„Amateure“: Rummenigge wütet gegen DFB-Spitze und bringt Ex-FCB-Star ins Gespräch

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Interview mit Jörg Wacker

FCB-Stratege: „James erfüllt Träume“

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James Rodrigez ist für Jörg Wacker  im amerikanischen Raum ein unbezahlbarer Markenbotschafter. Der Kolumbianer ist zudem Bayerns Nummer eins im Trikotverkauf.

Jörg Wacker ist beim FC Bayern für die Internationalisierung zuständig. Im Interview spricht der Stratege über die USA-Reise, Follower und James Rodriguez.

München – Vom 23. bis 30. Juli fliegt der FC Bayern heuer wieder in die USA, tritt dort in Philadelphia gegen Juventus Turin und in Miami gegen Manchester City an. Im Interview erläutert Jörg Wacker, im Vorstand für die Internationalisierung zuständig, wie man mit dem deutschen Aus bei der WM umgeht und in den USA weiter punkten will.

Herr Wacker, inwieweit beschäftigt Sie in Ihrer Funktion das schwache Abschneiden der deutschen Nationalelf bei der WM?

Jörg Wacker: Damit setze ich mich schon auseinander. Vor vier Jahren waren wir alle euphorisch, der WM-Sieg war das Ergebnis harter Arbeit und ein Resultat von akribischer Talentförderung. Damit haben wir den deutschen Fußball international als eine starke Marke positioniert. Jetzt muss man genau analysieren und sich fragen, wie man mit diesem schwachen Abschneiden umgeht.

Der deutsche Fußball ist „Made in Germany“

Sie sind bestens im Ausland vernetzt. Wie fielen denn die Reaktionen aus?

Jörg Wacker: Das können Sie sich vorstellen. Wir werden noch eine ganze Zeit Wunden lecken.

Der deutsche Fußball hat zu funktionieren. So wie deutsche Autos.

Jörg Wacker: Sagen wir mal so: Der deutsche Fußball ist „Made in Germany“, das ist im Weltfußball ein geschätztes, respektiertes Gütesiegel. Jetzt müssen alle im deutschen Fußball daran arbeiten, dass wir die Qualität und die Resultate wieder nachhaltig entwickeln.

Ist auch die Marke FC Bayern beschädigt?

Jörg Wacker: Nein, das Ergebnis einer Fußball-WM ist für uns nicht entscheidend. Aber ein besseres Abschneiden hätte uns die Arbeit natürlich erleichtert.

Die Auswahl der USA war bei der WM gar nicht dabei – wie wird der FC Bayern in gut zehn Tagen nun empfangen werden? Sind die USA ausgehungert nach Soccer – oder stieg das Desinteresse wieder an?

Jörg Wacker, Vorstand Internationalisierung und Strategie des FC Bayern München.

Jörg Wacker: Die amerikanischen Fans waren nach dem Scheitern in der Qualifikation so enttäuscht wie die deutschen Fans nach dem Ausscheiden jetzt in der WM-Gruppenphase. Das stoppt aber die Entwicklung nicht. Einzelereignisse haben nicht die Kraft, das Ganze einzureißen. Die Einschaltquote beim Gruppenspiel Deutschland gegen Schweden war die höchste in der Geschichte bei einem Gruppenspiel ohne Beteiligung des US-Teams. Das zeigt, wie phänomenal sich der Fußball entwickelt hat. Darum haben wir die USA neben China als unseren Fokusmarkt ausgemacht. Dass 2026 die WM in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, löst den nächsten Boom aus. Fußball ist in den USA nicht mehr aufzuhalten.

Was macht Sie sicher?

Jörg Wacker: Die USA sind schon lange kein Fußball-Entwicklungsland mehr. Ich war vor sechs Wochen in Miami, zur Vorbereitung auf unsere Tour. Bei einem Treffen mit dem Bürgermeister von Miami Beach erzählte er uns, dass sie einen nach dem anderen öffentlichen Baseball-Platz zu einem Fußballfeld umbauen. Weil sich die Nachfrage bei den Kids verschoben hat. Das zeigt, was gerade in den USA passiert.

Warum haben Sie sich diesmal für Philadelphia und Miami entschieden?

Jörg Wacker: Beides sind Traumstädte und passen perfekt in unsere Strategie. Philadelphia ist eine lebendige Sportstadt. Die Philadelphia Eagles sind aktueller Super-Bowl-Champion. Zudem hat „Philli“ eine große Bayern-Fan-Gemeinde. Das ist ein top Standort, genauso wie Miami als Einstiegstor für Mittel- und Südamerika. Das ist für uns interessant, weil wir unseren Fokus von den USA aus ausweiten wollen. Die US-Tour 2018 wird intensiv, eine Reise der kurzen Wege in zwei wunderbare Städte mit zwei attraktiven Spielen.

Wie laufen die Pläne generell, in Mittel- und Südamerika Fuß zu fassen?

Jörg Wacker: Wir sind auf einem guten Weg und haben die ersten Schritte hinter uns. In unserem Büro in New York haben wir Mitarbeiter eingestellt, die den mittel- und südamerikanischen Markt kennen und betreuen. James, der über Kolumbien hinaus in diesen Regionen ein Superstar ist, hilft als Markenbotschafter ungemein. Mit über 80 Millionen Followern ist er weltweit in den Top Vier der reichweitenstärksten Fußballspieler – hinter Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, und Neymar. James ist ein Spieler, der Träume erfüllt. Auch bei den Fans in Deutschland kommt er überragend an. Sein Trikot ist bei den Verkäufen die Nummer 1.

Also große Bitte an den Vorstand: Nach Ende des Leihgeschäfts verpflichten.

