Interview mit der Co-Trainer-Ikone

Der "Tiger" hat eigentlich einen anderen Spitznamen

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Im Ruhrgebiet geerdet: Gerland auf seinem ersten Fußballplatz beim SV Weitmar 09.

München - Der FC Bayern ist am Freitag zum Testspiel in Bochum zu Gast. Es ist die Heimat von Co-Trainer-Ikone Hermann Gerland. Die tz hat den Ur-Bochumer zum Interview getroffen:

Der FC Bayern nimmt wieder Fahrt auf, am Freitagabend geht es zum Spiel beim VfL Bochum in den Fußball-Westen. Und damit auch in die Heimat von Co-Trainer-Ikone Hermann Gerland. Der Ur-Bochumer fühlt sich noch immer sehr verbunden mit dem Ruhrgebiet, eine Geschichte von Thomas Müller bringt es auf den Punkt. Der Weltmeister zur tz: „Einmal waren wir mit den Amateuren in Bochum und wollten uns ein Ligaspiel des VfL anschauen. Wir waren sehr spät dran und hätten den Anpfiff nicht miterlebt, weil eine Straße gesperrt war. Da hat der Hermann kurz aus dem Fenster geschaut, schon war alles geregelt. Die Polizisten hatten ihn erkannt und ließen uns zügig weiterfahren. Sein Einfluss in Bochum ist also immer noch groß. Der hat uns keine Geschichten erzählt, das war früher scheinbar wirklich so.“

Wirklich, Herr Gerland? Das tz-Interview:

Herr Gerland, wie sehr fiebern Sie als VfL-Urgestein auf die Partie am Freitag hin?

Gerland: Dieses Spiel ist für mich natürlich was Besonderes. Wenn ich etwas anderes sagen würde, müsste ich lügen. Mir wäre es natürlich lieber, wenn wir in der Meisterschaft gegen Bochum antreten. Aber das ist ja leider schon ein paar Jahre her. Wieder zurück in die Bundesliga zu kommen, wird eine ziemlich schwierige Aufgabe für meinen ehemaligen Verein.

Also haben Sie sich hinter den Kulissen um dieses Spiel gekümmert, damit Sie mal wieder ins alte Ruhrstadion kommen? 

Gerland: Ja, ich habe mit unseren Verantwortlichen gesprochen. Ich weiß ja, dass es beim VfL in finanzieller Hinsicht nicht unbedingt rosig aussieht. Das war aber fast immer so, schließlich sind mit Dortmund und Schalke ja gleich zwei große Klubs im Ruhrgebiet ansässig. Also bin ich zu Karl-Heinz (Rummenigge, Anm. d. Red.) und Matthias (Sammer, Anm. d. Red.) gegangen und habe mit ihnen über die Möglichkeit so eines Spiels gesprochen. Und die beiden haben sofort gesagt: Klar, das machen wir.

VfL Bochum? Gerland: "Das ist halt einfach mein Verein"

Wie tief ist Ihre Verbundenheit zu Bochum noch? 

Gerland: Ich bin seit 1969 Mitglied beim VfL. Da bin ich groß geworden, ich mag die Menschen dort. Das ist halt einfach mein Verein.

Ihnen fehlen die Liga-Spiele gegen den VfL also schon ziemlich...

Gerland: Na klar! Wenn der VfL wieder aufsteigen würde, könnte ich einmal öfter im Jahr nach Bochum fahren. Meine Geschwister leben dort immer noch, meine Schwiegermutter auch. Es verbindet mich schon noch viel mit der Heimat. Aber jetzt müssen die Bochumer erst mal aufpassen, dass sie die zweite Liga nicht durch die andere Tür verlassen. Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen Jahren, dass sie in Abstiegsgefahr sind. Die Situation ist gefährlich.

Gerland: So bin ich zu meinem Spitznamen gekommen

Stammt Ihr Spitzname Tiger eigentlich auch aus Ihrer Zeit beim VfL? 

