Auch Pep vertraut dem Kaderplaner

Bayerns Schattenmann: Warum Reschke im Hintergrund arbeitet

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Eines seiner seltenen Fotos: Michael Reschke (l.) hier neben Uli Hoeneß.

München - Michael Reschke ist der Technische Direktor beim FC Bayern. Doch der Kaderplaner des Rekordmeisters tritt öffentlich kaum in Erscheinung. Das hat auch einen guten Grund.

Der Kaiser? Hatte noch nie von ihm gehört! „Wie heißt er? Reschke?“, so Franz Beckenbauer, nachdem der FC Bayern im Sommer 2014 für Michael Reschke den neuen Posten des Technischen Direktors ins Leben rief. „Aber“, so fügte der Kaiser an, „wenn Rudi Völler ihn empfohlen hat, wird er schon ein guter Mann sein.“ Kann man so stehen lassen. Namen wie Douglas Costa, Kingsley Coman, Joshua Kimmich und ja, auch Arturo Vidal, hätten wohl ohne die Nase Reschkes nie den Weg nach München gefunden.

Doch während die Vorlagen und Tore seiner Transfers ihm jedes Wochenende aufs Neue recht geben, zieht es die im Vergleich zu Karl-Heinz Rummenigge & Co. auf den ersten Blick unscheinbare Gestalt vor, im Hintergrund zu bleiben. Fotos gibt es kaum welche von ihm, sein Eintrag bei Wikipedia umfasst gerade mal ein paar Zeilen. Am Samstag (18.30 Uhr, Sky) kehrt Reschke nach Leverkusen zurück, dorthin, wo er sich 35 Jahre lang einen Namen gemacht hat. Grund genug, um mal einen genaueren Blick auf den Schattenmann der Roten zu werfen.

Seine Karriere beginnt als Jugendtrainer in der Heimat Frechen, bis Reiner Calmund in Erscheinung tritt. Reschke hatte sich mit Calli gezofft, weil der einen seiner Spieler abgeworben hatte, bis der ihn eines Sonntags vor dem Redaktionsgebäude der Kölner Rundschau abfing – Reschke war dort als Sport-Mitarbeiter tätig – und ihn um den Finger wickelte. Calli: „Hör zu, du wirst jetzt Jugendleiter bei Bayer.“ Reschke: „Nö.“ Calli: „Doch.“ Nach einem anschließenden Essen war das Ding durch und der Weg für einen der besten Bundesligamanager geebnet. Ganze 35 Jahre war Reschke bei Bayer tätig, zehn davon als Manager, in denen er mitunter bei den Transfers von Stefan Kießling, Simon Rolfes, René Adler sowie André Schürrle federführend beteiligt war.

Augenthaler: Hat er die 400 Bundesligaspiele auf dem Buckel oder ich?

Einer, der Reschkes Wirken in Leverkusen hautnah miterlebt hat, ist Klaus Augenthaler. Von 2003 bis 2005 war der Weltmeister als Trainer bei Bayer angestellt und kann in Sachen Scoutingphantom aus dem Nähkästchen plaudern. Auge zur tz: „Ich habe ihn in Köln kennengelernt, als ich meinen Fußballlehrer gemacht habe. Mit meiner Karriere war ich damals ja mehr oder weniger durch, aber als wir da so abends bei einem Bier zusammensaßen, habe ich mich schon gefragt: Hat er die 400 Bundesligaspiele auf dem Buckel oder ich?“

Der heute 59-Jährige sei ein Mann „von absoluter Fachkompetenz und mit einem hervorragenden Netzwerk“, so Augenthaler, der sich vor allem an eine Anekdote erinnern kann, die von Reschkes Professionalität zeugt. Auge: „Wir sind mal zusammen nach Birmingham geflogen, um uns einen Spieler anzuschauen. Es war alles tipptopp vorbereitet: Abholservice, Hotel, Karten – seine fachkundige Meinung sowieso! Bei Reschke ist alles minutiös geplant, zudem schöpft er alle Möglichkeiten aus. Er ist sich zum Beispiel nicht zu schade, für einen Spieler auch mal nach Südamerika zu reisen.“

Reschke überzeugt Guardiola

Wie im Fall Douglas Costa, den er bei der Copa America in Chile unter die Lupe nahm, oder Kingsley Coman, den er bei der U 19-EM in Griechenland beobachtete. Ob das Pep Guardiola alles so toll findet, sei mal dahingestellt. Immerhin hat der Spanier schon das ein oder andere Mal betont, dass der Verein und nicht er für Transfers verantwortlich sei. Spätestens nach Costa & Co. blieb Guardiola aber nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen. Als der Bayern-Trainer über Coman befragt wurde, sagte er: „Michael Reschke hat mich über ihn informiert. Ich habe ihn bei Juventus mal gesehen, aber die Spielweise war anders. Michael Reschke hat gesagt, er ist gut. Ich habe gesagt, okay, wenn du sagst, dass er uns helfen kann, dann ist es gut.“

Wie so eine Sichtung genau abläuft? Augenthaler zur tz: „Da werden Bewertungsbögen erstellt, in denen es nicht nur ums Fußballerische, sondern auch um den Charakter und den familiären Hintergrund des Spielers geht. Erst dann trifft man die Entscheidung.“ Und die war bei Costa & Co. zweifelsfrei richtig. Lob braucht Reschke dafür aber nicht. Er bleibt lieber im Hintergrund. Wieso? Reschke: „So kann ich mich in jedem Stadion unbemerkt bewegen.“ Im Schatten…

Reschkes-Transfers

Leverkusen

A. Schürrle (Mainz, 8,5 Mio.)

B. Leno (Stuttgart, 7,5 Mio.)

S. Kießling (FCN, 6,5 Mio.)

A. Vidal (Colo Colo, 5,2 Mio.)

R. Augusto (Flamengo, 5,2 Mio.)

E. Can (Bayern, 5 Mio.)

D. Carvajal (Madrid II, 5 Mio.)

Ö. Toprak (Freiburg, 3 Mio.)

L. Bender (TSV 1860, 2,5 Mio.)

S. Rolfes (Aachen, 750 000)

E. Spahic (Sevilla, 400 000)

T. Barnetta (St. Gallen, 250 000)

C. Kramer (Leverkusen Jugend, –)

K. Bellarabi (Braunschweig, –)

R. Adler (VfB Leipzig Jugend, –)

FC Bayern

A. Vidal (Juventus, 37 Mio.)

D. Costa (Donezk 30 Mio.)

J. Kimmich (Stuttgart, 8,5 Mio.)

K. Coman (Juventus-Leihe, 7 Mio.)

J. Carlos Menzel López

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