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Schulnote: Stets bemüht

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Von: Hanna Raif

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Juan Bernat und Sebastian Rudy konnten ihre Chance gegen Leipzig nicht nutzen. Sie zeigen den Leistungsabfall, der im Kader des FC Bayern auf manchen Positionen herrscht.

Leipzig – Diese zwei Szenen werden Mats Hummels auch auf dem nächtlichen Flug nach München noch begleitet haben. Zwei Mal hatte der Nationalspieler in der zweiten Halbzeit des 1:2 der Bayern in Leipzig den Ausgleich auf dem Fuß bzw. dem Kopf, zwei Mal vergab er kläglich. Als „federführend beim Chancenvergeben“ bezeichnete er sich kurz nach Abpfiff der ersten Niederlage nach knapp vier Monaten sichtlich geknickt.

Persönliche Enttäuschung war vielleicht angebracht, eine Entschuldigung bei seinen Mitspielern aber nicht. Denn Worte wie jene von Thomas Müller – „der Mats hat einen Torjägeranspruch, das ehrt ihn“ – unterstrichen die Tatsache, die sich andere nur gedacht hatten. Der Mats, der hat es immerhin versucht. Da gab es auf dem Platz an diesem frostigen Abend andere.

Es ist nicht immer leicht für Jupp Heynckes, die richtige Balance zu finden aus Spielern, die Routine haben, und solchen, die Spielpraxis benötigen. Eine Rotation hatte sich nach dem kräftezehrenden 3:1 in Istanbul angeboten, sechs Umstellungen aber bedeuteten auch, dass sich die Mannschaft erst mal finden muss. Besonders schwer sind solche Spiele für jene Profis aus der zweiten Reihe, man sagt im Bayern-Umfeld freundlich „1b-Mannschaft“. Sie müssen erst mal rein kommen, wollen sich aber zeitgleich beweisen für höhere Aufgaben. Juan Bernat und Sebastian Rudy gelang in Leipzig weder das eine noch das andere. Dabei waren beide von Heynckes mit großer Verantwortung ausgestattet worden.

Weder Bernat noch Rudy schaffen eine Zweikampfquote von 50 Prozent

Bernat kam anstelle von Franck Ribery über den linken Flügel, agierte also eine Position weiter vorne als bei seinen sonstigen seltenen Einsätzen. Rudy war als einziger Sechser dafür vorgesehen, das schnelle Umschaltspiel der Leipziger im Keim zu ersticken. Die größten Schwachpunkte der größtenteils schwachen Bayern an diesem Abend: Kaum Zug zum Tor, dafür umso mehr gegnerische Konter, die letztlich auch zu den Gegentoren führten.

Noch hat die Rückrunde nicht an Fahrt aufgenommen, vor den heißen Wochen im April aber kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Bayern nicht auf allen Positionen breit aufgestellt sind. Zwar konterte Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Frage nach dem augenscheinlichen Leistungsgefälle mit einem deutlichen „Nein“ und fügte widerwillig hinzu: „Wir haben 20 Nationalspieler, die sind alle top. Deshalb sehe ich das nicht so.“ Immerhin gab er aber zu: „Wenn wir nicht von Anfang an Gas geben, dann wird es schwer.“

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Für das „von Anfang an Gas geben“ sind andere verantwortlich als Bernat und Rudy, die zuletzt, als kurzzeitig alle fit waren, auch mal auf die Tribüne mussten. Dass sich Bernats Zeit in München dem Ende nähert, zeigt die Entwicklung seit zwei Jahren. 38 Prozent gewonnene Zweikämpfe wie beim Teilzeit-Einsatz vom Sonntag sind zu wenig, um sich dauerhaft zu empfehlen. Rudy schaffte es immerhin auf 47 Prozent, erfüllte seine Aufgabe damit aber auch nicht. Im Schnitt ein Mal pro Monat darf der Ex-Hoffenheimer – einer der gefragtesten Männer der Hinrunde – zur Zeit ran. Die summierten Einsatzzeiten des Sorgen-Duos in den Achtelfinalspielen der Champions League: Null Minuten.

Auch die beiden werden auf dem Heimflug noch ein wenig nachgedacht haben. Über die Niederlage, aber auch über die eigene Leistung. „Stets bemüht“ – so steht es in solchen Fällen im Schulzeugnis. Immerhin: Vergebene Torchancen gab es nicht zu verarbeiten. 

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