Gerland: Meine ehemaligen Mitspieler sagen alle Eiche zu mir. In Bochum nennt mich keiner Tiger. Aber der Name stammt schon aus meiner Zeit dort. Da gab es früher einen Journalisten, der meinte, jedem einen Spitznamen verpassen zu müssen. Den einen haben sie dann Rakete getauft, ich war auf einmal der Tiger. Keine Ahnung warum. Vielleicht weil ich früher auch immer recht aggressiv am Mann war. Ich hab immer attackiert, das war meine Spielweise.

Gibt es einen Moment, auf den Sie sich am Freitag besonders freuen?

Gerland: Ich freue mich einfach darauf, in meine Heimat zurückzukehren. Das ist immer besonders schön. Aber wenn ich ins Stadion komme, werde ich bestimmt den ein oder anderen alten Weggefährten treffen. Da wird es sicher den ein oder anderen netten Smalltalk geben.

Von "Auge" bis Ziege: Ex-Bayern-Spieler als Trainer

Auch der ehemalige Bayern-Abwehrspieler Valérien Ismaël wird Trainer: Ab 2011 betreute der Franzose die U-23-Mannschaft von Hannover 96 als Cheftrainer, 2013 wechselte er zur zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg. © MIS
Früher Top-Stürmer bei den Bayern, heute Drittliga-Trainer: Mario Basler. Seinen ersten Cheftrainer-Posten nahm er 2008 beim Regionalligisten Eintracht Trier an, wurde jedoch ein Jahr später beurlaubt. © MIS
Seine zweite Station als Trainer war Wacker Burghausen. Das Ziel Klassenerhalt in der zweiten Liga erreichte er dort mit Müh' und Not. Am 24. Oktober 2011 schließlich wurde er als neuer Trainer von Rot-Weiß Oberhausen vorgestellt. Doch auch dort hielt es Mario Basler nicht lange: Bis 2012 trainierte er die Kicker von Rot-Weiß Oberhausen, derzeit hat er kein Trainer-Engagement. © sampics
Thorsten Fink spielte von 1997 bis 2006 bei den Bayern. Bereits 2005 absolvierte er eine Trainerausbildung, woraufhin er seinem Trainer Hermann Gerland bei Bayerns Zweiter zur Seite stand. 2007 übernahm er dann das Amt des Co-Trainers unter Giovanni Trapattoni bei Red Bull Salzburg. © MIS
Anschließend führte er 2008 den FC Ingolstadt in die zweite Liga. Nach der Beurlaubung in Ingolstadt heuerte er beim FC Basel an, mit dem er schließlich seine ersten Titel gewann. 2011 holte ihn der zuletzt erfolglose HSV an die Elbe. Nach zwei deftigen Pleiten ist er dort im September 2013 entlassen worden. © MIS
Lothar Matthäus: Der langjährige Regisseur im Mittelfeld des FC Bayern hat wohl nur bei Frauen noch weniger Glück als bei seinen Trainerstationen. Angefangen 2001 bei Rapid Wien, war er bereits bei sieben Teams als Cheftrainer beschäftigt. © dpa
Er trainierte Partizan Belgrad, Atlético Paranaense (Brasilien), Red Bull Salzburg und Maccabi Netanya (Israel). Außerdem trainierte er die Nationalteams von Ungarn und Bulgarien. © MIS
Markus Babbel: Seine Trainerkarriere begann der frühere Bayern-Verteidiger 2007 als Co-Trainer von Armin Veh beim VfB Stuttgart. 2009 unterschrieb er noch ohne gültige Trainerlizenz einen Vertrag als Cheftrainer beim VfB. © dpa
Babbel trainierte bei Hertha BSC seit 2010 vier Spieler aus der Bayern-Jugend. Er führte die Mannschaft 2009 zum Aufstieg in die erste Liga. Zur Winterpause wurde er entlassen. Nach einem erfolgslosen Intermezzo beim "Retorten-Klub" 1899 Hoffenheim, ist auch er momentan arbeitslos. © MIS
