FCB-Kapitän im großen Exklusiv-Interview

Neuer verspricht: „Wir werden es wieder hinbekommen!“

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Kapitän Manuel Neuer: Wir werden es wieder so hinbekommen, wie es mal gewesen ist. “

Kapitän Manuel Neuer spricht im Interview über die Krise beim FC Bayern München, Coach Niko Kovac und den Grund, warum die Bayern den Rivalen BVB schlagen werden.

München - Es ist der Tag nach dem mageren 2:1-Pokalsieg gegen Rödinghausen, als die tz Manuel Neuer an der Säbener Straße trifft. Es ist das erste offizielle Interview mit einem Bayern-Spieler nach der Pressekonferenz der Bosse vor zwei Wochen. Im Presse-Stüberl ist es an diesem Tag kühl, es zieht ein wenig und im Nebenraum besprechen Bauarbeiter das weitere Vorgehen – es wird umgebaut momentan an der Säbener. FCB-Kapitän Neuer trägt trotzdem nur ein weißes T-Shirt, begrüßt den tz-Reporter mit einem festen Händedruck. „Geht ja schnell, oder?“, meint der Torwart mit seinem typisch verschmitzten Grinsen. Danach spricht Neuer Klartext: über die fehlende spielerische Leichtigkeit beim Rekordmeister, über die für ihn ungewohnte sportliche Kritik an seiner Person und die Arbeit von Niko Kovac. Selbst beim Thema Özil weicht der 32-Jährige nicht aus.

Herr Neuer, wie viele Kilometer haben Sie heuer schon auf dem Rennrad zurückgelegt?

Manuel Neuer: Das kann ich Ihnen gar nicht genau sagen.

„Daraus ist eine Leidenschaft entstanden“

Tausend? Mehr? Weniger?

Meine Reha nach meiner letzten Fußverletzung hat ja mit dem Radfahren begonnen. Ich bin zum Radsport gekommen, weil ich bloß das halbe Körpergewicht belasten durfte. Das war die Alternative zur Handkurbel und vorher zum Schwimmen. Mit dem Radeln konnte ich dann etwas für meine Pumpe tun. Es hat mir Spaß gemacht und so konnte ich wieder anfangen zu arbeiten – und daraus ist dann irgendwann eine Leidenschaft entstanden.

Dann kommt Ihnen das viele Strampeln auf dem Ergometer unter Niko Kovac ja entgegen.

Das ist schon etwas anderes, als wenn man draußen in der Natur radelt. Und es ist ja ein anderes Radfahren: kein intensives, sondern ein regeneratives, womit man auch Laktat abbaut.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Niko Kovac bisher, wodurch zeichnet er sich aus?

Niko Kovac spricht Sachen klar und deutlich an und geht dabei auf alles ein. Er sagt allen offen und ehrlich, was er denkt. Dabei hat er gar keine Scheu, als junger Trainer alle Spieler gleich anzusprechen. So versucht er uns weiterzubringen, damit wir einen erfolgreichen Fußball spielen.

Mehr zum Thema: Kabinenpredigt von Niko Kovac durchgesickert - Genervter Bayern-Trainer führt zwei neue Regeln ein

Worauf legt er sonst Wert?

In der Sommervorbereitung hat er anfangs viel im Bereich der Fitness und Ausdauer gemacht, sodass wir jetzt auf einem anderen Level sind. Man merkt ja auch, dass bei uns im muskulären Bereich nicht viel passiert ist bisher. Es ist auffällig, dass die Verletzungen in letzter Zeit immer nur durch direkte Gegnereinwirkung entstanden sind.

Manuel Neuer im Gespräch mit tz-Reporter Manuel Bonke.

Heynckes, Guardiola, Ancelotti mit Abstrichen und wieder Heynckes: Die Fußstapfen seiner Vorgänger könnten größer nicht sein…

Niko und Robert Kovac waren ja auch Bayernspieler. Daher wussten sie ja, auf was sie sich einlassen. Beide haben die Rolle angenommen und machen das gut. Gerade was ich vorher erwähnt habe – wie Niko mit den Spielern umgeht, wie er mit ihnen spricht. Das Menschliche kommt wirklich nicht zu kurz. Seine Offenheit, die er an den Tag legt und das ständige Verbessernwollen und nicht zufrieden zu sein. Das passt zum FC Bayern.

