Bleibt der Faktor Mensch auf der Strecke?

So jagt der FC Bayern die Stars von übermorgen

+
FC Bayern: B-Jugend-Trainer Miroslav Klose im Kreise seiner U17-Junioren.

Um astronomischen Ablösesummen im dreistelligen Millionenbereich für Superkicker vorzubeugen, bemüht sich der FC Bayern seine Nachwuchstalente so früh wie möglich an seine Kaderschmiede zu binden. 

München - Die Ablösesummen für die Stars der Fußball-Welt sind in schwindelerregende Höhen geklettert. Die Spitze des Eisbergs: Neymar wechselte im August 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain. Solche Summen können und wollen sich viele Klubs nicht mehr leisten. Auch der FC Bayern setzt deshalb darauf, die Talente immer früher zu entdecken und sie nach München an den Campus zu locken. Im Sommer 2018 verpflichtete der Rekordmeister für die Nachwuchsteams von der U 12 bis zur U 19 insgesamt 26 externe Neuzugänge. Der Blick auf die Deutschland-Karte zeigt: Meistens schlägt der FCB im Umkreis von 200 bis 300 Kilometern zu, holt Talente aus Stuttgart, Sinsheim oder Nürnberg. Der Radius wird allerdings immer größer...

FC Bayern: Internationale Fahndung nach jungen Talenten

Köln, Dortmund, Berlin – aber auch Dallas und das schwedische Helsingborg. Der FC Bayern streckt seine Fühler auf der ganzen Welt nach Juwelen aus. Besonders auffällig war das im vergangenen Sommer bei den Neuzugängen der U 19: Neben Ivan Mihaljevic (SpVgg Unterhaching) kamen der US-Amerikaner Chris Richards (FC Dallas) und Schweden-Talent Alex Timossi Andersson (Helsingborgs IF). Die tz weiß: Der FCB schaut sich ab der U 13 weiträumig um, bei den jüngeren Teams werden fast ausschließlich Kicker aus dem Münchner Umland verpflichtet.

Denn: Die 35 Appartements am Bayern-Campus werden erst an Spieler ab der U 14 vergeben. Ähnlich sieht es bei der TSG 1899 Hoffenheim aus. Dirk Mack, Direktor Nachwuchs, erklärt im Gespräch mit der tz: „Wir haben ab der U 14/U 15 Unterbringungsmöglichkeiten – und wir versuchen, diese Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen. Ab der U 16 wird es für uns dann auch bundesweit interessant.“ Dabei lässt sich ein Trend nachvollziehen. Mack: „Es ist in den letzten Jahren eine ganz normale Entwicklung im Jugendfußball, dass die Vereine versuchen, die bestmöglichen Spieler für sich zu gewinnen. Das ist ein Wettbewerb, der sicher energischer geführt wird als in den Jahren zuvor.“

Fußball-Nachwuchs: Mehr Fairplay beim Buhlen um die Besten wäre angebracht

Ab und zu kommen sich da auch der FCB und die TSG in die Quere. Im vergangenen Sommer etwa wechselten mit Pepe Brekner (U 16) und Mike Eberhart (U 15) zwei Spieler von Sinsheim nach München. In der U 19 gingen Alexander Nitzl und Tobias Heiland den entgegengesetzten Weg. Ein Problem zwischen den Bundesliga-Klubs? Mack meint:„Grundsätzlich hätten wir die Spieler natürlich gerne behalten. Böse bin ich deswegen aber nicht.“ Zumal die Vorschriften solche Wechsel ohne große Hindernisse möglich machen. Die Klubs dürfen ihre Talente erst ab der U 16 mit Förderverträgen ausstatten. Diese dürfen ein Jahr im Voraus unterschrieben werden, wenn der Jugendliche bereits seit der U 14 für den Klub aufläuft. Der große Haken: Nur Klubs mit einer Nachwuchs-Akademie dürfen Förderverträge ausstellen. Mack: „Wenn ich an die kleineren Vereine denke: die bilden einen Spieler aus und gehen unter Umständen leer aus. Das kann nicht im Sinne der Ausbildung sein.“

Muss man schon als 13-Jähriger beim FC Bayern spielen?

Ein Verein, der immer wieder Jugendspieler an die Nachwuchsställe der Bundesligisten verliert, ist Viktoria Berlin. Im Sommer 2018 wagte Liul Alemu (13) den Sprung zum FC Bayern, seine komplette Familie zog mit nach München. Für Viktorias Sportdirektor Rocco Teichmann eine zweifelhafte Entscheidung. Er sagte der tz: „Grundsätzlich bin ich ein Freund davon, Jungs in diesem Alter keine zusätzlichen Risiken aufzuzwängen. Ich glaube nicht, dass es in diesem Alter schon notwendig ist, beim FC Bayern zu spielen – zumal wir in den letzten Jahren zweimal Berliner Meister wurden. Dadurch denke ich schon, dass wir in diesem Altersbereich konkurrenzfähig mit den Bundesligisten sind.“ Liul sei „ein sauberer Junge“, Teichmann wünscht ihm alles Gute. Nur eines hätte sich der Berliner Sportdirektor gewünscht: „Es wäre schön, wenn wir mal einen Anruf aus München bekommen hätten, wenn ein Spieler von uns dorthin wechselt. Es wäre schön, im Dialog zu bleiben. Auch für den Fall, dass der Junge sich vielleicht nicht so wohlfühlt.“ Denn der Faktor Mensch sollte auch bei der Talente-Jagd die Hauptrolle spielen.

Lesen Sie auch: Wechsel-Hammer! Sandro Wagner vor sofortigem Bayern-Abschied - Vereine wohl einig und Kommt Callum Hudson-Odoi im Sommer zum FC Bayern? Chelsea mit krasser Ansage

Auch interessant

Meistgelesen

FC Bayern vor Transfer-Hammer? Matthäus lästert: „Ein feiner Techniker, aber zu langsam“
FC Bayern vor Transfer-Hammer? Matthäus lästert: „Ein feiner Techniker, aber zu langsam“
Kehrt Coutinho zum FC Barcelona zurück? Spanier haben Entscheidung wohl bereits getroffen
Kehrt Coutinho zum FC Barcelona zurück? Spanier haben Entscheidung wohl bereits getroffen
Spanien löst Ticket für EM 2020 - Aber was macht Bayern-Star Thiago da? 
Spanien löst Ticket für EM 2020 - Aber was macht Bayern-Star Thiago da? 
Müller in Reservistenrolle - Top-Klub lockt Bayern-Star: „Jederzeit willkommen“
Müller in Reservistenrolle - Top-Klub lockt Bayern-Star: „Jederzeit willkommen“

Kommentare