FCB-Vorstandschef über Kahn und Flick

Rummenigge verrät im großen Interview: Heynckes rief an - es ging um Hansi Flick

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Karl-Heinz Rummenigge im großen tz-Interview

Im großen tz- und Merkur-Interview verrät Karl-Heinz Rummenigge, was Jupp Heynckes von Hansi Flick hält. Der Bayern-Boss sprach auch über seinen Nachfolger Oliver Kahn.

  • Im Interview mit tz* und Münchner Merkur* sprach Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge über seinen Nachfolger Oliver Kahn.
  • Rummenigge spricht darüber, wie der Ex-Bayern-Torwart beim Odriozola-Transfer beteiligt war.
  • Auch Trainer Hansi Flick bekommt Lob von Rummenigge - und er spricht über seine Titelträume.

München - Sein Nachfolger steht mit Oliver Kahn schon parat, doch Karl-Heinz Rummenigge hat in seinen letzten zwei Jahren beim FC Bayern* noch jede Menge vor. Über eine Stunde nahm sich der Münchner Vorstandschef in dieser Woche für die tz und den Münchner Merkur* Zeit. Im Interview spricht der 64-Jährige über seinen großen Traum vom erneuten Champions-League-Sieg, seinen Nachfolger Kahn und Bayern-Coach* Hansi Flick. Außerdem macht Rummenigge deutlich, dass er der Mannschaft in diesem Jahr alles zutraut.

Herr Rummenigge, im April kommt der nächste James-Bond-Film ins Kino, Sie haben sich als Fan geoutet. Woher kommt die Leidenschaft?

Rummenigge: Als Mann ist man ja dieser Art von Filmen zugetan, – schon als junger Bursche (schmunzelt). Ich kenne alle Filme. Daniel Craig interpretiert das etwas anders als seine Vorgänger, aber ich finde es gut. Da ist wirklich was los in den Filmen.

In „Keine Zeit zu sterben“ wird er wohl das letzte Mal als 007 auf der Leinwand zu sehen sein. Eine Art Abschiedstournee, eine Ära neigt sich dem Ende. Ähnlich wie bei Ihnen.

Rummenigge: Der hört doch ein bisschen früher auf mit seinem Job (lacht). Ich habe noch zwei Jahre!

Geht man in sein vorletztes Jahr als Vorstandschef des FC Bayern anders als in die 18 Jahre davor?

Rummenigge: Wenn ich ehrlich bin, nein. Wir hatten jetzt ja noch Transfermarkt-Gespräche die vergangenen Wochen. Daran hat auch Oliver Kahn als neues Mitglied des Vorstandes teilgenommen. In meinen Augen ist er eine Bereicherung. Im Moment läuft alles sehr zufriedenstellend.

FC Bayern: Rummenigge erinnert sich an den CL-Sieg - „keiner hat groß geredet“

Sie würden als Vorstandsboss gerne noch einmal die Champions League gewinnen. Ist der Titeldruck besonders groß?

Rummenigge: Klar, in meiner zweiten Karriere – wenn ich das so bezeichnen darf – war das der schönste, weil auch wertvollste Titel. Ich kann mich noch an das Finale 2013 erinnern, das mit unglaublich großen Druck für den ganzen Verein verbunden war, weil wir im Vorjahr gegen den BVB sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal klar verloren hatten. Das hat uns allen natürlich missfallen. Als ich mit Uli Hoeneß zum Spiel gefahren bin, hat keiner groß geredet, alle waren auf das Spiel fokussiert und auch ein bisschen nervös. Klar würde ich das gerne noch mal erleben…

Aber?

