Boateng-Ausfall gefährdet Triple-Traum

Kommentar: Der FC Bayern begeht einen Riesenfehler

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Ohne einen Ersatz für Jerome Boateng wird der FC Bayern die Champions League nicht gewinnen.

München - Mit seiner Entscheidung, keinen kurzfristigen Ersatz für den verletzten Jerome Boateng zu holen, geht der FC Bayern volles Risiko. Der Triple-Traum ist in höchster Gefahr - ein Kommentar.

Die Verletzung von Jerome Boateng trifft den FC Bayern ins Mark. Der Ausfall seines Abwehrchefs bringt die Saisonziele des Rekordmeisters in große Gefahr. Umso erstaunlicher mutet die Entscheidung der Klubspitze an, keinen kurzfristigen Ersatz zu verpflichten. Der große Traum vom Triple gerät durch dieses Verhalten in höchste Gefahr, die Vereinsspitze handelt fahrlässig.

Es gibt nur wenige Spieler im Bayern-Kader, die unersetzlich sind. Jerome Boateng ist einer von ihnen. Der Weltmeister ist nicht nur exzellenter Zweikämpfer und Garant für die Stabilität der Defensive. Mit seinen langen, öffnenden Diagonalpässen ist er gewissermaßen auch der erste Spielmacher.

Kann der FC Bayern auch ohne Boateng das Triple gewinnen? Nein! Für die Meisterschaft und auch den DFB-Pokal wird es reichen, für den Triumph in der Champions League nicht. Dazu sind die Alternativen Badstuber, Martinez und Benatia zu verletzungsanfällig und zu wenig konstant in ihren Leistungen. Auf höchster internationaler Vereinsebene reicht das nicht. David Alaba, der auch in der Innenverteidigung aushelfen könnte, wird vermutlich auf anderen Positionen gebraucht. Selbst Kapitän Philipp Lahm hegt Zweifel an der Belastbarkeit der "Ersatz-Abwehr". "

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vertraut dennoch auf die vorhandenen Kräfte und begründet die Entscheidung mit dem fehlenden Angebot in der Wintertransferperiode. Zudem sei Boatengs Verletzung ohnehin nicht so schlimm wie ursprünglich angenommen, ein Comeback im letzten Saisondrittel liege im Bereich des Möglichen.

Doch diese Einschätzung der Lage verkennt zwei Tatsachen: Erstens wäre es IMMER schwierig, Boateng eins zu eins zu ersetzen. Der 27-Jährige gehört zu den drei besten Innenverteidigern der Welt. Ein kurzfristiger Wintereinkauf wäre daher nur bedingt Boatengs Stellvertreter, sondern müsste einspringen, wenn sich Badstuber, Benatia oder Martinez erneut verletzen.

Zweitens könnte es, falls Rummenigge mit dem Comeback-Zeitpunkt Recht behält, Mitte April schon zu spät sein. Mit Juventus Turin wartet bereits im CL-Achtelfinale Mitte Februar ein dicker Brocken, im CL-Viertelfinale Anfang April wird es vermutlich nicht einfacher.

Spätestens am 24. Januar, dem Tag nach dem HSV-Spiel, war klar, dass Boateng lang ausfallen würde. Eine gute Woche Zeit wäre den Bayern-Bossen also noch geblieben, um auf dem Transfermarkt zu reagieren.

Warum fragten sie nicht bei Schalkes Joel Matip an, den man bei entsprechendem Gebot vermutlich problemlos für ein halbes Jahr hätte holen und danach, bei Nicht-Gefallen, weiterveräußern können?

Warum haben sie nicht bei Nemanja Vidic vorgefühlt, dem zwar etwas in die Jahre gekommenen, aber immerhin sehr erfahrenen Serben, der nach seiner Vertragsauflösung bei Inter Mailand aktuell und günstig für ein halbes Jahr zu haben wäre?

Warum klopften Rummenigge, Sammer und Co. nicht bei Athletic Bilbao an, um den hochveranlagten Aymeric Laporte nach München zu lotsen - ein über jeden Zweifel erhabenes Defensivtalent mit großer Perspektive?

Mit dem Verzicht auf einen Boateng-Ersatz geht die Vereinsführung ein großes Risiko ein. "Wir verfallen nicht in Hysterie", hatte Rummenigge gesagt. Doch mit Schockstarre und Passivität wird es sicher nichts mit dem Gewinn der Champions League.

Denis Huber

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