tz-Kommentar

Pro und Contra: Hätte der FCB mehr um Flick und dessen Verbleib kämpfen müssen?

Zwei Fußball-Experten, zwei Meinungen: Jonas Austermann und Manuel Bonke aus der tz-Sportredaktion stehen für das Pro und Contra, ob der FC Bayern mehr um den Verbleib von Trainer Hansi Flick hätte kämpfen sollen.

Hansi Flick* möchte den FC Bayern im Sommer verlassen. In dieser überraschenden Ankündigung gipfelte am Samstagabend der seit Monaten lodernde Konflikt zwischen dem Münchner Trainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic*. Die jüngsten Entwicklungen werfen die Frage auf: Hätte der FC Bayern* mehr um Flick und dessen Verbleib kämpfen müssen?

Ja! Flick wollte zurecht mehr Mitspracherecht bei der Kaderplanung

Der FC Bayern ist in dieser Woche eiskalt erwischt worden – vom eigenen Trainer. Letztlich ist Hansi Flicks Bitte um Vertragsauflösung aber nur der Höhepunkt einer Entwicklung, die seit Monaten an Dynamik gewann. Es passte nicht mehr zwischen dem Erfolgstrainer und dem Rekordmeister. Aber musste es der Klub so weit kommen lassen? Gefühlt kämpfte einzig Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge* um Flick. Von Oliver Kahn* etwa war nur betretenes Schweigen zu vernehmen.

tz-Sportredakteur Jonas Austermann meint, die Bayern hätten mehr um Flick kämpfen müssen.

Was Flick wollte, ist ziemlich klar: Der Trainer pochte u.a. auf mehr Mitspracherecht bei der Kaderplanung. Für mich eine absolut berechtigte Forderung – nach einer Spielzeit mit sechs Titeln sowieso. Der FC Bayern aber schaffte es, den Erfolgscoach innerhalb kürzester Zeit zu vergraulen. Dem Klub gelang es nicht, Flick ein Umfeld zu schaffen, in dem er weiterarbeiten wollte.

Die krasse Reaktion der Bayern-Bosse auf Flicks Schritt in die Öffentlichkeit zeigt ein großes Problem auf: Der Klub muss aufpassen, in der Ära nach Rummenigge und Uli Hoeneß nicht eines seines großen Pfunde zu verlieren: das Familiäre. Jonas Austermann

Will den FC Bayern München verlassen: Hansi Flick.

Nein! Flicks Vorgehen zeigt, wie konfliktscheu er ist - das ist kontraproduktiv

Hansi Flick hat es wieder getan: Wie schon zuvor als Sportdirektor beim DFB und Geschäftsführer Sport bei der TSG Hoffenheim hat er jetzt also auch vorzeitig als Cheftrainer des FC Bayern hingeschmissen. Der Fußballlehrer hat seinen Wunsch nach vorzeitiger Vertragsauflösung live im Fernsehen verkündet – und damit gegen mündliche Absprachen gegenüber seinen Vorgesetzten verstoßen. Das zeigt einmal mehr, wie konfliktscheu Flick ist – und das ist in verantwortlicher Position ­kontraproduktiv.

tz-Sportredakteur Manuel Bonke meint, Flick hätte sich an die Absprachen halten und nicht mit seiner Erklärung vorpreschen sollen.

Die Bayern-Verantwortlichen um Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Hasan Salihamidzic müssen bei der Kaderplanung weiter denken als nur eine Transferphase. Und vor allem: Sie müssen Budgets verwalten. Wer ­Cheftrainer bei einem Top-Klub Europas sein möchte, muss nicht nur eine gute Beziehung zu seiner Mannschaft haben, sondern auch ein professionelles Verhältnis zu seinen Vorgesetzten pflegen. Respekt beruht freilich immer auf Gegenseitigkeit. Auch Salihamidzic muss sich hinterfragen. Trotzdem: Mit seinem Alleingang hat Flick jegliche Anerkennung für den Verein vermissen lassen, der ihm erst die Chance gab, ins Rampenlicht zu treten. Manuel Bonke

Rubriklistenbild: © Matthias Balk

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