Jörg Wacker: Bayern wird nie einen Spieler nur aus Marketinggründen verpflichten. James ist vor allem ein großartiger Fußballer.

„Wir werden für die WM 2026 gut vorbereitet sein“

Was bedeutet es für Sie konkret, dass die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet?

Jörg Wacker: Wir beschäftigen uns bereits mit dem Thema. Für unsere Internationalisierungsstrategie ist das perfekt. Wir sind schon vor Ort, aktuell unter anderem mit 139 Fan-Clubs, die organisch gewachsen sind, weil auch ihre Mitgliederzahlen steigen. In den USA haben wir knapp 30 Millionen Follower, in Mexiko ungefähr genauso viele, in Brasilien 20 Millionen und in Kolumbien sind wir gerade bei elf Millionen, Tendenz steigend. Wir werden für die WM 2026 sehr gut vorbereitet sein. Das heißt aber nicht, dass wir China aus den Augen lassen. Es ist ja der große Plan, dass die WM 2030 dort ausgerichtet wird. Mit Fußballschulen und Stipendien gehen wir da einen etwas anderen Weg, weil der Markt anders aufgebaut ist.

Welche Ziele haben Sie bei Ihrer Kooperation mit dem FC Dallas?

Jörg Wacker: Der FC Dallas ist der Club, der am besten zu uns passt, weil er mit Abstand die beste Jugend-Akademie hat und ähnlich familiäre Strukturen wie der FC Bayern. Inhalt der Partnerschaft ist der Austausch von Trainern und Spielern im Jugendbereich. Die Brüder Clark und Dan Hunt, die Besitzer des MLS-Clubs, stammen aus einer der einflussreichsten Familien im amerikanischen Sports Business, stehen für Professionalität und Nachhaltigkeit.

Trägt die Zusammenarbeit bereits Früchte?

Jörg Wacker: Ja. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem 18-jährigen Chris Richards den ersten Spieler aus der FC Dallas Akademie holen konnten. Laut unseren Jugendtrainern hat der Junge enormes Potenzial und wird zukünftig in unserer U19 spielen.

Wie sehen Sie aktuell die generelle Internationalisierung der Bundesliga?

Jörg Wacker: Sehr positiv. Die Liga und die Vereine haben erkannt, dass Internationalisierung alternativlos ist. Ich sehe, dass andere Clubs immer aktiver werden. Der VfB Stuttgart hat jetzt für China einen Extra-Mitarbeiter eingestellt, Eintracht Frankfurt reist in die USA, sogar der 1. FC Köln zeigt sich trotz seines Abstiegs in China. Das ist wichtig, denn wir müssen uns als Clubs und Liga viel stärker global positionieren.

Aber sind Köln, Frankfurt etc. bei allem Respekt im Vergleich zu den englischen oder spanischen Clubs mit ihren Top-Stars nicht die grauen Mäuse von Europa, die kaum Massen binden?

Jörg Wacker: Nein, das sehe ich anders. Jeder Club ist für sich eine eigene Marke. Auch die kleineren Clubs leisten einen ganz wichtigen Beitrag. Man muss einfach kreative Lösungen finden, eigene Wege, über Städtepartnerschaften, Kooperationen – es gibt viele Konzeptansätze. Das Wichtigste ist, dass das Bewusstsein da ist. Und das sehe ich. Vielleicht tun sich ja mal drei, vier Bundesligisten zusammen, planen gemeinsam ein Miniturnier in den USA oder Asien. Es gibt auch Wege für Clubs, die alleine vielleicht nicht so viel stemmen können. Eintracht Frankfurt finde ich toll. Die sind in Bewegung.

Bayerns Basketballer holten das Double – touren sie auch bald durch die USA?

Jörg Wacker: Ich bin in engem Austausch mit Marko Pesic und ja, ich gehe davon aus. Unser Frauen-Fußballteam war schon in den Staaten, zudem in Katar und hat sich als tolles Aushängeschild entwickelt. Die Basketballer sind ebenfalls ein starker Transporteur unserer Marke.

Ist Bastian Schweinsteiger als bayerischer Botschafter in Chicago Gold wert, ohne dass er auf der Gehaltsliste steht?

Jörg Wacker: Einen besseren Botschafter für den FC Bayern und den deutschen Fußball kann man sich kaum wünschen. Er ist ein Weltstar, ganz eindeutig. Das Abschiedsspiel am 28. August in der Allianz Arena zwischen unserem Team und Chicago Fire wird auch in den USA stark wahrgenommen werden.

Der FC Bayern tourt durch die USA, bezieht aber heuer auch einmal wieder ein Trainingslager am Tegernsee – ist das das beste Indiz, um zu zeigen: Wir bleiben bodenständig.

Jörg Wacker: Wir haben unsere Wurzeln in München, Bayern, Deutschland, und das wird auch immer so bleiben. Aber wir haben Fans in jedem Winkel dieser Erde, die dem FC Bayern bei jedem Spiel die Daumen drücken und sich mit dem Club identifizieren. Neulich war ich bei einem Pressetermin in Thailand, plötzlich trat eine Blaskapelle auf, die den „Stern des Südens“ gespielt hat. Da sieht man, wie die Fans auf der ganzen Welt die Werte des FC Bayern leben. Wir haben den Spagat gut hinbekommen.

Bayerns Innenminister Joachim Hermann sagte neulich, heute würde er im Ausland erst auf den FC Bayern, dass aufs Oktoberfest angesprochen. Früher war die Reihenfolge umgekehrt.

Jörg Wacker: Wenn er das so gesagt hat, wird das so sein (grinst). Ich denke, beides sind Aushängeschilder auf einer Stufe, die der Stadt und dem Freistaat perfekt zu Gesicht stehen.

Interview: Andreas Werner

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