Analyse des Kaders der Roten

Hummels, Müller und Co.: Das muss bei Bayern jetzt passieren

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Betretene Gesichter: Der FC Bayern 2018/2019 gehört nicht zur europäischen Spitze.

Nicht erst das Aus in der Champions League sollte den Bayern-Bossen die Augen geöffnet haben - der Umbruch muss beschleunigt werden. Doch wo müssen die Roten vor allem anpacken? Wir analysieren den Kader.

Update vom 16. März 2019: Böser Unfall am Samstag im Training! Nun ist offen, ob Javi Martinez für das Spiel des FC Bayern München gegen den FSV Mainz 05 ausfällt.

München - So kann es nicht weitergehen. Zumindest, wenn die Jahr für Jahr hochgesteckten Ziele auf internationalem Parkett nicht in unerreichbare Ferne abdriften sollen. Deshalb legte Niko Kovac den Finger noch einmal in die schmerzende Wunde, bei seinem ersten öffentliche Auftritt nach dem Scheitern im Achtelfinale der Champions League. Der Trainer stellte dabei natürlich nicht seine von einigen Profis als zu defensiv monierte Spieltaktik an den Pranger, sondern die gesamte Philosophie des FC Bayern in Frage.

„Wir müssen uns die Grundsatzfrage stellen: Wollen wir da mitmachen? Dann müssen wir etwas verändern“, stellte der Coach in Bezug auf den erträumten CL-Triumph klar und nannte auch gleich die Alternative: „Wollen wir das nicht mitmachen? Dann müssen wir damit leben, dass die anderen uns davonlaufen!“ Die 180 Minuten gegen den FC Liverpool haben ganz Fußball-Deutschland offenbart, dass es für den Rekordmeister eminent schwer bis unmöglich werden wird, in naher Zukunft die Hände erfolgreich nach dem Henkelpott auszustrecken.

Muss den Umbruch managen: Niko Kovac steht vor schwierigen, aber auch attraktiven Aufgaben.

„Mondpreise“ oder vorerst nur nationale Ehren - das ist die Frage

Nun stellt sich eben die Frage, die Kovac aufwarf. Zieht der FC Bayern nach und zahlt die vor wenigen Jahren noch als „Mondpreise“ verrufenen Transfersummen für Spieler allererster Güte? Oder begnügen sich die Bosse ein paar Jahre mit nationalen Ehren, um eine Mannschaft mit vielen jungen Talenten zu formen, die eben erst in etwas fernerer Zukunft für den ganz großen Wurf bereit sein dürfte?

Im Grunde ist klar, wie die Antwort lauten wird. Und muss. So sind sich auch die Experten einig, dass die Roten in den kommenden Monaten auf nie dagewesene Weise das Festgeldkonto plündern werden. „Ich glaube schon, dass sie fünf, sechs Neue benötigen, um wirklich den Umbruch zu schaffen“, betont der für „Sky“ analysierende Dietmar Hamann. Und sein „Eurosport“-Pendant Matthias Sammer vermutet: „Auf nationaler Ebene sind die Bayern für mich immer Favorit auf die Meisterschaft und den Pokal. Aber mit Blick auf den internationale Maßstab glaube ich, dass sie in Richtung Sommer den einen oder anderen Transfer tätigen werden.“

Rummenigge läutet Phase zwei des Umbruchs ein

Wörter wie Umbruch und Transferoffensive sind an der Säbener Straße seit Monaten allgegenwärtig. Präsident Uli Hoeneß versprach vor knapp drei Wochen im „Doppelpass“ von „Sport1“: „Die Transfers werden teurer. Deswegen haben wir gespart. Wir sind vorbereitet für den Sommer.“ Schon Anfang Februar erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in der tz das kommende Transferfenster zur Phase zwei des Umbruchs: „Wir haben Phase eins ja schon bewältigt, indem wir die ganz jungen Burschen wie Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Kingsley Coman, um nur mal ein paar zu nennen, integriert haben.“

Dem ist nur beizupflichten. Doch wo müssen die Bayern zeitnah nachlegen? Auf welchen Positionen besteht dringender Bedarf, um den Anschluss an die europäische Spitze nicht rasch zu verlieren? Wir nehmen uns den Kader Position für Position vor.

Mindestens zwei Profis aus dieser Elf werden im Sommer gehen: Mit dieser Startformation ist der FC Bayern gegen den FC Liverpool ausgeschieden.

