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„Ich würde jetzt nicht rumdoktern“

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Franz Roth glaubt, dass die Bayern bald in die Erfolgsspur zurückfinden werden. © dpa

München - Franz „Bulle„ Roth ist einer der Kult-Spieler des FC Bayern München. Im Interview mit der tz spricht der Allgäuer über den aktuellen Bundesliga-Fehlstart des Rekordmeisters.

Die Saison 1966/67 war keine schlechte für den FC Bayern. Der DFB-Pokal wurde verteidigt, der Europacup der Pokalsieger gewonnen, nur in der Bundesliga, da lief’s nicht ganz so rund. Eine Niederlage und zwei Remis standen nach drei Spieltagen im Tableau – die gleiche Bilanz wie jetzt. Die tz sprach mit einem, der damals dabei war – mit Franz „Bulle“ Roth (63). Und der Allgäuer ist eiserner Optimist…

Herr Roth, sind Sie froh oder traurig, dass „Ihre“ alte Negativmarke nun eingestellt ist?

Roth (lacht): Na, froh sicher nicht! Aber ich halte auch nicht viel von solchen Vergleichen. Wir waren damals in unserem zweiten Bundesligajahr, wir hatten eine extrem junge Mannschaft (Roth war 20, Franz Beckenbauer und Gerd Müller knapp 21, d. Red). Und Titelfavoriten waren eher 1860 oder Dortmund. Bayern war in der aufstrebenden Phase.

Ganz anders als heutzutage, wo Platz 1 zum Selbstverständnis gehört. Wie erklären Sie sich den Fehlstart?

Roth: Da kommt einiges zusammen: Zum einen stimmt die Ordnung noch nicht, was auch mit den Ausfällen von Ribéry, van Bommel und Demichelis zu tun hat. Aber was mir mehr Sorgen macht ist das fehlende Herz, dass diese „Mia san mia“-Mentalität nicht gezeigt wird. Schon gegen Bremen war das auffällig. Und in Mainz, das hatte in der ersten Halbzeit nichts mit Bayern zu tun.

Die Saisonstarts des FC Bayern seit 1966

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Tummeln sich im Kader zu viele Durchschnittskicker?

Roth: Finde ich nicht. Es gibt Schweinsteiger, Altintop, Ribéry, Gomez, Timoschtschuk und, und, und. Mehr Potenzial hat doch kein Klub in Deutschland !

Abwehrspieler haben Sie jetzt keine genannt…

Roth: Ja, das stimmt. Der Badstuber ist ein großes Talent, aber er muss geführt werden. Auch der Lahm macht Stellungsfehler, die man von ihm nicht kennt.

Und Lucio ist weg.

Roth: Der war letzte Saison auch oft fehlerhaft, aber er war immer mit dem Herzen dabei. Das war ein Reißer.

Den man hätte ersetzen müssen?

Roth: Vielleicht ja. Jetzt wird es schwierig mit dem Ersetzen. Eine echte Granate kriegst du jetzt wohl nicht mehr.

Womit wir beim Torwart wären…

Roth: Sie, nicht ich. Ich schreibe den Rensing nicht ab! Ein Torwart braucht eine stabile Abwehr vor sich.

Gut, dann gehen wir nach vorne. Wen würden Sie auf die Zehn stellen?

 Roth: Ich weiß nicht, ob Bayern überhaupt einen Zehner braucht, so einen gab’s doch eigentlich nie in München . Van Gaal wird sich sicher seine Gedanken machen über das System, da mische ich mich nicht ein.

Van Gaal spielt gerne mit Raute. Diego wäre ein Kandidat gewesen, jetzt bleibt noch Rafael van der Vaart…

Roth: Aber ob der der Richtige ist? Ich weiß es nicht. Ich würde jetzt ohnehin nicht mehr rumdoktern, sondern warten, wie sich das Ganze bis zum Winter entwickelt. Der Kader ist auch so stark genug für die Meisterschaft. Wolfsburg ist auch keine Übermannschaft, das hat man gegen den HSV gesehen.

Die Bayern auf dem Nockherberg

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Praktischerweise ist Wolfsburg der nächste Gegner des FC Bayern.

Roth: Ja, das passt doch. Jetzt ruhig bleiben, am Samstag Wolfsburg ‘naufhaun und dann ins Rollen kommen, so schaut’s aus!

Mit Verlaub, Sie sind ein sehr großer Optimist, Herr Roth.

Roth: Ich bin vor allem keiner, der nach drei Spieltagen schon alles madig macht. Mir ist auch vor der Champions League nicht bange. Bis es ernst wird, haben wir ein eingespieltes Team – und dann wird alles niedergekämpft!

Interview: Ludwig Krammer

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