Rummenigge: Was wir nicht machen werden ist, dass wir den Transfermarkt auf ein einzelnes oder dieses Ziel ausrichten. Es gibt genug europäische Teams, die viel Geld in ihre Kader gesteckt haben. Aber: Um die Königsklasse zu gewinnen, muss alles passen! Du musst eine Top-Mannschaft und einen Top-Spirit haben. Du musst das notwendige Glück haben, dass die Mannschaft am Spieltag in Höchstform ist, keine Verletzten und du musst auch einen guten Schiedsrichter haben. Als Jupp Heynckes 2013 unser Trainer war, hat das alles perfekt funktioniert.

Bayern-Jubel bei der Partei gegen Hertha BSC

Kann man einen derartigen Coup der aktuellen Mannschaft zutrauen?

Rummenigge: Wir haben eine gute Mannschaft, die unser volles Vertrauen hat und wir haben einen Top-Spirit in der Mannschaft, das macht Hansi Flick wirklich hervorragend. Wenn man sieht, wie sich die Spieler nach dem 1:0 in Berlin freuen oder als Joshua Zirkzee mit seinen zwei Toren noch Last-Minute-Punkte geholt hat – da spürt man, dass der Charakter und der Wille der Mannschaft sehr gut sind. Ich muss offen und ehrlich sagen: Ich bin optimistisch für die Rückrunde.

Kalle Rummenigge über Oliver Kahn: „Die menschliche Entwicklung finde ich wohltuend“

Ein Champions-League-Sieg zum Einstand wäre sicher auch im Sinne Ihres Nachfolgers Oliver Kahn. Wie erleben Sie ihn in seinen ersten Amtstagen?

Rummenigge: Ich habe ihn ja noch als Spieler kennengelernt, da war er enorm emotional (schmunzelt). Die menschliche Entwicklung bei ihm finde ich nicht nur bemerkenswert, sondern auch wohltuend. Wir hatten nun auch schon viele Termine gemeinsam. Es ist eine neue Sichtweise, die er mit einbringt, und die finde ich gut. Er wird am Ende des Tages einen Mehrwert für den FC Bayern darstellen, ohne Frage.

Sie sprachen von einem On-Boarding-Prozess, wie muss man sich das vorstellen?

Rummenigge: Er arbeitet sich intensiv ein und ist beispielsweise auch jeden Montag bei den Vorstandssitzungen dabei. Er hat ohne Frage ein großes Fußball-Wissen, aber hier geht es ja auch um Finanzen, Sponsoring, Merchandising und vieles mehr. Der FC Bayern ist mittlerweile ein sehr gesunder Mittelständler mit 750 Millionen Euro Umsatz und über 1000 Mitarbeitern.

Muss Kahn jetzt mehr lernen als Sie damals in Ihrer Anfangszeit?

Rummenigge: Es hat sich viel verändert seitdem. Als ich 1991 kam, hatte ich das große Glück – damals waren wir ja noch ein e.V. und ich war Vize-Präsident –, dass ich zehn Jahre Zeit hatte, um mich und meine Rolle im Windschatten von Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer zu entwickeln. Ich habe mich dann neben unserem Kerngeschäft Fußball sehr stark mit den internationalen Themen befasst und habe mir hierbei ein großes Netzwerk aufgebaut, das mir auch heute noch sehr von Nutzen ist. Es war einfacher, die Geschwindigkeit im Fußball war nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes geringer. Für Oli geht das jetzt alles schneller.

War Oliver Kahn auch schon bei den Verhandlungen mit Álvaro Odriozola involviert?

Rummenigge: Natürlich, da war er dabei und hat auch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Er hat sich den Spieler – das ist heutzutage durch die digitale Welt ja möglich – angeschaut und sich mit ihm detailliert auseinandergesetzt. Oli war absolut dafür, dass wir den Spieler verpflichten. Wir wollten dem Trainer damit in der Defensive eine Option mehr geben.

Eine Option mehr heißt, dass der Winter-Transfermarkt für den Verein beendet ist?

