Rummenigge über Carlo, Königsklasse und Eberl

FCB-Boss im Interview: „Würden einen Fehler machen, wenn ...“

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Rummenigge lobt die Arbeit von Ancelotti und die Moral der Truppe.

München - Vor dem Achtelfinale in der Champions League traf unsere Zeitung Karl-Heinz Rummenigge zum Interview. Wir sprachen mit ihm über das Spiel gegen Arsenal, Demut und die Sportdirektor-Frage.

Für den FC Bayern wird es ernst – die K.o.-Runde der Königsklasse geht los. Vor dem Achtelfinale Mittwochabend (20.45 Uhr, Sky und ZDF und bei uns im Live-Ticker) gegen den FC Arsenal traf die tz den Vorstandsboss des Rekordmeisters zum Interview.

Herr Rummenigge, vor dem ein oder anderen Spiel waren Sie und Uli Hoeneß zuletzt nervös, hat er verraten. Carlo Ancelotti habe Sie beide aber schnell wieder beruhigt. Wie gelingt ihm das?

Karl-Heinz Rummenigge: Im Zweifelsfall mit drei Punkten. Damit kann man mich immer beruhigen (lacht).

Im Moment fehlt der dominante Fußball aber …

Rummenigge: Es gibt keinen Grund nervös zu sein. Ich kann nur betonen: Im Fußball ist das Ergebnis sehr wichtig und da haben wir die Erwartungen absolut erfüllt. Wir sind mit sieben Punkten Vorsprung Tabellenführer in der Bundesliga und in den beiden anderen Wettbewerben gut unterwegs.

Rummenigge: „Ancelotti erinnert mich an Hitzfeld“

Gibt sich Ancelotti intern also genauso gelassen wie in der Öffentlichkeit?

Rummenigge: Ja, das tut er. Da gibt es keine Schauspielerei nach außen. Carlo ist ein sehr ausgeglichener, sehr ruhiger Mensch. Das ist in so einem Klub wie Bayern München ein gutes Element. Er erinnert mich da an Ottmar Hitzfeld. Und die Zeit mit Ottmar war ja auch eine gute und erfolgreiche Zeit.

Nach dem Spiel in Ingolstadt hat er gesagt, dass die Mannschaft für Arsenal nichts ändern muss. Einverstanden?

Rummenigge: Mit der zweiten Halbzeit waren wir alle sehr zufrieden. Die Spieler auch: Ich war nach dem Spiel in der Kabine, da herrschte eine tolle Stimmung. Besonders gefallen hat mir die Reaktion der Mannschaft nach dem 1:0. Da sind alle zum Trainer gelaufen. Das zeigt, dass es Carlo gelungen ist, eine tolle Einheit zu bilden.

Die bis zum Schluss an sich glaubt: Acht Zähler hat der FCB in der Liga in den letzten zehn Minuten eingetütet.

Rummenigge: Ich führe diese spät gewonnen Punkte auf Moral und Charakter zurück. Die Mannschaft hat einen irrsinnig großen Siegeswillen.

Rummenigge: „Richtig entspannt geht man nie in die Champions League“

Lässt der Sie Mittwochabend auch entspannt ins Duell mit dem FC Arsenal gehen?

Rummenigge (überlegt): Auf uns warten jetzt zwei K.o.-Spiele. Richtig entspannt geht man nie in die Champions League, im Gegenteil: Man ist ein Stück weit angespannt und auch nervös, weil es in diesen zwei Spielen für den ganzen Verein um sehr viel geht.

Trauen Sie der Mannschaft den ganz großen Coup in diesem Jahr zu?

Rummenigge: Wir würden einen Fehler machen, wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt vom Gewinn der Champions League sprechen würden. Wir sind erst im Achtelfinale. Gegen Arsenal wird es schwer genug. Wir müssen in beiden Spielen hoch konzentriert und gut spielen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Meine Philosophie ist hier step by step zu denken. So haben wir es auch 2013 gemacht. Ganz ohne Arroganz mit einem Schuss Demut.

Rummenigge im Gespräch mit den tz-Reportern Bonke und Westerschulze.

Arsenal ist ja auch ein ganz gutes Pflaster für die Bayern!

Rummenigge: Ja, aber wir haben dabei schon unterschiedliche Spiele erlebt. Sonst sind wir immer zuerst in London angetreten und haben da gewonnen. Zuhause hatten wir dagegen Probleme. Ich erinnere mich noch an das Triple-Jahr 2013, als wir im Rückspiel 0:2 hinten lagen nach dem 3:1-Sieg in London. Uli Hoeneß ist in den letzten Minuten auf seinem Stuhl hin und her gerutscht. Bei einem 0:3 wären wir raus gewesen – und Arsenal war voll im Angriffsmodus.

Die Londoner haben aber mit Ausnahme des FA-Cups seit zwölf Jahren keinen Titel mehr geholt. Liegt das an der starken Konkurrenz oder fehlt ihnen das Sieger-Gen?

Rummenigge: Arsenal ist ein Klub, der große Kontinuität aufweist und in den vergangenen Jahren immer in der CL gespielt hat. Bei den vielen starken Teams ist es in England nicht einfach, Meister zu werden. Wie kurios die Premier League sein kann, zeigt gerade Leicester City. Im vergangenen Jahr Meister, jetzt in Abstiegsnot. Der englische Fußball ist manchmal ein Rätsel.

