In Budapest geht es um den vierten Titel

Kommentar zur historischen Bayern-Chance: Das Sextuple ist ein Ansporn

Der FC Bayern greift zum zweiten Mal in seiner Klubgeschichte nach dem Sextuple. 2013 misslang der ganz große Wurf. Umso größer dürfte nun der Anreiz sein. Ein Kommentar von Sportredakteurin Hanna Raif.

München - Die Ecke im Vereinsmuseum des FC Bayern ist längst neu besetzt. Keine drei Wochen hat es nach dem Champions-League-Sieg gedauert, bis das „Quintuple“ aus dem Jahr 2013 eine Nische weitergezogen ist - und Platz gemacht hat für das Triple 2020. Bestens poliert stehen sie da, die drei Trophäen aus dem Corona-Jahr, und auffällig ist auch: Links und rechts der Vitrinen ist noch gut Luft. Rein theoretisch sind ja noch drei weitere Titel zu vergeben. Der erste: An diesem Donnerstagabend, beim Supercup in Budapest (ab 21 Uhr bei uns im Live-Ticker).

Im Vorfeld dieser Partie wurde viel geredet, seit Tagen. Ums Sportliche jedoch ist es bis Mittwoch kaum gegangen. Der Irrsinn, den sich die UEFA mit ihrem „Experiment“ im Hochrisiko-Gebiet ausgedacht hat, war doch öffentlichkeitswirksamer als die Formkurve des FC Sevilla (noch kein Pflichtspiel in dieser Saison), der Fuß von Robert Lewandowski (auf dem Weg der Besserung) und die Formation der Bayern-Abwehr (David Alaba wieder dabei). Auch rund um den Anpfiff wird sich der Blick auf die Tribünen richten, auf die Zuschauer, die Organisation und Umsetzung der UEFA. 90 oder 120 Minuten lang sollte es aber dann um das gehen, was dieses Duell unter normalen Umständen eigentlich ist: Der Gipfel zweier Mannschaften, die zu den besten Europas gehören.

Für den FC Bayern nur eine Durchgangsstation? Der Triple-Sieger kann nach dem Supercup noch zwei weitere Titel einheimsen.

FC Bayern vor Supercup: 2013 fehlte ein Titel zum Sextuple

Die Bayern haben diesen Wettbewerb bisher genau ein Mal gewonnen, 2013 in Prag. Damals aber, als das Fußball-Jahr normal getaktet und nicht wie heuer durcheinandergewirbelt war, wussten sie schon vorher, dass die totale Dominanz bereits durchbrochen ist. Den nationalen Supercup hatte die Mannschaft von Neu-Trainer Pep Guardiola einen Monat vorher verloren, 2:4, ausgerechnet gegen Dortmund. Am Ende waren es nach dem Gewinn der Klub-WM im Dezember 2013 fünf Titel - und damit für die eigenen Ansprüche: einer zu wenig.

Kritiker sagen ja gerne, alles, was nach einem Triple kommt, sei ausschließlich für den Briefkopf. Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Freilich sind all die Titel-Gelegenheiten, die die drei wichtigsten Triumphe einer Saison nach sich ziehen, im Vergleich zweitrangig. Aber sie können zum einen temporär Euphorie freisetzen - im Laufe dieser Mammut-Saison gar nicht so unwichtig. Und zum anderen die Mannschaft von Hansi Flick noch einmal von jener von 2013 abheben. Wie gesagt: Im Vereinsmuseum steht (nun etwas versteckt) schon ein „Qintuple“. Ein „Sextuple“ aber gab es noch nie.

Hanna Raif, Sportredakteurin.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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