FC Bayern: Rummenigge ist „froh, wenn der Transfermarkt wieder schließt“

Rummenigge: (schaut auf seine Uhr) Wir halten uns noch alles offen, wir haben ja noch eine Woche. Wenn ich ehrlich bin, bin ich immer froh, wenn der Transfermarkt wieder schließt. Er wird ja immer mit einer gewissen Hektik begleitet. Aber wir sind gut beraten, wenn wir in der Zukunft ein Stück weit mehr Nachhaltigkeit in den Transfermarkt reinbringen.

Inwiefern?

Rummenigge: Nachhaltigkeit ist aktuell ja ein großes Thema in unserer Welt und gerade am Transfermarkt darf man sich nicht davon leiten lassen, wen jetzt Borussia Dortmund oder RB Leipzig geholt hat. Wir müssen eine Kaderplanung machen, die exklusiv die FC-Bayern-Philosophie widerspiegelt. Diese darf nicht nur sechs oder zwölf Monate Bestand haben, sondern muss auf Kontinuität angelegt sein. Wir haben ganz andere Voraussetzungen beim FC Bayern als unsere europäische Konkurrenz. Wir haben keinen Amerikaner, Russen oder Araber, der uns am Ende des Jahres unsere Rechnung bezahlt. Wir müssen unser Geld selber verdienen, damit wir in die Qualität unseres Kaders kontinuierlich investieren können.

Karl-Heinz Rummenigge im Gespräch mit Hanna Raif und Manuel Bonke

Die Kaderplanung von Winter bis Sommer 2020* hatte Hansi Flick ja mit seinen öffentlichen Forderungen nach Neuzugängen ins Rollen gebracht.

Rummenigge: Wir hatten ja vor Weihnachten noch ein Gespräch und es war damals schon klar, dass einige Spieler, vor allem in der Abwehr, leider länger ausfallen. Damit war klar, dass wir vor allem in der Defensive schon ziemlich dünn aufgestellt sind. Die Entscheidung, Alvaro auszuleihen, ist aus der gemeinschaftlichen Diskussion heraus entstanden, die wir nach dem Trainingslager in Doha geführt haben.

Rummenigge über Flick: „Das ‚Mindestens‘ haben wir nicht umsonst eingebaut“

Sie haben sich klar zu Hansi Flick bekannt und in die Pressemitteilung – sicher bewusst – das kleine Wörtchen „mindestens“ eingebaut.

Rummenigge: Das haben wir nicht umsonst eingebaut. Ich finde, er hat einen guten Matchplan und einen neuen Speed ins Training gebracht. Er macht, was Empathie und die Medienarbeit betrifft, alles gut. Jupp Heynckes hat sich kürzlich bei mir gemeldet und über Hansi Flick gesagt: „Er ist ein guter Repräsentant des FC Bayern!“ Und das stimmt! Ich pflege mit ihm einen intensiven Austausch und wir verstehen uns zwischenmenschlich auch gut.“ Auch Thomas Müller lobt die menschlichen Qualitäten von Hansi Flick.

Manchmal liegt das Gute doch so nahe…

Rummenigge: Das war bei ihm nicht unbedingt vorauszusehen. Er war lange Jahre vorher die Nummer zwei unter Joachim Löw und hat beim DFB und in Hoffenheim in anderer Position gearbeitet. Manchmal ist es eben so, dass es eine glückliche Fügung des Schicksals ist, wenn einer ins kalte Wasser springen muss – und das musste Hansi nach der Trennung von Niko Kovac in München. Er hat das dann gut gemacht und die Chance am Schopfe ergriffen. Neben den Ergebnissen war uns die Spielweise wichtig und ich glaube, das geht auch den Fans so. Beim 4:0-Sieg gegen Dortmund haben es die Fans am meisten genossen, dass die Mannschaft mit ihrem Offensivgeist wieder einen Guardiola/Heynckes-Stil an den Tag gelegt hatte.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mehr zum Transfermarkt im Video: FCB-Stars wollen wohl Costa zurück

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