Bayern-Boss im großen Interview

Rummenigge über Zukunft von Lewandowski: „Bayern tickt völlig anders“

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Warum der FC Bayern auch bei einer Abslöse von 150 Millionen Euro für Lewandowski nicht schwach werden würde, erklärt Bayern-Boss Rummenigge im Interview mit der tz.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht im Interview über Robert Lewandowskis Zukunft, den Transfer von Ronaldo sowie über das Krisenmanagement des DFB im Falle Özil.  

München - Geld oder Qualität? Karl-Heinz Rummenigge legt sich fest: Qualität! Warum Robert Lewandowski auch nicht für 150 Millionen Euro gehen darf, wie der Ronaldo-Deal zu bewerten ist und warum die Bundesliga um ihre CL-Startplätze bangen muss, erklärt der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern im tz-Interview:

Herr Rummenigge, während der US-Tour des FC Bayern haben Sie sich mit Vertretern der NBA und NFL ausgetauscht. Wären Sie auch für ein Treffen mit Donald Trump zu haben gewesen?

Rummenigge: Ehrlich gesagt nicht. Erst einmal bin ich kein so großer Politiker, dass ich mich mit Trump hätte treffen wollen. Insbesondere mit den Kollegen der NFL war der Austausch sehr gut, sie machen einen sehr guten Job. Es ist kein Zufall, dass die NFL die mit Abstand erfolgreichste Liga mit dem größten Zuspruch auf der Welt ist. Da kann man viel lernen, auch im hohen Alter.

Rummenigge über Özil: „Beim DFB gab es kein wirksames Krisenmanagement“

Kann der deutsche Fußball – speziell nach der Causa Özil – auch in Sachen Werte dazulernen?

Rummenigge: Als Werteverfall würde ich das nicht bezeichnen. Ich halte die ganze Diskussion um Mesut Özil für eine Phantomdiskussion. Mit Rassismus hat sie überhaupt nichts zu tun. In meinen Augen gibt es keinen größeren Integrationsfaktor als Fußball. Es fällt allerdings auf, dass es beim DFB keine einhellige Meinung zur Causa Özil gibt, folglich gab es auch kein wirksames Krisenmanagement. Man muss jetzt erst mal abwarten, wie die Konsequenzen der groß angekündigten Analyse ausfallen und wie aufgrund dessen der Neuanfang gestaltet werden soll.

Einen Neuanfang wird es wohl auch nach der Zeit von Franck Ribéry und Arjen Robben bei Bayern München geben. Noch wirken die beiden allerdings relativ frisch. Erstaunt Sie das?

Rummenigge: Nein, wir haben ihre Verträge ja nicht zufällig verlängert. Wir hatten ja auch diskutiert, ob wir mit einem 34- und einem 35-Jährigen noch ein Jahr verlängern. Gegen Juventus und Manchester City hat man gesehen, über welche Qualität sie nach wie vor verfügen. Das zweite Tor gegen City wurde von Franck vorbereitet und von Arjen vollstreckt – für dieses Tor gibt es nur ein Prädikat: Weltklasse! Ich bin mir sicher, dass die beiden dieses möglicherweise letzte Jahr nutzen wollen, um nochmal allen zu zeigen, welche Top-Qualität sie haben. Der eine ist 2007, der andere 2009 zu uns gestoßen – es ist kein Zufall, dass wir seitdem national wie international einen Sprung gemacht haben.

Rummenigge über Lewandowski: „Die Top-Qualität, über die wir verfügen, bleibt bei Bayern“

Mittlerweile stehen beide für Vereins­treue, was heutzutage immer seltener gegeben ist.

