Der Mann für die Basis kehrt zurück

Kommentar zu Hoeneß: Nie mehr moralische Instanz

München - Die Nachricht hat keinen mehr überrascht: Uli Hoeneß wird wieder als Präsident des FC Bayern kandidieren. Darf ein verurteilter Steuersünder das? Rund um den Verein lautet die Antwort auf diese Frage: Selbstverständlich! Ein Kommentar von Andreas Werner.

Andreas Werner.

In der freien Wirtschaft wäre so eine Rückkehr vermutlich wesentlich schwerer vertretbar, aber ein Fußballverein darf sich an der Stimmung an der Basis orientieren. Hoeneß ist schon immer ein Mann des Volkes gewesen. Und wenn die Klubanhänger jubeln, werden die Mitglieder im Aufsichtsrat, obwohl sie DAX-Konzernen vorstehen, nicht den Daumen senken. Zumal man gerne auf den Popularitäts-Zug aufspringt, wie adidas-Chef Herbert Hainer am Montag umgehend deutlich machte: Er freue sich, ließ er wissen. Man sehne sich nach Uli Hoeneß.

Nicht alle in der Republik werden das so sehen, und eines ist auch klar: Als moralische Instanz wird sich Hoeneß abseits des Fußballs nie mehr inszenieren können. Doch für den 64-Jährigen ist ohnehin genug zu tun. Der FC Bayern hat sich in seiner Abwesenheit von der Basis entfernt, die Fans erhoffen sich nun eine Kurskorrektur. Das ist eine Aufgabe, an der er sich messen lassen muss.

Hoeneß hätte die Auszeit auch zum Abschied umdeuten können. Der FC Bayern war sein Vermächtnis. In seinen Augen ist dieses Vermächtnis aber nicht gesichert. Für ihn lautete die Frage nicht, ob er zurückkommen darf. Sondern, ob er muss. Antwort: Selbstverständlich.

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