Coach der Frauenmannschaft im Interview

FCB-Meistertrainer Jens Scheuer: „Wir wollen die Nummer eins bleiben“

Mitten im Jubel: Jens Scheuer (Mitte) feiert mit seinem Team die deutsche Meisterschaft nach dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. 
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Mitten im Jubel: Jens Scheuer (Mitte) feiert mit seinem Team die deutsche Meisterschaft nach dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. 

Nach der Deutschen Meisterschaft mit den Frauen des FC Bayern blickt Jens Scheuer nach vorne. Der Trainer hat hohe Ziele und will dem VfL Wolfsburg Paroli bieten.

München –In seinem zweiten Jahr in München hat Trainer Jens Scheuer mit den Frauen des FC Bayern* die Meisterschaft gewonnen. Im Interview blickt der 42-Jährige auf eine starke Saison zurück, spricht über Neuzugänge und die kommende Spielzeit.

Herr Scheuer, wie fühlt es sich mit etwas Abstand an, Deutscher Meister zu sein?

Schön! Die ersten zwei, drei Tage musste ich erst mal zur Ruhe kommen, jetzt kann ich es genießen. Ich hatte noch ein paar Termine und musste noch ein paar Dinge vor der Sommerpause durchplanen. Jetzt ist der Zeitpunkt um zu sagen: Einfach schön, was wir mit der Mannschaft und der ganzen Abteilung erreicht haben.

FC Bayern (Frauen): Verstärkungen möglich, Fragezeichen bei zwei Spielerinnen

Sie haben gesagt, dass ab dem darauffolgenden Dienstag die Vorbereitung für die neue Saison beginnt. Wie sieht jetzt Ihr Tagesablauf aus?

Wir schauen uns ein bisschen auf dem Markt um, es ist noch nicht ganz klar, ob uns noch Spielerinnen verlassen werden. Es gibt Fragezeichen bei ein, zwei Spielerinnen. Deshalb müssen wir die Ohren offenhalten, um bei möglichen Veränderungen reagieren zu können. Außerdem schreibe ich zusammen mit meinem Athletiktrainer die Trainingspläne, die Leistungstests werden terminiert, damit wir dann einen reibungslosen Ablauf in der Vorbereitung haben.

Welche Schulnote würden Sie der Saison geben?

Das muss man aufteilen. In der Bundesliga eine 1-, weil mich das Hoffenheim-Spiel noch nervt (Anm.d.Red: Bayern verlor nach 2:0-Führung 2:3). Es war eine fast perfekte Runde, beide Spiele gegen Wolfsburg haben wir super gespielt. Wir haben alle Spiele so gewonnen, dass es verdient war. Auch die engeren Spiele, wie gegen Potsdam oder das Hinspiel in Freiburg, haben wir verdient gewonnen.

Und in Champions League und DFB-Pokal?

In der Champions League haben wir auch eine sehr gute Serie gespielt, im Halbfinal-Rückspiel bei Chelsea in London waren wir nicht abgezockt genug und hatten dann kurz vor Schluss einfach kein Glück bei unseren Chancen. Mit dem Schritt ins Finale wäre es eine glatte 1 gewesen, so würde ich sagen 1-. Im DFB-Pokal war es eine 2, das Spiel in Wolfsburg war einfach nicht gut von uns. Es war das erste und einzige Spiel in der Saison, wo wir nicht an unsere Leistungsgrenze gekommen und verdient im Halbfinale ausgeschieden sind.

Jens Scheuer: „Wolfsburg war bis jetzt der FC Bayern des Frauenfußballs“

In der Liga haben Sie nur fünf Punkte liegen lassen, trotzdem stand die Meisterschaft erst am letzten Spieltag fest. Wäre eine ausgeglichenere Liga wünschenswert?