Rummenigge: Wir haben da auch eine komplett andere Philosophie als andere Klubs. Mit Franck hatten wir ja auch einmal diese kleine Problematik, als Chelsea und Real hinter ihm her waren. Franck hat auch Gelüste gezeigt, wir haben ihm jedoch mitgeteilt, dass wir ihn keinesfalls verkaufen würden. Und jetzt ist er einer der glücklichsten Fußballer der Welt, weil er bei Bayern und in München seine Heimat gefunden hat. Ich denke, auch er ist froh, dass wir diese Entscheidung damals so getroffen haben. Bei Spielern muss man klare Haltung zeigen.

Denken Sie da auch an Robert Lewandowski?

Rummenigge: Auch er wollte sich anderes orientieren, wir haben ihm jedoch mitgeteilt, dass wir das nicht machen. Wir sind mit dem Spieler total zufrieden, auf dieser Position gibt es wenig Vergleichbares, und demnach liegt es auch nicht in unserem Interesse, ihn abzugeben – ganz egal, ob jemand 100 oder 150 Millionen auf den Tisch legt. Seit wir 2008 bei Franck beschlossen haben, dass wir diese Tür nicht aufmachen, ist das unser Credo: Die Top-Qualität, über die wir verfügen, bleibt bei Bayern München.

Klare Ansage: Robert Lewandowski bleibt auch weiterhin ein Roter.

Können Sie diese Abwanderungsgelüste denn zumindest nachvollziehen?

Rummenigge: Ich habe grundsätzlich großes Verständnis für Spieler, schließlich war ich selbst einer. Auch ich bin damals trotz eines laufenden Vertrages zu Inter Mailand gewechselt, allerdings hatte Bayern München aus finanziellen Gründen auch Interesse an diesem Transfer. Wichtig ist, dass man zu dem Thema eine klare Philosophie hat. Daher wollten wir bei Robert auch ganz klar ein Exempel statuieren, um intern wie extern zu zeigen: Bayern München tickt hier völlig anders als andere Klubs, die bei Preis X schwach werden. Wir wollten zeigen: Unsere Tür bleibt zu.

Auch für Hans-Joachim Watzke? Der Geschäftsführer des BVB meinte ja neulich, er würde für Lewandowski auch 100 Millionen Euro auf den Tisch legen.

Rummenigge: (lacht): Das hätte doch sowieso nicht gereicht.

Rummenigge über Ronaldo: „So viel investieren wir nicht in einen 33-Jährigen“

112 Millionen hat Juve für den Transfercoup des Sommers ausgegeben. Wie bewerten Sie den Ronaldo-Deal?

Rummenigge: Es ist der Transfer, der bislang die meiste Aufmerksamkeit genießt. Und das verstehe ich. Hier geht es um einen Spieler, der mit Real in den vergangenen Jahren alles abgeräumt hat, was es abzuräumen gab. Er ist dazu fünfmal zum Weltfußballer gewählt worden, alles in allem also ein super Fußballer. Vermarktungsvisionen haben speziell bei diesem Transfer sicher auch eine große Rolle gespielt. Wir bei Bayern München würden allerdings trotzdem nicht so viel Geld in einen 33-Jährigen investieren.

Wussten Sie, dass Ronaldo auf dem Markt ist?

Rummenigge: Nach dem CL-Finale hat er ja bereits durchscheinen lassen, dass er den Verein zu verlassen plant. Ich wusste auch von seinem Berater Jorge Mendes, der auch unsere Spieler Renato Sanches und James betreut, dass das nicht aus der Hüfte geschossen, sondern ernst zu nehmen war. Überrascht war ich trotzdem, dass sich mein Kollege Andrea Agnelli schließlich dazu entschlossen hat, auf dieses Geschäft einzugehen. In Italien hat er dafür großen Beifall geerntet – aus Sicht von Juve macht der Transfer Sinn, schließlich hatte der italienische Fußball zuletzt etwas an Terrain verloren. Mit diesem großen Deal hoffen die Italiener jetzt, dass sie wieder in den Fokus des Weltfußballs geraten.