Tor: FC Bayern sollte nur bei Ulreich-Abgang nachdenken

Tor: Am Kapitän sollte es nichts zu rütteln geben. Auch wenn Manuel Neuer nach seinem langen Ausfall mehr Wackler in sein Spiel streut als zuvor, verkörpert er noch immer ein enorm hohes Niveau und nimmt als Führungsspieler eine außerordentliche Rolle ein. An ihm können sich die Jüngeren orientieren. Sven Ulreich scheint der perfekte Backup zu sein - wenn sich der ehemalige Stuttgarter denn mit einer weiteren Saison auf der Bank anfreunden kann. Dahinter lauert mit Christian Früchtl eines der größten deutschen Torhütertalente - eine nahezu perfekte Konstellation.

Innenverteidigung: Mindestens ein Franzose beim FC Bayern im Anflug - Routinier(s) vor Abschied

Innenverteidigung: Hier ist das umfangreichste Stühlerücken zu erwarten. Benjamin Pavard kommt im Sommer vom VfB Stuttgart. Zudem ist das Interesse der Bosse an Lucas Hernandez verbrieft. Damit deutet sich an: Zumindest einer aus dem routinierten Duo Mats Hummels und Jerome Boateng wird sich verabschieden (müssen). Von den aktuellen Abwehrspielern kann sich einzig der aufstrebende Niklas Süle sicher sein, auch über den Sommer hinaus gefragt zu sein - ihm winkt die Rolle als Abwehrchef.

Außenverteidigung: Backups beim FC Bayern dringend gesucht

Außenverteidigung: Auch hier wartet eine Menge Arbeit auf die Kaderplaner. Sicher ist: Rafinha verlässt den Verein. Damit stehen nur noch Joshua Kimmich und David Alaba für die beiden Positionen auf den Außenbahnen zur Verfügung. Es könnte sicher nicht schaden, den Druck auf den Österreicher erhöhen. Denn das jüngste Eigengewächs im Kader stagniert in seiner Entwicklung. Auch Pavard und Hernandez würden für die Rollen infrage kommen, doch deren Flexibilität sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Defensive durchaus auch quantitativ nachgelegt werden sollte. Zumindest nach Ergänzungen sollte Ausschau gehalten werden.

Defensives Mittelfeld: Neuzugang beim FCB müsste Level noch einmal anheben

Defensives Mittelfeld: Als einziger klassischer Abfangjäger hat Javi Martinez eine exponierte Position inne, die er auch künftig ausfüllen sollte. Daneben stünden Thiago, Leon Goretzka, womöglich Kimmich und hoffentlich auch wieder ein belastbarer Corentin Tolisso bereit. Verschiedene Spielertypen, aus denen Kovac frei wählen könnte. Renato Sanches' Zeit sollte dagegen abgelaufen sein. Insgesamt würde frisches Blut nicht schaden - aber nur, wenn dadurch das Level in diesem Mannschaftsteil noch einmal angehoben wird.

Offensives Mittelfeld: Robbery-Nachfolger muss Champions-League-Erfahrung mitbringen

Offensives Mittelfeld: Viel hängt davon ab, ob James Rodriguez per Klausel gebunden wird. Aktuell darf davon ausgegangen werden. Dann stellt sich die Frage, ob die Entscheider am Denkmal Thomas Müller rütteln würden. Falls nicht, sollte einzig nach einem gestandenen Profi mit Champions-League-Erfahrung gefahndet werden. Dieser sollte in der Lage sein, angesichts der feststehenden Abschiede von Arjen Robben und Franck Ribery die jungen Wilden um Serge Gnabry, Kingsley Coman und Alphonso Davies anzuführen. Das würde etwa auf den heiß gehandelten Callum Hudson-Odoi nicht zutreffen. Klar ist: Für die erforderliche Qualität müsste der FC Bayern wirklich tief in die Tasche greifen.

Angriff: Lewandowski braucht endlich einen talentierten Backup

Angriff: Robert Lewandowski sollte auch mit dann 31 Jahren trotz seiner erneuten Nullnummern in den K.o.-Spielen der Mann der Zukunft in der Offensive sein. Ihm muss jedoch dringend ein jüngerer Stürmer zur Seite gestellt werden, der vom Goalgetter angelernt wird. Müller und Gnabry allein als mögliche Joker-Optionen genügen da nicht. Jann-Fiete Arp ist zwar verpflichtet, wird aber eventuell noch eine Saison beim Hamburger SV bleiben.

Fazit: Vor allem in der Abwehr und auf dem Flügeln muss nachjustiert werden

Fazit: Es gibt bei entsprechenden Entwicklungen also in jedem Mannschaftsteil Anlass für Neuverpflichtungen. Am dringendsten erscheinen Korrekturen jedoch in der Abwehrkette sowie auf den Flügeln.

mg

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