Ich würde mir einen schwächeren Konkurrenten wünschen (lacht). Historisch betrachtet hat Bayern München jetzt vier Meistertitel und Wolfsburg hat allein in den letzten fünf Jahren vier Mal hintereinander die Meisterschaft geholt. Wolfsburg war bis jetzt der FC Bayern des Frauenfußballs, der VfL hat immer wieder hervorragende Arbeit geleistet. Wir haben es jetzt geschafft, die Lücke zu schließen. Aber es wird ein heißes Duell bleiben, auch in der nächsten Saison wird das für uns kein Selbstläufer. Die Jahre zuvor waren wir der Herausforderer, jetzt wird uns Wolfsburg herausfordern. Insgesamt wäre es schön, wenn wir in der Liga weitere Schritte nach vorne machen. Aber nicht nur Wolfsburg und Bayern, sondern auch die anderen Mannschaften. Dafür braucht man die Unterstützung der gesamten Fußballfamilie. Vereine, Verbände, alle die mitarbeiten, müssen gewillt sein, noch einen Schritt zu unternehmen, damit unsere Liga noch attraktiver wird. Nicht nur für nationale Spielerinnen, sondern auf für internationale Topspielerinnen.

So wie die Japanerin Saki Kumagai, die von Olympique Lyon nach München wechselt. Wie konnten Sie sie vom FC Bayern überzeugen?

Saki Kumagai ist eine ganz tolle Spielerin, ein feiner Mensch, die ganz viele Dinge bei ihrer Entscheidung abgewogen hat. Sie hat eine Liste mit Pro und Kontra für jeden Verein gemacht, von dem sie ein Angebot hatte. Wir haben sie nicht mit Geld überzeugt, sondern mit sportlichen Dingen, mit unserer Entwicklung und der guten Infrastruktur.

Wird es noch weitere Neuzugänge geben?

Das kommt darauf an. Wie gesagt, es stehen noch ein, zwei Entscheidungen von Spielerinnen aus.

Sven Scheuer will mit den Frauen des FC Bayern ins Champions-League-Finale

Die Saison war die zweite von einem auf vier Jahre angelegten Plan, der den FC Bayern an die nationale Spitze führen und zum Anwärter auf den Champions-League-Titel machen soll. Was sind die nächsten Ziele?

Wir wollen national die Nummer eins bleiben. Natürlich ist auch der Sieg im DFB-Pokal ein ganz großes Ziel. Den Gewinn der Champions League kann man noch nicht als realistisches Ziel ausgeben, da gehört schon einiges dazu, um Sieger zu werden. Das Finale ist definitiv ein Ziel, da waren wir ja diese Saison schon mit einem Bein drin. Aber wenn man sieht, wie viel bei der internationalen Konkurrenz investiert wird, braucht man immer Topleistungen und in den entscheidenden Momenten ein bisschen Losglück und Spielglück.

Sie sind jetzt zwei Jahren in München und haben bis 2023 verlängert. Wie fällt ihr Zwischenfazit aus?

Sportlich finde ich, dass man eine klare Entwicklung sieht. Ich wäre letztes Jahr schon gerne mit der Mannschaft Meister geworden. Aber es hat sich auch ein bisschen einspielen müssen, wir haben dann ein Jahr Zeit gehabt, mit der Mannschaft zu arbeiten, sie richtig kennenzulernen und an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Auch bei den Neuzugängen haben wir geschaut, was wir brauchen, um unseren Konkurrenten aus Wolfsburg zu überholen. Die erste Saison war für Bayern-Verhältnisse okay, ich würde sagen mit all den Hintergründen gut. Die zweite Saison war sportlich super, so wie ich mir das vorstelle. Wir haben unseren Fußball so auf das Feld gebracht, wie wir uns das täglich im Training erarbeiten. Persönlich fühle ich mich mega wohl in München, die Stadt ist sehr schön und wir haben viele neue Freunde gefunden. Die Kinder gehen hier zur Schule, privat läuft alles rund. Wir sind glücklich, dass wir im schönsten Bundesland Deutschlands leben dürfen (lacht).(Interview: Christian Stüwe) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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