Spieler unter der Lupe

FCB-Hinrunden-Check: Wer hat überzeugt? Wer muss sich steigern?

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Der FC Bayern verlor nur eine Bundesliga-Partie in der Hinrunde.

München - Pep Guardiola ist stolz auf die Hinrunde seiner Bayern, nur: Auf wen mehr, auf wen weniger? Merkur-Redakteurin Hanna Schmalenbach zieht eine Hinrundenbilanz.

Individuelle Bewertungen von Pep Guardiola haben die Spieler des FC Bayern nach der Hinrunde noch nicht erhalten, denn der Bayern-Trainer suchte schnell das Weite. Schon seit Sonntag weilt er in der spanischen Heimat – und so kennt man von seiner Seite nur die Gesamtbilanz. „Ich bin sehr, sehr stolz“, sagte er vor dem Urlaub über die Halbserie, in der die Bayern in der Liga 46 Punkte sammelten. Welcher Spieler daran mehr Anteil hatte und welcher weniger, lesen Sie in unserer Halbjahres-Einzelkritik.

TOR

Manuel Neuer: In der Liga machte der Nationaltorhüter alle 17 Spiele und bekam dabei gerade mal acht Gegentore. Ein sicherer Rückhalt, der allerdings in der Champions League die Niederlage bei Arsenal mit einem Patzer einleitete. Die Spiele, in denen er sich beweisen kann, folgen im Frühjahr. Begleitet wird die Rückrunde von seinem ewigen Ziel: Weniger Gegentore als im Vorjahr (18). Er ist auf einem guten Weg.

Sven Ulreich: Der Ex-Stuttgarter war sichtlich nervös, als er in Zagreb vor zwei Wochen zu seinem ersten Einsatz für den FC Bayern kam. Er machte seine Sache solide – wird seine Motivation im Training aber noch länger aus Erinnerungen an diesen Tag ziehen müssen. Neuer will immer spielen. Ulreich bleibt also nichts, als auf der Bank zu sitzen und zu lächeln.

Tom Starke: Ist in erster Linie dann zu sehen, wenn er kurz vor Spielbeginn in der Allianz Arena durch die Pressetribüne auf seinen Platz huscht. Das wird sich auch in der Rückrunde nicht ändern. Und dann läuft der Vertrag des 34-Jährigen eh aus.

ABWEHR

Philipp Lahm: „Jetzt wollen wir es mal nicht übertreiben“, sagte der Kapitän neulich, als er eine Woche nach seinem ersten und einzigen Saisontor (mit links!) auch noch aus Versehen beinahe mit dem Kopf getroffen hätte. Lahm ist nicht unbedingt als Offensivmonster bekannt – zeichnete sich jedoch in der Hinrunde trotzdem durch eben diese Qualitäten aus. War lange als zurück-umfunktionierter Rechtsverteidiger unauffällig, kam gegen Ende aber immer besser in Fahrt.

Juan Bernat: Ist ohne Zweifel einer der Verlierer der Hinrunde. Erst Formtief, dann Muskelbündelriss. Dass er fehlt, merkte man aber erst, als David Alaba sich verletzte.

David Alaba: War auf dem besten Weg, zum besten Innenverteidiger der Welt zu werden, durfte dann aber doch wieder links hinten ran. Stets solide nach hinten, stets mit Zug zum Tor – dann aber verletzt. Stellte Guardiola vor große Herausforderungen. Denn: Einen zweiten Alaba gibt es nicht.

Rafinha: Der Brasilianer hat sich in puncto Flexibilität klammheimlich zu Guardiolas Liebling gemausert. Mal als Rechts-, mal als Links-, mal als Innenverteidiger eingesetzt – und selten mit einer schlechten Partie. Nebenbei bestand er den Einbürgerungstest und durfte auch noch im „Aktuellen Sportstudio“ auftreten. In Guardiolas Worten: Top, top!

Jerome Boateng: Schleppte die gesamte Hinrunde eine Reizung im Knie mit sich rum – ließ es sich aber nicht anmerken. Der 26-Jährige stabilisiert Dreier- wie Viererkette. Clever vom FC Bayern, seinen Abwehrchef vor dem Öffnen des Transferfensters bis 2021 zu binden.

Javi Martinez: Es dauerte etwas, eheder Spanier nach seiner schweren Knieverletzung in Fahrt kam, war in den letzten beiden Monaten aber Stammspieler. Er wirkt oft unauffällig – doch der Eindruck täuscht: Martinez ist wichtig fürs Team. Zweikampfstark, robust, überlegt, technisch versiert – und auch bis 2021 in München.

Holger Badstuber: Der ewige Patient ist zurück. Ging gegen Ingolstadt als Turban-Held in die Geschichte ein, schimpfte nach seiner Auswechslung in Hannover am Wochenende aber richtig. Tendenz: Er will mehr. Muss aber erst wieder richtig in Form kommen.

Medhi Benatia: Ein weiterer Verlierer der Hinrunde. Ständig von Muskelverletzungen (Unwort der Hinrunde!) geplagt, deshalb in der Abwehrhierarchie weit nach hinten gerutscht.

Jan Kirchhoff: Ohne Einsatz, durfte sich zuletzt aber immerhin mal am Spielfeldrand warm machen. Hoffnung auf mehr? Eher nicht.