Jürgen Klinsmann: Als Bayern-Stürmer von 1995 bis 97 war er unzufrieden, wenngleich erfolgreich. 2008 ging das Kapitel FC Bayern und Jürgen Klinsmann in die Verlängerung: Er kehrte Trainer zu seiner ehemaligen Spielstätte zurück. Diesmal war er allerdings weder zufrieden noch erfolgreich. Uli Hoeneß bezeichnet das Trainer-Experiment Klinsmann im Nachhinein sogar als "Fehler". © dpa
Als Nationaltrainer hatte Klinsmann zuvor die Nationalelf zu Platz 3 bei der WM 2006 geführt und erfreute sich großer Beliebtheit. Inzwischen trainiert er die US-amerikanische Nationalmannschaft. © dpa
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere wurde Fußball-Lichtgestalt Franz Beckenbauer Trainer und war von 1984 bis 1990 Teamchef der Deutschen Elf. © dpa
Legendär sind die Szenen, als er nach dem Sieg im Endspiel der WM 1990 gegen Argentinien allein und in Gedanken verloren über den Platz wanderte, während die Spieler Ehrenrunden drehten. © dpa
Klaus Augenthaler begann seine Trainerkarriere unmittelbar nach Ende seiner aktiven Laufbahn bei der A-Jugend seines Vereins FC Bayern. Anschließend war er 2000 in Österreich beim Grazer AK tätig, bevor er zum 1. FC Nürnberg wechselte und 2001 mit dem "Club"in die 1. Liga aufstieg. © dpa
Nach seinem Engagement in Nürnberg rettete Klaus Augenthaler die Werkself aus Leverkusen 2002/03 vor dem Abstieg und führte die Mannschaft in der folgenden Saison sogar auf Platz 3 der Liga. 2005 wurde er in Leverkusen beurlaubt. © AFP
Nur drei Monate später nahm er einen Trainerjob beim VfL Wolfsburg an, der schließlich 2007 in beidseitigem Einvernehmen endete. Nachdem sein Vertrag bei der SpVgg Unterhaching zum Ende der Saison 2010/11 nicht verlängert wurde, ist er heute arbeitslos. © MIS
Mehmet Scholl holte in 15 Jahren 15 Titel mit dem FC Bayern. Ab 2009 wurde er Trainer der Bayern-Amateure, obwohl er nur die A-Lizenz besitzt. Nach der Saison 2009/10 verließ er den FC Bayern nach 18 Jahren. Nach seiner Trainerlizenz coachte er die "Kleinen Bayern" für ein Jahr, ehe er sich für den Experten-Job bei der ARD entschied. © dpa
Olaf Thon, der sechs Jahre bei den Bayern im Mittelfeld kickte, trat 2010 seinen Posten als Cheftrainer beim NRW-Ligisten VfB Hüls an, beendete aber die Zusammenarbeit im Jahr 2011. Bis heute ist dies seine einzige Station als Trainer. © MIS
Nach der Beurlaubung von Thorsten Fink beim FC Ingolstadt übernahm der ehemalige Bayern-Spieler Michael Wiesinger das Traineramt. 2010 wurde jedoch auch er entlassen. Heute trainert Wiesinger die erste Mannschaft in Nürnberg. © AFP
Die "Trainergeschichte" von Paul Breitner ist kurios: Er war 1998 für 24 Stunden designierter Bundestrainer, bevor am Ende doch Erich Ribbeck den Vertrag und somit das Amt bekam. © dpa
Sören Lerby war 1991 Trainer der Bayern, nachdem er bereits zuvor Spieler beim Rekordmeister war. Allerdings verlief die Saison unter Lerby so schlecht, dass die Bayern am Ende auf Platz 10 standen und Lerby hinauswarfen. © MIS
Andreas Brehme, von 1986-88 beim FC Bayern, erwarb die Trainerlizenz im selben Jahr wie der aktuelle Bundestrainer Joachim Löw. Im Jahr 2000 trat er sein Amt als Teamchef beim 1. FCK an und blieb dort bis 2002 erfolgreich. Nach dem Steuerskandal im Verein wurde er nach dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Friedrich überraschenderweise entlassen. © MIS
