Klare Ziele

Leon Goretzka im Interview: „Ich will Verantwortung übernehmen“

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Er kann auch robust: Leon Goretzka (li.) räumt im Testspiel den Mailänder Fabio Borini ab.

Leon Goretzka geht mit klaren Zielen in seine zweite Saison beim FC Bayern. Welche das sind, hat der Mittelfeldspieler im Gespräch mit unserer Zeitung verraten.

Leon Goretzka, Sie sind das erste Mal mit dem FC Bayern in den USA unterwegs. Wie sind Ihre Eindrücke?

Ich war vorher schon einmal privat in Amerika, aber jetzt bin ich zum ersten Mal mit meinem Verein hier. Es ist alles sehr groß und aufregend. Durch die Sponsorentermine habe ich abseits des Trainingsplatzes viel zu sehen bekommen, da waren einige sehr coole Dinge dabei. In sportlicher Hinsicht sind vor allem die Testspiele super, weil die Gegner sehr gut sind.

Sie haben fast eine normale Sommerpause hinter sich, ganz ohne Turnier. Wie fit fühlen Sie sich?

Ich fühle mich sehr gut, bin schon fit aus dem Urlaub wieder gekommen. Ich bin bereit für die neue Saison. Der Urlaub in diesem Jahr war für meine Verhältnisse wirklich ziemlich lang. In den letzten Jahren sind aufgrund von den Turnieren mit der Nationalmannschaft weniger Wochen für die Pause geblieben. Ich habe in diesem Sommer gut herunterfahren können, ohne natürlich den Fußball und die persönliche Vorbereitung komplett aus den Augen zu verlieren. Ich wollte ja nicht bei Null anfangen, wenn die Vorbereitung losgeht.

Sie waren schon im ersten Bayern-Jahr oft im Einsatz. Was sind die Ziele für die zweite Saison?

Ich möchte den nächsten Schritt machen. Ich habe mich in weiten Teilen der letzten Saison zu den Stammspielern zählen dürfen, daran möchte ich natürlich anknüpfen. Ich will Tore schießen, der Mannschaft helfen und Spiele gewinnen. Was mir in der letzten Saison entgangen ist, ist auch in den großen Spielen da zu sein. Ich hatte immer wieder kleinere gesundheitliche Probleme. Ich möchte jetzt natürlich auch zu den großen Spielen, wie zum Beispiel gegen den FC Liverpool, fit sein und auf dem Platz stehen. Da hoffe ich auch auf ein bisschen mehr Glück.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Sie frühere Probleme gut in den Griff bekommen haben – u.a. mit einer Umstellung der Ernährung.

Ja, ich denke auch, dass es ziemlich gut geworden ist – vor allem, wenn ich mir anschaue, wie gut ich das letzte Jahr überstanden habe. Da waren nur wenige Verletzungen dabei, aber eben immer genau zu den falschen Momenten.

Gibt es denn den richtigen Moment für eine Pause?

Es gibt zumindest richtigere Momente als die, die ich erwischt habe. Gegen Liverpool wäre ich sehr gerne dabei gewesen.

Nach den Abgängen von fünf erfahrenen Spielern sind jetzt die Jüngeren an der Reihe mehr Verantwortung zu übernehmen. Sind Sie bereit dafür?

Dafür, dass die letzte Saison meine erste beim FC Bayern war, habe ich schon viel Verantwortung auf dem Platz übernommen. Ich versuche das, weil es zu meinem Spiel einfach dazu gehört. Auf der Position in der Mitte trage ich von Natur aus eine gewisse Verantwortung. Ich kann von dort aus viele Mannschaftsteile erreichen und coachen. Grundsätzlich wird von jedem Spieler beim FC Bayern erwartet, dass er Verantwortung übernimmt. Auch für mich ist das ein Punkt, den ich verbessern möchte.

Im Rückblick: Wie groß war der Schritt von Schalke 04 zum FC Bayern?

Bayern München ist natürlich noch mal etwas ganz anderes als Schalke 04. Das ist auch ein Grund, warum ich hierher gewechselt bin. Ich will schon im Training vom Niveau und den Leistungen der Teamkollegen profitieren. Hier in München ist es so, dass ich alle drei Tage abliefern muss und ein hoher Druck herrscht, jedes Spiel zu gewinnen. Ich habe für mich herausgefunden, dass das eine Umgebung ist, in der ich mich gut weiterentwickeln kann. Und das sind auch die Bedingungen, um den nächsten Schritt zu gehen.

Im Mittelfeldzentrum ist Ihr Team gut besetzt. Mit Corentin Tolisso kommt ein Langzeitverletzter zurück. Freuen Sie sich für Ihren Konkurrenten?

Es wäre schlimm, wenn ich mich nicht darüber freuen würde. Coco ist ein sehr guter Spieler, der sehr wichtig für uns ist. Wir werden natürlich sehen müssen, wie weit er nach seiner langen Verletzung schon wieder ist. Wir dürfen am Anfang nicht zu viel von ihm erwarten, auch wenn er die gesamte Vorbereitung nutzen wird, um topfit zu sein.

Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft 2020 an. Haben Sie die schon im Hinterkopf?

Ich gehe nicht mit der Zielsetzung in die Bayern-Saison, im Kader der deutschen Nationalmannschaft für die Europameisterschaft zu landen. Ich habe meine eigenen Ziele mit dem Verein – und die DFB-Auswahl kommt von ganz alleine, wenn ich diese Ziele erreiche. Sobald die Saison beendet ist und alle Aufgaben mit dem FC Bayern abgehakt sind, kann ich darüber sprechen, wie ich mich auf die EM vorbereite. Klar ist: Wenn ich eine starke Saison im Verein spiele, hilft das natürlich, um auch in der Nationalmannschaft abzuliefern.

Ihr ehemaliger Mitspieler Julian Draxler hat Borussia Dortmund für die Neuzugänge gelobt. Gleichzeitig hofft er als Ex-Schalker darauf das jemand den BVB aufhält. Da sind Sie gefragt.

Die Dortmunder haben mit Blick auf die Bundesliga sehr gute Transfers getätigt und viel Geld in die Hand genommen. Trotzdem wird man erst mal sehen müssen, inwiefern die Neuerungen dort greifen. Bei uns wird mit Sicherheit auch noch etwas passieren in Sachen Neuzugänge. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft auf den Platz bringen, wenn die Saison angefangen hat. Ich möchte grundsätzlich natürlich alle Wünsche von Jule erfüllen. Ich möchte, dass er glücklich ist (lacht).

Interview: Jonas Austermann

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