Kugelblitz kritisiert Rekordmeister

Ailton teilt gegen die Bayern aus - und schimpft auch noch über die Bundesliga: „Voll mit Angsthasen“

Gute-Laune-Bär Ailton bei seinem Abschiedsspiel im Bremer Weserstadion (2014).
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Gute-Laune-Bär Ailton bei seinem Abschiedsspiel im Bremer Weserstadion (2014).

Ex-Bundesliga-Star Aílton spielte einst bei UANL Tigres - dem Final-Gegner der Bayern in der Klub-WM. Im Interview äußerte er sich auch über die Bundesliga.

Doha/München - Wer die Tiger nicht kennt, erkundigt sich einfach bei Aílton. Ja richtig, dem Bremer Kugelblitz. Vor seinen goldenen Jahren bei Werder samt Double 2004 kickte der heute 47-jährige Brasilianer nämlich bei UANL Tigres. Im tz-Interview spricht Aílton über starke Mexikaner, nicht mehr ganz so starke Bayern und seine schwindende Lust an der Bundesliga.

Ailton über Rückkehr nach Deutschland, FC Bayern und das Finale der Klub-WM

Aílton, man hört, Sie seien wieder in Deutschland.
Ailton: So ist es, ich bin mit der Familie zurück nach Bremen gezogen. Davor haben wir in Dallas gelebt, was mit Blick auf meine Tätigkeiten in Deutschland aber natürlich suboptimal war.
Ist auch eine Tätigkeit bei Werder geplant?
Ailton: Möglich, ja. Wir hatten gute Gespräche geführt, die Pandemie hat aber alles auf Eis gelegt. Mal sehen, was passiert, wenn das hier vorbei ist. Vielleicht findet sich ja ein Job, bei dem ich Werder helfen kann. Der Klub liegt mir nach wie vor sehr am Herzen.
Was die wenigsten wissen: Bevor Sie 1998 zu Werder sind, haben Sie für UANL Tigres gespielt, Bayerns Finalgegner bei der Klub-WM.
Ailton: Das stimmt, dabei kannte ich Tigres davor nicht einmal.
So?
Ailton: Wissen Sie, der mexikanische Fußball ist nicht sonderlich attraktiv in Südamerika. Die Leute verfolgen die Ligen in Brasilien, Argentinien oder Uruguay. Läuft die aus Mexiko, wird meistens umgeschaltet. Dabei hatte ich eine tolle Zeit bei Tigres, auch, weil ich mit Respekt behandelt wurde. In Brasilien werden die Fans nach einem schwachen Spiel direkt handgreiflich, das läuft in Mexiko anders ab.
Es lief so gut, dass Tigres zu Ihrem Sprungbrett nach Europa wurde.
Ailton: Werder war davor schon an mir dran gewesen, das Angebot von Tigres für meinen Klub damals nur wesentlich lukrativer als das aus Bremen. Sie wissen, wie das in Brasilien abläuft. Werder hat mich darauf nicht aus den Augen verloren, ich habe mich aber sehr wohlgefühlt in Mexiko und hatte eigentlich keine Lust auf einen Wechsel. Zumal Werder jetzt auch nicht die bekannteste Adresse war. Mein Berater meinte allerdings: Aílton, das ist Europa! Also habe ich es doch gemacht.

FC Bayern gegen UANL Tigres: Coacht „Felix Magath“ Mexikaner zum Sieg?

Muss Bayern aufpassen?
Ailton: Bayern ist eine ganz andere Hausnummer. Tigres hat gute Spieler, der Franzose im Sturm (Gignac, d. Red.) schießt Tore ohne Ende. Auch ihr Trainer, Ricardo Ferretti, ist ein alter Fuchs. Er erinnert mich von seiner Art her ein wenig an Felix Magath – ein harter Hund mit Erfahrung. Wenn Bayern mit Lust an die Sache herangeht, ist Tigres chancenlos. Sollten sie jedoch auf den schönen Klang ihres Vereinsnamens vertrauen, könnte es eng werden.
Wo liegen die Stärken der Tiger?
Ailton: Was mich am meisten beeindruckt, ist ihre Ruhe und Disziplin. Nehmen Sie das Halbfinale gegen Palmeiras: Ihnen war egal, dass sie gegen den Libertadores-Sieger der klare Underdog waren – sie haben die Rolle angenommen, ihr Spiel gemacht und gewonnen. Tigres wird gegen Bayern defensiv auftreten, auf Konter über ihre schnellen Flügel setzen. Und gegen diese Bayern kann das auch klappen. (hier geht‘s zum Live-Ticker).
Diese Bayern?
Ailton: Klar. Das sind doch nicht mehr die Bayern von 2020. Ich bemerke eine latente Zufriedenheit. Es fehlt der Biss, mit dem sie letztes Jahr alles kurz und klein gespielt haben. Die Qualität ist immer noch da, aber schauen Sie doch mal, was neulich im Pokal gegen Kiel passiert ist. Das wäre den Bayern aus dem Vorjahr nie passiert.
Die Abwehr…
Ailton: …braucht unbedingt neue Spieler! Mit dieser Abwehr schaffst du es nicht noch einmal ins Finale der Champions League. Aber es geht nicht allein um die Defensive. Außer bei Lewandowski ist beim Rest die Gier abhandengekommen. Das haben ihre Spiele in der Bundesliga gezeigt.

FC Bayern und Co. noch im Fokus von Ailton? „Bundesliga ist voll mit Angsthasen“

Sie verfolgen also noch die Bundesliga?
Ailton: Es bereitet mir nicht den größten Spaß, aber ja.
So?
Ailton: Die Mannschaften sind schlecht und in technischer Hinsicht ist die Liga sowieso eine Katastrophe. Es gibt keine Mannschaften mehr wie unser Werder damals, das keine Angst hatte und immer auf Sieg gespielt hat. Das Niveau ist wirklich stark gesunken. Teams wie Schalke, Mainz, Augsburg, Köln, Bielefeld – da fehlt es doch an jeder Grundqualität. Bei Werder läuft es zwar jetzt etwas besser, aber auch da reicht es doch nicht für mehr. Werder braucht einen Aílton, einen Micoud oder einen Klasnic. Typen, die nie Angst haben und immer auf Angriff, auf Sieg spielen. Gegen die Bayern in ihrer aktuellen Form hätte man heuer doch eine Chance gehabt. Oder etwa nicht? Aber wo ist denn jetzt Borussia Dortmund? Oder Bayer Leverkusen? Richtig: nicht da! Wie in jedem Jahr. Die Bundesliga ist voll mit Angsthasen, und das schadet ihr ungemein. Es ist ein Jammer.

Unterdessen reist Jerome Boateng aus privaten Gründen aus Doha ab, um nach Deutschland zu kommen. Hansi Flick sprach darüber auf der PK - und das anstehende Duell gegen die Tigres de Monterrey.

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