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Wie sinnvoll ist der Derby-Umzug in die Arena überhaupt noch?

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Von: Florian weiß

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Nur ein Pflichtspiel-Derby zwischen Bayern und 1860 gab es bisher (DFB-Pokal 2008) - jetzt kommt ein zweites hinzu.
Nur ein Pflichtspiel-Derby zwischen Bayern und 1860 gab es bisher (DFB-Pokal 2008) - jetzt kommt ein zweites hinzu. © picture-alliance/ dpa/dpaweb / Peter Kneffel

Angesichts der Umstände, Begleiterscheinungen und Entscheidungen rund um die Verlegung des Derbys zwischen dem FC Bayern II und dem TSV 1860 in die Allianz Arena erscheint diese mittlerweile sehr fragwürdig.

Der FC Bayern verlegt das Derby seiner zweiten Mannschaft vom Grünwalder Stadion in die Allianz Arena - von der (noch) 12.500 Zuschauer fassenden Kultstätte in Giesing in den 75.000-Mann-Tempel in Fröttmaning. Angesichts der Rivalität und der sportlich möglicherweise vorentscheidenden Partie auf dem Papier zunächst eine sinnvolle Entscheidung. Die Möglichkeit einer vollen Arena und eines erneuten Regionalliga-Rekords, diesmal aber nicht nur eines bayerischen, sondern eines deutschen, schien in Reichweite. Schien. Denn der FC Bayern schneidet sich quasi ins eigene Fleisch.

Ob das Ziel eines neuen Rekordes erreicht wird, darf mit Recht bezweifelt werden. Die Entscheidung des FC Bayern, dem TSV 1860 lediglich rund 4700 Karten abzutreten und nur seinen eigenen Mitgliedern und Fanclubs Tickets anzubieten, dürfte diesem Bestreben - gelinde gesagt - abträglich sein. Schon vor der Limitierung hatte der Club Nr. 12 seine Kritik am Umzug geäußert. Aber auch die Löwen-Seite zeigte sich kritisch.

Der Zuschauerschnitt der kleinen Bayern pendelt seit 2011 zwischen 731 und 1451 - und darin sind die zuschauerstarken Derbys, die den Schnitt erheblich anheben, schon eingerechnet. Sogar die Aufstiegsrelegation 2014 gegen Fortuna Köln (2:1) wollten „nur“ 7738 Zuschauer sehen - von einem ausverkauften Grünwalder Stadion war man meilenweit entfernt. Da erscheint es äußerst fraglich, ob der Zuspruch der Bayern-Fans ausreicht, die große Arena ansprechend zu füllen.

FC Bayern verhindert blaue Wand - und beraubt sich einer Chance

In Kombination mit dem „Aussperren“ der Löwen-Fans, entfällt auch der Reiz einer möglichen blauen Wand wie in Augsburg oder Nürnberg, der sich eine rote Wand entgegenstellen könnte und für Hexenkessel-Atmosphäre sorgen würde. Man stelle sich vor, die Nordseite der Arena wäre mit 15.000 Blauen gefüllt, die Südseite mit ebenso vielen Roten - was wäre das für eine Atmosphäre gewesen? Es scheint, als würde der FC Bayern aber genau das verhindern wollen - durch die Limitierung der Löwen-Tickets und der gleichzeitigen Absicherung des Verkaufs nur an Mitglieder und Fanclubs. So können wirklich nur Bayern-Fans an Tickets kommen und 1860-Anhängern bietet sich keinerlei Chance, über den FCB an weitere Karten zu kommen. „Im Sinne unserer Fans hoffe ich auf eine andere Lösung“, sagte 1860-Sportchef Günther Gorenzel zur tz. „Wir würden gerne ein Fußballfest feiern.“

Wie viele FCB-Fans interessieren sich für die Regionalliga?

Die Allianz Arena ist bei jedem Spiel der Bayern-Profis ausverkauft, von den 75.000 Plätzen sind 40.000 mit Dauerkarten belegt. Für den normalen Fan ist es kaum möglich, an Tickets heranzukommen. Jetzt könnte argumentiert werden, dass genau für diese Anhänger das Derby die Möglichkeit darstellt, ein Spiel dort zu besuchen. Aber ist das realistisch? Wie viele dieser Fans interessieren sich wirklich auch für die zweite Mannschaft der Roten oder wollen in Fröttmaning Viertliga-Fußball sehen? Nur, weil es jetzt gegen die erste Löwen-Mannschaft geht?

Halbleere Arena oder proppenvolles Grünwalder - was ist besser?

Natürlich mag ein Spiel in der Allianz Arena sowohl für die Spieler der kleinen Bayern als auch für das „neue“ 1860 ein Highlight sein, doch letztlich beraubt es beide Teams des Heimvorteils, sie sind beide nicht an die Gegebenheiten der WM-Arena von 2006 gewöhnt. Kompensiert werden würde dies sicher durch volle Ränge, doch ob eine nun drohende halbleere Allianz Arena den stimmungsvoll gleichen Effekt haben wird, wie ein proppenvolles Grünwalder Stadion, ist fraglich.

Bleibt also die Frage: Ist der Umzug in die Arena überhaupt noch sinnvoll? Die Antwort: Unter diesen Umständen kaum mehr.

Florian Weiß

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