Rummenigge: „Niemand von Bayern hat mit Eberl diesbezüglich Kontakt gehabt“

Gerätselt wird momentan auch über den neuen Sportdirektor des FC Bayern. Heißer Kandidat auf den Posten ist jetzt Max Eberl, der sogar eine Ausstiegsklausel für den FCB besitzen soll. Gab es bereits erste Gespräche?

Rummenigge: Es sind viele Namen im Umlauf, grundsätzlich möchte ich keine Namen kommentieren. Im Fall von Max Eberl kann und möchte ich aber eines sagen: Niemand von Bayern München hat mit Max Eberl diesbezüglich Kontakt gehabt.

Er macht in Gladbach gute Arbeit, bringt als früherer FCB-Spieler sogar „Stallgeruch“ mit. Ins Anforderungsprofil passt er.

Rummenigge: Was den Posten des Sportdirektors betrifft, haben wir ein klares Job-Profil. Und dabei geht es für uns darum, den Mann für den Job zu finden und nicht den Job für einen Mann. Der FC Bayern wird dieses Thema ohne jeglichen Zeitdruck intern besprechen und entscheiden.

Herr Rummenigge, bei der Suche nach einem Sportdirektor achten Sie also nicht nur auf Erfolge, sondern vor allem auf die Eigenschaften der Kandidaten?

Rummenigge: Wir wollen einen Mann, der über eine hohe Qualifikation verfügt und einen, von dem wir überzeugt sind, dass er gut zum FC Bayern passt. Diese Aufgabe werden wir jetzt in aller Ruhe abarbeiten und sie bis zum 1. Juli lösen. Ich habe übrigens auch nicht den Eindruck, dass wir aktuell – ohne Sportdirektor – in Problemen stecken.

Wie sind denn die Aufgaben des künftigen Sportdirektors definiert?

Rummenigge: Diese Position bringt viel Verantwortung mit sich. Es geht um die Betreuung der Mannschaft, den kontinuierlichen Austausch mit dem Trainer. Dazu kommt die Absprache mit der Scouting-Abteilung, ebenso wie mit der medizinischen Abteilung und dem Nachwuchsbereich.

Rummenigge: „Wenger ist eine aussterbende Spezies“

In England gibt es kaum Sportdirektoren, die Trainer arbeiten als Teammanager – Wenger bei den Gunners seit stolzen 20 Jahren! Wäre das beim FCB überhaupt vorstellbar?

Rummenigge: Arsene ist der letzte Mohikaner dieser Gilde, fast schon eine aussterbende Spezies. Auf der einen Seite ist das natürlich sehr sympathisch. Auf der anderen ist der Fußball heute ein kräfteraubendes Metier geworden. Da ist so eine Kontinuität extrem selten.

Kann ein Trainer seinen Spielern heutzutage nach vier, fünf Jahren überhaupt noch neue Impulse geben?

Rummenigge: Alles wird schnelllebiger, auch der Fußball. Dass ein Trainer länger als fünf, sechs Jahre bei einem Verein tätig ist, wird die Ausnahme bleiben.

Wer bleibt wie lang? So lange laufen die Verträge der Bayern-Stars

Tom Starke: 2018  © AFP
Arjen Robben: 2018  © AFP
Franck Ribéry: 2018  © AFP
Rafinha: 2018  © AFP
Sven Ulreich: 2018  © MIS
Arturo Vidal: 2019  © dpa
James Rodriguez: ausgeliehen bis 2019  © MIS
Juan Bernat: 2019  © AFP
Sandro Wagner: 2020  © sampics / Stefan Matzke
Sebastian Rudy: 2020  © MIS
Joshua Kimmich: 2020  © MIS
Manuel Neuer: 2021  © AFP
Jerome Boateng: 2021  © AFP
Robert Lewandowski: 2021  © AFP
Mats Hummels: 2021  © sampics
Javi Martinez: 2021  © AFP
Thomas Müller: 2021  © AFP
David Alaba: 2021  © AFP
Thiago Alcantara: 2021  © AFP
Renato Sanchez: 2021 (derzeit ausgeliehen bis 2018 an Swansea City)  © sampics
Niklas Süle: 2022  © MIS
Corentin Tolisso: 2022  © MIS
Kingsley Coman: 2023  © MIS

Auch beim FC Bayern?

Rummenigge: Der FC Bayern ist bekannt für seine Kontinuität. Es ist doch etwas Angenehmes, mit einem vertrauten Trainer langfristig zusammenzuarbeiten. Auf der anderen Seite hat man aber auch den Anspruch, der Mannschaft alle paar Jahre neue Anreize zu bieten.

Welche neuen Reize hat Carlo Ancelotti bei den Spielern gesetzt?

Rummenigge: Carlo Ancelotti ist ein sehr profilierter und erfolgreicher Trainer, der unser großes Vertrauen hat. Die Mannschaft ist bei ihm sehr gut aufgehoben. Ich wünsche ihm und uns, dass wir hier gemeinsam gute und erfolgreiche Zeit erleben. 

Interview: Sven Westerschulze, Manuel Bonke

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