MITTELFELD

Xabi Alonso: Bleibt vor allem wegen seines Hammer-Tores im Pokal gegen Darmstadt im Gedächtnis, aber auch durch sein solides Pass- und Aufbauspiel. Carlo Ancelotti will, dass er bleibt. Also verlängerten die Bayern seinen Vertrag. So einfach geht’s.

Thiago: Mal genial, mal unauffällig, mal verletzt. Guardiolas Lieblingsspieler ließ hier und da durchblitzen, zu was er fähig ist. Seine Spiele werden noch kommen – genau wie seine Topform.

Arturo Vidal: Sorgte für die größten Schlagzeilen, als er sich bei der chilenischen Nationalmannschaft angeblich fitspritzen ließ. Egal ob es so war oder nicht: Richtig fit wirkte der 28-Jährige die gesamte Hinrunde nicht. Tauchte oft ab. Prognose: Viel Luft nach oben.

Sebastian Rode: Nutze seine Chancen stets (unter anderem Tor und Vorlage in Darmstadt) – hatte aber nicht viele. Beste zweite Wahl ist der Ex-Frankfurter seit dem Zugang von Joshua Kimmich nicht mehr. Pluspunkt: Er will unbedingt – und wird deshalb auch in der Rückrunde zu ein paar Einsätzen kommen. Ein Abgang ist ausgeschlossen.

Joshua Kimmich: Pep Guardiolas zweiter Sohn – auch wenn seine Mutter den Bayern-Coach noch nie gesehen hat. Der Spanier liebt den 20-Jährigen, der bei seinen Einsätzen stets selbstbewusst und mit viel Übersicht agierte. Bis er Stammspieler ist, wird es noch dauern. Das Zeug dazu aber – das kann man nach einer Halbserie sagen – hat er.

Arjen Robben: Guardiola sagt über den Niederländer, dass er selbst seinen Körper am besten kenne. Und der Körper hat entschieden, dass er im Moment mal wieder Zicken macht. Im Herbst fiel er einen Monat wegen einer Adduktorenverletzung aus, seit Ende November zwicken die Muskeln wieder. Auf den Flügeln haben sich in seiner Abwesenheit andere einen Namen gemacht. Robben kann wieder an Douglas Costa oder Kingsley Coman vorbeiziehen. Aber nur, wenn sein Körper mitmacht.

Franck Ribery: Apropos Körper. Der des Franzosen schien Anfang Dezember nach neunmonatiger Pause wiederhergestellt zu sein. Deshalb war der 32-Jährige bei der einzigen Saisonniederlage in Gladbach dabei, schoss ein Tor, verletzte sich aber dann in Zagreb prompt wieder. Erneut acht Wochen Pause, heißt es offiziell. Was das im Fall Ribery bedeutet, kann sich jeder ausmalen.

Douglas Costa: Die Geister schieden sich, als der Neuzugang in einem seiner ersten Heimspiele gleich eine Zirkuseinlage auf dem Rasen darbot (Lupfer über den Gegner). Ansonsten aber konnte man nahezu alle Auftritte des Brasilianers genießen. Zwölf Vorlagen und zwei Tore beschreiben sein Auftreten in der Hinrunde gut. Dann war auch er verletzt. Was ihm fehlt? Richtig! Unwort.

Kingsley Coman: Hat im Laufe der Hinrunde aufgeklärt, dass er nicht den Unterschied macht, sondern den Unterschied machen kann. Das stimmt. Hier und da noch unsicher und naiv, öfter aber blitzschnell und versiert. Machte Lust auf mehr.

Julian Green, Sinan Kurt, Gianluca Gaudino: Wurden zunächst in die zweite Mannschaft verbannt. Green durfte dann immerhin in Zagreb mal ran. Für eine Bewertung aber zu wenig involviert.

STURM

Mario Götze: Machte beim 5:1 gegen Borussia Dortmund ein Spiel, auf dem er hätte aufbauen können – verletzte sich aber dann beim Länderspiel. Seit gestern ist er im Lauftraining. Der Weg zurück wird mit Blick auf die Konkurrenz kein leichter sein.

Thomas Müller: Hasst Superlative. Deshalb darf man an dieser Stelle nicht vom besten Müller aller Zeiten schreiben. Rein faktisch betrachtet ist der 26-Jährige aber tatsächlich in der Form seines Lebens, denn so viele Tore wie in dieser Hinrunde hat er bisher noch nicht mal in einer ganzen Saison geschafft. 14 Stück sind es. Eigentlich gute Argumente für den Angriff auf die Torjägerkanone – wäre da nicht sein Sturmpartner.

Robert Lewandowski: Fünf Tore in einem Spiel, das wird ewig unvergessen bleiben. Aber auch ohne den Rekord wäre Lewandowskis Hinrunde den Leuten in Erinnerung geblieben. 15 Mal hat er bislang getroffen, nur Pierre-Emerick Aubameyang konnte ihn überbieten (18). Guardiola mag eigentlich keine Stürmer – aber an ihm kommt er nicht vorbei. Der 27-Jährige wird in der Rückrunde noch wichtiger werden. Er ist in Topform. Sicher auch, weil das Unwort der Hinserie im Kontext mit seinem Namen noch kein einziges Mal genannt wurde.

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