Spanier sieht sich bei fast 100 Prozent

Javi Martinez: Schon wieder auf dem Weg zur Bestform

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Bereit für das nächste Spiel: Javi Martinez (r.) hat nicht das Gefühl, sich noch schonen zu müssen.

München – Schneller als erwartet ist Javi Martinez nach seiner langen Verletzungspause in der Bayern-Abwehr wieder zu einer festen Größe geworden.

Donnerstag war der Tag, an dem Holger Badstuber ins Mannschaftstraining des FC Bayern zurückkehrte. Das ist ein Satz, den man über den Abwehrspieler schon öfter gelesen hat. Kaum einer kennt das langwierige Wiedereingliedern nach ausgedehnter Abwesenheit so gut wie der Allgäuer, der in den letzten Jahren eine furchterregende Sammlung von schweren Verletzungen angelegt hat. Diesmal war er fast sechs Monate weg, nachdem ihm im April ein Muskel im Oberschenkel gerissen war, ohne dass er es zunächst überhaupt bemerkt hatte.

Javi Martinez ist dem Plan voraus

Fußballer haben ein Gespür dafür, was es heißt, sich nach dieser endlosen Zeit des Wartens, Hoffens und Grübelns wieder in den Kreis der Kollegen vorzutasten. Es ist das Szenario, das jeder fürchtet und das jedem Respekt abnötigt. „Wir freuen uns riesig, dass er zurück ist“, sagte deshalb am Donnerstag David Alaba, dessen Nebenmann Badstuber in besseren Zeiten war.

Ganz ähnlich hatte er Minuten zuvor schon über Javi Martinez gesprochen. Der Baske ist der zweite große Rückkehrer beim FC Bayern, und er ist Badstuber ein paar Schritte voraus. Seine 13-monatige Auszeit nach einem Kreuzbandriss und hartnäckigen Patellasehnenbeschwerden endete bereits im September. Als die meisten Beobachter noch damit rechneten, dass Martinez (27) behutsam und in kleinen Schritten zurückkehren würde, stand er schon wieder in der Startelf und bestritt im Schlüsselspiel gegen Borussia Dortmund neulich seinen ersten 90-Minuten-Auftritt. Er ist dem Plan weit voraus – zumindest dem Plan der anderen. Seine eigene Marschroute unterscheidet sich etwas von der allgemeinen Erwartungshaltung.

„Die 90 Minuten waren wichtig für mich“, sagt Martinez über das 5:1 gegen den BVB. Schon die gute Stunde, die er eine Woche zuvor in Mainz mitgewirkt hatte, war ein Signal, dass sein Körper es mit den Belastungen des Spielbetriebs wieder aufnehmen kann. Dortmund hat ihm gezeigt, dass auch die höchste Intensität über die maximale Distanz kein Problem mehr ist. Nun fühlt sich Martinez „bereit für das nächste Spiel“.

Journalisten fragen in solchen Situationen gerne, zu wieviel Prozent ein Fußballer auf seinem alten Niveau angekommen sei. Fußballer antworten darauf ebenso gerne ausweichend, und wenn sie doch eine Zahl nennen, dann ist sie meist niedrig angesetzt, um die Erwartungen in Grenzen zu halten. Javi Martinez sagt, er sei „vielleicht nicht bei 100 Prozent, aber fast“.

Tatsächlich war gegen Dortmund viel von den Fähigkeiten zu sehen, die Martinez 2012 zu jenem begehrten Spieler machten, für den die Bayern 40 Millionen Euro nach Bilbao überwiesen. Er war im Zweikampf stark, hatte immer ein Auge für Raum und Mitspieler und behielt dermaßen zuverlässig die Übersicht, dass sich die gefürchtete BVB-Offensive nur eine einzige große Chance erspielte (die dann aber gleich zu einem Tor führte). Dass Martinez in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unterging, lag daran, dass neben ihm Jerome Boateng als Abwehrchef und Torvorbereiter in Personalunion glänzte.

Alle Welt schwärmt gerade von diesem Boateng, erst am Mittwoch rühmte ihn Matthias Sammer als „besten Innenverteidiger der Welt“. Bis vor ein paar Wochen war der lange Manndecker beinahe ein Solist in der Münchner Defensive. Er hätte sich nicht verletzen dürfen, sonst wäre selbst Pep Guardiola bei aller Improvisationskunst an seine Grenzen gestoßen. Der Trainer hat zwar auch David Alaba, den Weltklasse-Linksverteidiger, schon ins Zentrum beordert und ihm eine Karriere als „weltbester Innenverteidiger“ in Aussicht gestellt, doch der Österreicher bewertet diese Perspektive kühl: „Ich glaube, ich habe schon öfter erwähnt, dass ich mich im Mittelfeld oder links sehr wohl fühle.“

Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Neulich in Mainz konnte Boateng sogar geschont werden, er kam erst in der Schlussphase für Javi Martinez. Noch ein paar Wochen, dann wird auch Holger Badstuber wieder ein Kandidat sein.

Marc Beyer

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