Beim VfB Stuttgart trat er am 24. Juni 2005 seinen Dienst als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni an. Aufgrund des schlechten Rückrundenstartes der Schwaben wurde er mit dem gesamten Trainerstab am 9. Februar 2006 entlassen. © dpa
In der Saison 2004/05 trainierte er den Zweitligisten SpVgg Unterhaching und trat am 11. April 2005 wegen Erfolglosigkeit zurück. © Getty
Der ehemalige Bayern-Torwart Walter Junghans wurde nach seiner aktiven Karriere Torwart-Trainer beim SC Fortuna Köln. © dpa
Den Posten des Torwart-/Co-Trainers hatte er seither auch beim 1. FC Köln (1998 bis 1999), bei Benfica Lissabon (1999 bis 2001) und bei Athletic Bilbao (2001 bis 2005) inne. © sampics
In der Spielzeit 2007/08 kehrte Walter Junghans(r.) auf Geheiß von Manager Uli Hoeneß an seine alte Wirkungsstätte zurück. Jürgen Klinsmann gab im Frühjahr 2008 bekannt, dass Walter Junghans ab der Saison 2008/09 alleiniger Torwarttrainer sein wird. Nach Ankunft von Toni Tapalović als Torwarttrainer zur Saison 2011/12 ist Junghans nun im Nachwuchsbereich als Torwart-Trainer tätig. © dpa
Am 18. Februar 2010 wurde bekannt, dass Ex-Bayern-Stürmer Carsten Jancker ab sofort als Individualtrainer für den SC Neusiedl am See arbeiten und gleichzeitig einen A-Lizenz-Trainerschein machen wird, obwohl sein bis Juni 2010 laufender Vertrag beim SV Mattersburg noch nicht aufgelöst wurde. Ab der Saison 2010/11 kehrte Jancker als Nachwuchsbetreuer der U-15-Mannschaft zum SK Rapid Wien zurück. © dpa
Bernd Dreher: Der ehemalige Keeper des FC Bayern war lange Jahre Torwart-Coach bei den Bayern (2003 bis 2008). 2009 übernahm Dreher den Job beim FC Schalke 04. © MIS
Mark Hughes: In der Saison 1987/88 stürmte der Waliser für den FC Bayern (18 Spiele/6 Spiele). Nach seiner Spielerkarriere coachte Hughes einige große Teams auf der Insel: Blackburn Rovers, Manchester City und den FC Fulham. Zuvor war Hughes fünf Jahre lang Nationaltrainer von Wales. Seit 2013 trainiert er die Mannschaft Stoke City. © AFP
Jürgen Kohler: Zwischen 1989 und 1991 verteidigte Kohler für die Bayern. Nach seiner aktiven Zeit als Spieler trainierte Kohler die deutsche U21-Nationalmannschaft (Juli 2002 bis März 2003), den Zweitligisten MSV Duisburg sowie den VfR Aalen. Seit 2013 ist er Trainer der SpVgg EGC Wirges. © dpa
Bruno Labbadia: Als Spieler stürmte Bruno Labbadia für acht unterschiedliche Klubs, und auch als Trainer hat Labbadia bereits nach wenigen Jahren den Eindruck eines Wandervogels hinterlassen. Darmstadt 98, die SpVgg Greuther Fürth, Bayer Leverkusen, der Hamburger SV sowie gegenwärtig der VfB Stuttgart waren die Stationen des ehemaligen Angreifers. © dpa
Christian Ziege: Nach seiner erfolgreichen Spielerkarriere wurde Christian Ziege zunächst U17-Coach bei seinem letzten Klub Borussia Mönchengladbach. Es folgten: Interims- sowie Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach, Cheftrainer bei Arminia Bielefeld. Danach coachte er drei Jahre lang die U18 der Nationalmannschaft, bevor er 2014 bei der SpVgg Unterhaching einen Trainerposten antrat. © dpa

Interview: Sven Westerschulze

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