pep Guardiola mit Auswechslungen stark zurück. Lediglich zwei Mal reagierte Guardiola an der Außenlinie mit personellen Veränderungen: In der 75. Minute kam Franck Ribéry für Douglas Costa in die Partie. Und in der 90. Minute ersetzte Medhi Benatia den an Krämpfen leidenden Xabi Alonso.

Götze und Thiago als Bankdrücker im Dauerzustand

Doch das war es auch schon an Personalrochaden - wie schon gegen Mainz nutzte Guardiola seine drei Wechselmöglichkeiten nicht komplett aus. Warum? Und was heißt das für die Bankdrücker?

In Dortmund nahmen neben Ersatztorwart Sven Ulreich noch Mario Götze, Thiago, Sebastian Rode und Rafinha auf der Bayern-Bank Platz - und blieben lediglich Zuschauer. Ein Dauerzustand?

Mario Götze

Ganze fünf Mal "durfte" Götze nun von der Bayern-Bank aus das Spiel der Kollegen verfolgen. Nicht mal gegen seinen Ex-Klub ließ Guardiola den WM-Helden von der Kette. Der WM-Finaltorschütze macht zwar (noch) gute Miene zum bösen Spiel, aber Götze dürfte die Tage im Kalender einzeln ausstreichen, bis Guardiola beim FC Bayern Geschichte ist und Carlo Ancelotti das Zepter übernimmt. Sicher, der 23-Jährige war lange verletzt. Doch das von Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer vorgebrachte Argument, er brauche noch Zeit und man wolle nichts überstürzen, wirkt lediglich vorgeschoben. "Götze hatte den Nachteil, schon sehr jung außergewöhnlich gut gewesen zu sein. Er hat sich schon sehr früh dem besten deutschen Verein verschrieben. Und dort geht es für ihn nicht bergauf", kommentiert Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack die Situation. Gut möglich, dass im Sommer die Zeichen auf Trennung stehen, sollte auch Ancelotti nicht mit der Aussicht auf einen Stammplatz locken.

Thiago

"Thiago oder nix" -mit dieser Forderung ließ Guardiola kurz nach seinem Amtsantritt in München aufhorchen. Die Bayern-Bosse erfüllten dem Katalanen seinen Transferwunsch und eisten den ballgewandten Mittelfeldmann für 25 Millionen Euro vom FC Barcelona los. Das Können und die Brillanz Thiagos sind unbestritten, doch auf seinen Durchbruch wartet der 24-Jährige nach wie vor. Im Mittelfeld hat ihm Arturo Vidal derzeit eindrucksvoll den Rang abgelaufen. Mehr als sporadische Einsatzzeiten sind für den spanischen Nationalspieler mit brasilianischen Wurzeln derzeit nicht drin. Torgefahr geht ihm - im Gegensatz zu Vidal - völlig ab, außerdem fehlt ihm in den Zweikämpfen die Aggressivität und Kompromisslosigkeit des chilenischen "Kriegers". Ganze sechs Partien durfte Thiago in der aktuellen Bundesliga-Saison über die kompletten 90 Minuten bestreiten, 13 Mal wurde er ein- oder ausgewechselt. Zumindest aktuell gilt also das Motto "nix" für Thiago

Sebastian Rode

Sebastian Rode.

Kommt bei Mitspielern oder Vorgesetzten das Wort auf Sebastian Rode, sind alle immer voll des Lobes und preisen die Einstellung und Qualitäten des zweikampfstarken Mittelfeldspielers. Trotzdem muss der 25-Jährige fast immer mit der Zuschauerrolle vorliebnehmen. Sicherlich hat sich der 2014 von Eintracht Frankfurt nach München gewechselte "Wühler" mehr Einsatzzeiten vorgestellt. Immerhin 972 Bundesliga-Spielminuten (23 Einsätze, davon 15 Mal eingewechselt) standen in seiner ersten Saison im Dress der Roten zu Buche. Doch in der aktuellen Spielzeit sind Rodes Qualitäten bei Guardiola offenbar nicht mehr gefragt. Trotz der großen Personalnot im Defensivbereich kam der 25-Jährige insgesamt nur 179 Minuten in der Liga zum Einsatz. Blockte der FC Bayern im Winter noch alle Anfragen ab, könnte Rode im kommenden Sommer den Rekordmeister wohl bei einem entsprechenden Angebot verlassen.

Rafinha

Etwas anders als bei Rode stellt sich die Situation bei Rafinha dar. Der brasilianische Rechtsverteidiger profitierte nach Guardiolas Amtsantritt davon, dass Philipp Lahm von rechts hinten in die Mittelfeldzentrale wechselte und avancierte zum Stammspieler. Anfang des Jahres warf ihn eine Verletzung zurück, dennoch ist Rafinha rechts hinten gesetzt, es sei denn, Guardiola zieht Lahm wie am Samstag in Dortmund, doch in die Viererkette zurück. Mit 30 Jahren ist der giftige Brasilianer allerdings im Herbst seiner aktiven Karriere angekommen, der FC Bayern sucht nach Alternativen für die Rechtsverteidigerposition. Bis im Sommer 2017 sein Vertrag beim FCB ausläuft, wird Rafinha dem Klub jedoch aller Voraussicht nach treu bleiben.

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