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Schlechtester FC Bayern seit Jahren: Das hohe Risiko im Sommer wird jetzt bestraft

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Von: Florian Schimak

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Der FC Bayern hat seine erste Saisonniederlage erlitten. Der Auftritt beim FC Augsburg macht deutlich, wo es beim Rekordmeister klemmt.

München - Zu Saisonbeginn war beim FC Bayern noch die absolute Honeymoon-Zeit. Das Wetter war schön, die Siege wurden eingefahren, die Top-Stars glänzten. Die größte Sorge an der Säbener Straße war: Wo soll Trainer Julian Nagelsmann die ganze Qualität denn bitte unterbringen?

Inzwischen ist es Herbst. Die Temperaturen sind merklich kühler – und die Stimmung bei den Bayern nach der 0:1-Blamage beim FC Augsburg am 7. Spieltag in der Bundesliga ganz im Keller. Läuft es in der Champions League mit zwei Siegen aus zwei Spielen bei Inter Mailand und gegen den FC Barcelona hervorragend, so warten die Bayern in der Liga seit vier Spiele auf einen Dreier.

„Uns hat heute die Gier gefehlt“, machte Hasan Salihamidzic nach dem 0:1 (0:0) beim FC Augsburg die Gründe für die Niederlage an der Einstellung seiner Stars fest. Allerdings konnte man den Spielern des FC Bayern den Willen in der Offensive nicht absprechen. Leroys Sané tauchte alleine zweimal frei vor FCA-Keeper Rafael Gikiewicz auf. Auch Jamal Musiala setzte im Eins-gegen-Eins mit dem Polen das Leder neben das Tor und auch der abermals enttäuschende Sadio Mané schaffte es nicht den Augsburger Torhüter zu überwinden.

FC Bayern verliert in Augsburg: „Hätten 10:2 gewinnen können“

Selbst Manuel Neuer gelang kein Treffer, obwohl er mit seinem Kopfball in der 94. Minute kurz davor war. So konstatierte Thomas Müller nach der Partie in der Mixed Zone der WWK-Arena etwas übertrieben, dass man das Spiel mit „10:2 hätte gewinnen“ können. Ganz so deutlich war es nicht, aber bei den Bayern fiel einmal mehr ein großes Problem auf: Sie schießen aktuell keine Tore.

In der Königsklasse bestechen Sané und Co. mit brutaler Effektivität. Doch in der Liga drückt genau dort der Schuh. Den Anfang machte die Partie gegen Borussia Mönchengladbach (1:1), wo Yann Sommer zwar einen Sahnetag erwischte, aber auch keine fünf Unhaltbaren aus dem Winkel fischte.

Sadio Mané und der FC Bayern befinden sich in einer Krise.
Sadio Mané und der FC Bayern befinden sich in einer Krise. © IMAGO / HMB-Media

Bei Union Berlin (1:1) hatte man wenig Möglichkeiten, nutzte aber auch die wenig vorhandenen nicht. Und in der Partie gegen den VfB Stuttgart (2:2) rächte sich ebenfalls in der Schlussphase die mangelnde Chancenverwertung zuvor, was Müller schon damals auf die Palme brachte („Heute bin ich das erste Mal sauer auf uns!“).

In Augsburg war es nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Der Trend ist katastrophal, wenn man aus vier Spielen keines gewinnt“, sagte Müller nach dem Spiel. Auch Trainer Nagelsmann war nach der Partie ungewohnt wortkarg und stellte gleich alles infrage. „Ich mache mir meine Gedanken, wie es weiter geht“, sagte der 34-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Schlechtester FC Bayern seit Jahren: Es fehlt ein klassischer Stürmer

Aber fehlt beim FC Bayern tatsächlich die Gier? Oder ist es nicht viel mehr ein klassischer Stürmer? Einer, der dem Verein 20 Tore in der Saison garantiert. „Wir haben die klassische Neun mit Choupo (Choupo-Moting, Anm.d.Red.) auf der Bank und später eingewechselt, eine andere klassische Neun haben wir nicht“, sagte Nagelsmann auf der PK und zeigte sich bei der Nachfrage nach - natürlich - Robert Lewandowski ordentlich dünnhäutig: „Ist doch jetzt egal, was ich antworte. Wenn ich jetzt sage: Nein, sagt Ihr, ‚Oh, er erkennt das Problem nicht.‘ Wenn ich sage: ‚Ja‘, dann schreiben alle: ‚Oh ja, er vermisst Lewandowski.‘ Ist doch Wurscht, was ich antworte.“

Das Spiel des FC Bayern war jahrelang auf einen Stürmer ausgelegt. Über Gerd Müller zu Karl-Heinz Rummenigge oder Giovane Elber, Roy Makaay oder zuletzt eben Lewandowski. In dieser Spielzeit wollte man neue Wege gehen. Klar, kann das System ohne echte Neun funktionieren. Aber nur, wenn die Falschen Neuner in Form sind - und das sind Mané, Serge Gnabry und Co. leider gar nicht.

Auch in Augsburg war der Senegalese wieder stets bemüht, doch fast schon bemitleidenswert versuchte Mané das Glück zu erzwingen. „Wir reden viel, wir versuchen, ihm zuzusprechen“, sagte Brazzo nach der Partie in der Mixed Zone: „Wir versuchen, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Auf dem Platz muss er das schon selbst machen. Er muss sich das nötige Selbstvertrauen holen und arbeiten.“

Mané außer Form, Gnabry ebenfalls: Wer soll die Tore beim FC Bayern schießen?

Gnabry, der zu Saisonbeginn ebenfalls überzeugte, wurde durch kleinere Verletzungen zurückgeworfen. Jamal Musiala ist erst 19 und auch Müller fehlt momentan das Erfolgserlebnis. So hat der FC Bayern im Sommer womöglich einen großen Fehler gemacht, in dem er keinen klassischen Stürmer verpflichtet hat. Zwar hat man mit Eric Maxim Choupo-Moting eben so einen in den Reihen, aber der erfüllt nicht in Gänze den Anspruch der Münchner.

Dabei geht es auch wenig darum, ob der vermeintliche Neuner in jedem Spiel von Beginn an hätte spielen müssen. Wichtig wäre gewesen, dass ein Spieler im Kader gewesen wäre, der das Profil eines klassischen Mittelstürmers für den FC Bayern erfüllt. Nun war dieser Spieler im Sommer offenbar nicht auf dem Markt und die Personalie Cristiano Ronaldo wurde aus nachvollziehbaren Gründen abgelehnt, doch nun fällt diese Personalplanung den Bayern eben auf die Füße. Die Bayern werden für ihr hohes Risiko im Sommer nun bestraft.

Nun stehen zwei Wochen Länderspielpause an. Da ist viel Zeit, sich Gedanken zu machen. Es wäre nicht überraschend, sollten die FCB-Entscheider zu dem Entschluss kommen, dass im Winter ein Stürmer kommen soll. Wie auch immer dieser heißen mag. (smk)

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