Bayern-Trainer kritisiert nach Gala Medien

Rummenigge kritisiert FCB-Coach öffentlich: Keine Jobgarantie für Kovac

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Choreographie der Bayern-Fans beim Spiel gegen Dortmund.

Die Gala der Bayern gegen Dortmund war eindeutig. Für Zündstoff ist an der Säbener Straße jedoch weiter gesorgt: Rummenigge kritisiert Kovac; Kovac kritisiert die Medien.

Update vom 9. Mai 2019: Matthias Sammer hat kräftig gegen die Kritiker von Bayern-Trainer Niko Kovac ausgeteilt und damit indirekt auch gegen Karl-Heinz Rummenigge.

Wie sehr Bayern-Coach Niko Kovac vor dem Gipfel-Duell unter Druck stand, wurde am Samstagabend bei der Pressekonferenz nach der 5:0-Gala-Vorstellung seiner Mannschaft gegen Borussia Dortmund deutlich. „Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht“, schimpfte der Kroate, der vor allem seit dem Champions-League-Aus gegen Liverpool vermehrt in der Kritik stand, in Richtung Medien. Die Trainer seien diejenigen, die immer alles abbekommen.

Was ihm ebenfalls stinkt, ist, dass es im Fußball nur noch um Nebensächlichkeiten (Boateng-Party) gehe. Kovac: „Das ist in der heutigen Zeit so, stört mich aber sehr. Weil ich glaube, wir sind alles Menschen und jeder muss an sich den Anspruch haben: Was ich nicht möchte, das mir einer antut, das tue ich keinem anderen an. Das ist das Wort zum Sonntag.“

Rummenigge: „Jeder muss bei Bayern München liefern“

Das wahre Wort zum Sonntag hatte allerdings tags darauf Karl-Heinz Rummenigge in der TV-Sendung Wontorra bei Sky. Auf die Zukunft von Kovac angesprochen, sagte der FCB-Vorstandsboss: „Es gibt keine Job-Garantie bei Bayern München, für niemanden. Das ist auch gut so. Jeder muss bei Bayern München liefern – das ist das Prinzip Bayern München. Und mit diesem Druck muss man umgehen können, und wer das nicht kann, der ist hier fehl am Platz.“ Kalle knallhart!

Rummenigge kritisierte außerdem überraschend offen die Arbeit seines Trainers, vor allem die übertriebene Rotation gegen Endes des Jahres 2018: „Da haben wir uns schon ein bisschen selbst ein Bein gestellt. Der Trainer hat in ungewohnt großem Stil rotiert, was in der Mannschaft offensichtlich zu einer gewissen Unruhe geführt hat. Ich bin ein erbitterter Gegner der Rotation. Da sind schon ein paar Dinge in die falsche Richtung gelaufen, sonst wären wir nicht neun Punkte hinter Dortmund gewesen.“

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In den Augen des Bayern-Bosses ging in dieser Zeit das Leistungsprinzip ein Stück weit verloren. „Wir waren zu dem Zeitpunkt Tabellenfünfter – also wir waren sogar aus den CL-Plätzen raus. Wenn wir uns eins nicht erlauben dürfen, ist es, nicht für die CL qualifiziert zu sein. Dann haben wir Gespräche geführt und die haben einen Beitrag geleistet, dass wir wieder in die Spur zurückgekommen sind.“

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Das Ziel sei es, die Vertragslaufzeit des Kroaten bis Juni 2021 einzuhalten. Kalle: „Es spricht ja nichts dagegen. Es hat ihn von uns keiner infrage gestellt.“ Gleichzeitig gilt es laut Rummenigge für Kovac, eine Vizemeisterschaft und ein Halbfinal-Aus im Pokal „zu verhindern“.

Pro & Contra: Hat Kovac mit seiner Medienkritik Recht?

Fußball als Faszination reicht

Es ist schon eine sehr emotionale Geschichte, die Beziehung der Fans zum Fußball. Bei vielen beginnt sie schon in der Kindheit, wenn man sich in diese Sportart und ihre Protagonisten verliebt. Und in den meisten Fällen lässt einen diese die Generationen verbindende Begeisterung nicht mehr los. So gesehen trifft Bayern-Trainer Niko Kovac schon den kritischen Punkt, wenn er nun den Medien vorhält, sie pflegten eine stark übertriebene Vorliebe für Nebensächlichkeiten und Sensationen, die nichts mit dem Fußball an sich zu tun hätten.

Sicher, private Fehltritte von Stars, bizarres Outfit oder ein vergoldetes Steak bieten durchaus Gesprächsstoff, befriedigen die menschliche Neigung zu Tratsch und Klatsch. Doch die wahre Faszination des Fußballs speist sich aus ganz anderen Quellen. Aus den Dramen, die in der Natur dieses Spiels liegen, den Unwägbarkeiten, den Überraschungen, den großen Gefühlen und nicht zuletzt der hohen Spielkunst. Fußball-Zauberer wie Messi, Maradona, Cruyff, Pele oder Beckenbauer dribbelten sich nicht von ungefähr ins kollektive Gedächtnis.

Wie schön lässt sich doch diskutieren über Torschüsse, Taktiken, Tacklings. Auch weil sich jeder Liebhaber dieses wunderbaren Sports als Fachmann fühlen kann. Kovac hat schon recht: Lasst uns über Fußball reden, und nicht über Partys oder absonderliche Essgewohnheiten.

Armin Gibis

Wegen des Umgangs mit Niko Kovac musste Karl-Heinz Rummenigge nun von Ottmar Hitzfeld heftige Kritik einstecken.

Die Stars wollen es so…

Niko Kovac meint: „Es geht nur noch um Nebensächlichkeiten, nur noch um Sensationen.“ Ich meine: Da macht es sich der Bayern-Trainer zu einfach. In einer Welt, in der sich die Spieler selbst vermarkten wie nie zuvor, zählt eben auch, was abseits des Rasens passiert. Wenn Jerome Boateng am Abend nach dem Topspiel gegen Dortmund eine Party ansetzt und dafür mächtig die Werbetrommel rührt, dann darf sich der Weltmeister auch nicht beschweren, wenn das Fingerspitzengefühl bei der Terminierung zumindest angezweifelt wird.

Begannen die Klubs einst damit, Trikots anzubieten und das Gesamtkonstrukt als Marke zu verkaufen, haben heute längst die Topstars der Branche das Zepter übernommen. Ob Cristiano Ronaldo jetzt in Madrid oder in Turin kickt, ändert nichts am Hype um den Portugiesen. Für viele junge Fans ist längst wichtiger, welche Schuhe CR7 trägt und was er abends isst. Die sportliche Leistung rückt da bisweilen in den Hintergrund. Ein Problem, das der Zirkus Profifußball selbst immer weiter befeuert.

Soziale Medien sind ein Thema, da lassen sich – gerade im Boulevard-Journalismus – nette Geschichten auftun und manchmal sogar Skandale wie Lisa Müllers Kovac-Kritik. Im Gegensatz zu Paparazzi-Fotos bestimmen die Fußballstars bei Instagram & Co. höchstselbst, was an die Öffentlichkeit gelangt oder nicht.

Und wie heißt es so schön? Fußball ist die schöne Nebensache der Welt – auch wegen der Nebensächlichkeiten.

Jonas Austermann

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