An der Außenlinie ist Kovac sehr aktiv.

Das stimmt, er agiert sehr viel. Ich sage mal: Das ist eher so Pep-like, vielleicht nicht ganz so viel. Aber er möchte immer Hilfestellung geben, die Spieler unterstützen und sehr präsent sein.

Trotzdem wird ihm ein mangelndes Konzept in der Offensive vorgeworfen. Allerdings steht der FC Bayern hinten auch nicht sicher.

Die Fehler wiederholen sich leider ein bisschen zu häufig in unserem Spiel. Dinge, die zu Gegentoren führen: zugelassene Flanke oder wenn wir bei Standardsituationen nicht wachsam sind. Vielleicht sind wir da zu naiv, weil wir denken: Wir kriegen das schon geregelt.

Und vorne?

Wenn wir uns aktuell Chancen herausspielen, belohnen wir uns nicht dafür. Ich bin aber überzeugt, dass es wieder besser wird. Wir studieren im Training viele Angriffsformen und Abläufe ein, damit die Torerfolge wieder zurückkommen. Dann gibt es auch wieder die Bayern-­Siege, die man von uns kennt. Wir werden es wieder so hinbekommen, wie es mal gewesen ist. Bayern-like!

Nach dem Spiel auf Schalke wurde dem Verein von der Konkurrenz schon zur Meisterschaft gratuliert.

Aber wir haben die Gratulation ja nicht angenommen.

„Die Dominanz gegen Augsburg war ja da“

Trotzdem hat bis zu diesem Zeitpunkt alles gepasst. Dann kam der Dominanz-Bruch mit dem Augsburg-Spiel.

Die Dominanz gegen Augsburg war ja da, das steht außer Frage. Da haben wir das Spiel komplett dominiert, uns aber wieder nicht mit einem zweiten Tor belohnt.

Was ist dann der Unterschied zwischen dem Spiel gegen Augsburg und gegen Mainz?

Neuer: Man muss auch berücksichtigen, dass wir einen Anti-Lauf hatten mit den vier sieglosen Spielen. Wir hatten eine Schwäche-Periode, das muss man ganz klar sagen. Da stellen wir uns der Kritik und wissen, dass wir Spieler dafür verantwortlich sind. Während einer solchen Phase ist es dann nicht leicht, bei Spielen wie in Wolfsburg oder Mainz zu glänzen. Selbst Bayern-Spieler können nicht sagen: Wir drücken auf einen Knopf und sind wieder da.

Kopfsache?

Das gehört alles dazu. Jeder Spieler macht sich in so einer Zeit Gedanken: Warum habe ich so gespielt? Warum ist es uns nicht gelungen zu dominieren? Warum können wir die Spiele nicht mehr so gewinnen, wie es in den vergangenen Jahren üblich war? Da spielt der Kopf auch eine Rolle. Natürlich sind wir überzeugt von unserem Kader, von uns, von dem Konzept und den Vorgaben unseres Trainers. Es ist aber auch nicht so, dass es nach vier nicht gewonnenen Spielen einfach von der Hand geht.

Wie viel oder wenig beeinträchtigt Sie Ihre Verletzung noch? Vielleicht ja unterbewusst…

Neuer: Im Kopf habe ich überhaupt kein Problem mit meiner Verletzung. Ich habe keine Schmerzen, keine Beschwerden. Natürlich ist es so, dass einem ein Jahr lang die Abläufe fehlen. Aber dafür habe ich in der Vergangenheit einfach zu gute Spiele gemacht, seitdem ich wieder da bin – auch direkt nach der Verletzung, schon bei der WM. Darum mache ich mir keine Sorgen. Ich bin aktuell in einer guten Verfassung.

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