Rummenigge warnt: Deutsche Plätze in der Champions League sind in Gefahr

Glauben Sie umgekehrt, dass die Bundesliga und Bayern München für Ronaldo interessant gewesen wäre?

Rummenigge: Wenn, dann nur der FC Bayern. Nur wir hätten das so stemmen können. Aber es fällt schon auf, dass die Topstars zuletzt nicht unbedingt in Scharen nach Deutschland strömten. Und wenn, dann sowieso nur zu Bayern München. Man sieht es ja an James, der abgesehen von seinen sportlichen Fähigkeiten zu einem ungemein wichtigen Vertreter des Klubs geworden ist. Wir müssen aufpassen in der Bundesliga, denn wir schmoren da ein bisschen im Saft des Zufriedenen. Und Fakt ist: Vor ein paar Jahren waren wir noch Zweiter im UEFA-Ranking, jetzt sind wir Vierter. Hält dieser Trend an, verlieren wir in nicht allzu ferner Zukunft zwei CL-Startplätze. Und dann geht das Gejaule los – das Kind wird dann aber bereits im Brunnen sein.

Was muss passieren?

Rummenigge: Die DFL muss die Spitze fördern! Die Elite ist die Basis einer jeden Profiliga. Wovon lebt die spanische Liga? Von Real, Barça und seit ein paar Jahren auch von Atlético. In Deutschland haben wir dieses Gießkannenprinzip zu sehr vorangetrieben – mit dem Ergebnis, dass viele Klubs international an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Am Ende des Tages spielen die Finanzen eine eminent wichtige Rolle, daher wird sich insbesondere die DFL folgende Frage stellen müssen: Will sie weiterhin versuchen, vordergründig alle glücklich zu machen – mit dem Ergebnis, dass wir international weiter an Terrain verlieren? Eine starke Elite zieht alle mit.

Rummenigge über Transfers: „Pep will den Wahnsinn nicht mehr mitmachen“

2013 befand man sich dank des deutschen CL-Endspiels und der Guardiola-Verpflichtung auf der Welle der Euphorie.

Rummenigge: Es wird schwieriger. Dies ist auch dem Transfermarkt geschuldet, der mittlerweile in ganz andere Dimensionen vorgestoßen ist. 2013 lagen die Preise bei rund 30 Millionen für einen guten Spieler, auch die Gehälter bewegten sich auf einem für die Bundesliga bezahlbareren Niveau als heute. Jetzt wird es für Deutschland immer schwieriger – zumindest im globalen Wettbewerb. Da müssen wir aufpassen und dürfen nicht glauben, dass wir nur mit Talenten Real Madrid oder Barcelona in die Knie zwingen können.

„Pep will den Wahnsinn nicht mehr mitmachen“, berichtet Rummenigge.

Der Transferwahnsinn dürfte aber mittlerweile nicht mehr aufzuhalten sein.

Rummenigge: Das weiß ich gar nicht, dieses Jahr hat ja bislang nicht viel stattgefunden. Ich bin neugierig, ob die Engländer noch aktiver werden. Am Freitag hatte ich in Miami ein Gespräch mit Pep. Er meinte, dass sie ursprünglich noch den ein oder anderen Spieler holen wollten, sich letztlich aber dagegen entschieden haben, weil sie diesen Wahnsinn nicht mitmachen wollen. Darauf habe ich erst überrascht geschaut, dachte mir aber: Wunderbar wäre es ja schon, wenn diese Aussage bis zum Ende des englischen Transferfensters Bestand hat. City, PSG – das waren ja stets die globalen Preistreiber. Das war nicht Real, sie haben in den vergangenen Jahren so gut wie nichts ausgegeben. Genau das ist aber wiederum der Beweis dafür, dass man nicht jedes Jahr einen Wahnsinn betreiben muss, um die Champions League zu gewinnen. Ähnlich verfahren wir – mit dem ganz klaren Ziel, wieder die Champions League zu gewinnen. Und zwar eher früher als später.

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