Stürmer stellt Forderungen

Kommentar: Lewandowski, die polnische Ich-AG

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Redakteurin Hanna Raif.

Robert Lewandowski fordert neue Stars für den FC Bayern. Man kann nett sein und sagen: Da traut sich jemand, seine Meinung zu sagen. Doch der Pole spricht aber nicht im Sinne des Gemeinwohls, sondern als Egoist, kommentiert Hanna Raif. 

München - Das beste Beispiel für das Selbstverständnis von Robert Lewandowski wurde an diesem Bundesliga-Wochenende leider nicht demonstriert. Was in Hoffenheim zu sehen war: Der Pole, wie er schimpft, wie er nach Flanken der Mitspieler die Augen verdreht, wie er wortlos in den Bus flüchtet. Nur das berühmte „X“ mit seinen Armen formte der Torjäger des FC Bayern nicht. Der logische Schluss: Kein Lewandowski-Treffer, kein Bayern-Sieg – eine simple Formel?

Seit Monaten fragt man sich ja, was dieses Kreuz mit den Armen soll. Der Torjubel ist in der Fußballbranche freilich eine Wissenschaft für sich, es gibt ihn in sympathisch (Luca Tonis Ohrenschrauber), bescheuert (Medhi Benatias Maschinengewehr) und zahlreichen anderen Ausführungen. Selten aber hat man einen Fall gesehen, in dem sich ein Stürmer nach über 100 geschossenen Bundesliga-Toren überlegt, dass er jetzt mal ein Alleinstellungsmerkmal braucht.

Lewandowski will eine Marke werden

Diese Metamorphose zur Ich-AG fand bei Lewandowski Anfang des Jahres statt. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als er bemerkte, dass die amtierenden Weltfußballer-Kandidaten Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar ihm etwas voraus haben. Seitdem will er vor allem eins: Eine Marke werden. Das zeigte sein Klagen über mangelnde Unterstützung, als er die Torjägerkanone verpasste. Und nun das Interview, das er ganz bewusst vor dem Champions League-Start im „Spiegel“ gab.

Markenzeichen? Lewandowskis Torjubel soll ein Alleinstellungsmerkmal sein.

Lewandowski hat also ein paar Forderungen an die Bayern-Bosse: Sie sollen bitte mal „kreativ sein“, um „Weltklassespieler nach München zu lotsen“. Und sie sollen auch mal so in die Tasche greifen, dass sie nicht „Durchschnitt“, sondern „Spitzenwert“ sind. Heißt übersetzt: Sie mögen ihm gefälligst eine Mannschaft zur Seite stellen, die Erfolg garantiert.

Man kann nett sein und sagen: Da traut sich jemand, seine Meinung zu sagen. Anders als etwa Philipp Lahm, der 2010 ähnlich deutliche Worte in der „SZ“ fand, spricht Lewandowski aber nicht im Sinne des Gemeinwohls, sondern als Egoist. Mit seinen Aussagen hat er vorgebaut, um im Falle eines Scheiterns in der Königsklasse sagen zu können: „Habe ich Euch doch gesagt.“ Er hat umgekehrt aber auch in der Chefetage das Bewusstsein geweckt, dass man mit diesem Lewandowski nicht ewig planen kann. „Loyalität“ und „Emotionen“ sind im Fußball Firlefanz, ließ er sinngemäß noch verlauten. Da scheint einer zu wissen, dass ein cooler Torjubel in Barcelona, Madrid oder Paris bestimmt auch gut ankommt.

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