Leistungsdiagnostische Tests

Sportwissenschaftler bestätigt: So stark ist Coman

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Prachtexemplar der Wissenschaft: Kingsley Coman beeindruckte schon bei den leistungsdiagnostischen Tests.

München - Der FC Bayern führt mit Sportwissenschaftler der TU seit einiger Zeit leistungsdiagnostische Tests durch. Besonders die Leihgabe von Juventus Turin, Kingsley Coman, hat gewaltige Ergebnisse abgeliefert.

Dieser Kingsley Coman ist etwas Besonderes, das wusste Peter Spitzenpfeil als einer der Ersten. Als der damalige Neuzugang des FC Bayern im Sommer zum leistungsdiagnostischen Test antrat, kannten ihn noch nicht viele. Allgemein bekannt war, dass der Bursche 19 Jahre alt ist, als Talent gilt und sich erstmal in München beweisen soll. Spitzenpfeil aber, Leiter der Betriebseinheit Angewandte Sportwissenschaft an der TU München, war sich von Vornherein sicher: „Coman ist eine Urgewalt.“ Er sollte Recht behalten.

Peter Spitzenfeil beschreibt Ancelotti nicht als Verfechter der Wissenschaft.

Für Sportwissenschaftler jeder Art ist der Franzose ein Prachtexemplar. Er ist schnell, kräftig, definiert – seine anatomischen Voraussetzungen stimmen. Spitzenpfeil haben vor allem die Sprünge des Flügelspielers beeindruckt, „man hat die Power, die in ihm steckt, richtig gesehen“, erzählt er. Ergebnisse der Tests darf er als Vertragspartner des FC Bayern natürlich nicht verraten. Dass Coman aber an den verschiedenen Stationen zu Ausdauerdiagnostik, Gleichgewichtsfähigkeit, dreidimensionalem Sehen, Sprungkraft sowie auf dem „Speed Court“ und am „Functional Movement Screen“ hervorragende Werte erzielt hat, ist kein Geheimnis. Auf dem Platz hat er die Leistungen in der Hinrunde bestätigen können.

"FC Bayern ist schon eine sehr gute Adresse"

Spitzenpfeil und sein Team schauen in dieser Saison noch ein wenig genauer hin, wenn die Bayern Woche für Woche meist drei Spiele absolvieren. Der Doktor der Sportwissenschaft gibt zu, dass man doch „einen noch stärkeren persönlichen Bezug“ zum besten deutschen Fußballklub hat, wenn man als Diagnostiker wertvolle Hinweise für die Trainingssteuerung geben kann. Ehrfürchtig sei keiner seiner Mitarbeiter, auch wenn der Job doch „etwas Besonderes“ sei. Spitzenpfeil aber geht pragmatisch an die Aufgabe heran – und sieht den beruflichen Reiz: „Der FC Bayern ist im deutschen Sport schon eine sehr gute Adresse.“

Die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl wurde vor der laufenden Saison intensiviert. Laktattests führen Spitzenpfeil und seine Mitarbeiter schon seit Jahren durch, detaillierte Ergebnisse aus unter anderem Sprungkraft- und Sprinttests wurden bisher systematisch nur im Jugendbereich erhoben. Es besteht Nachholbedarf, denn die Verwissenschaftlichung ist in anderen Sportarten deutlich weiter vorangeschritten. Spitzenpfeil spricht davon, dass „die notwendige Individualisierung im Mannschaftssport Fußball noch nicht so richtig angekommen ist“.

Was wenigstens beim Nachwuchs inzwischen auf der Tagesordnung steht (und auch in der Konzeption des neuen Nachwuchsleistungszentrums der Bayern eine wichtige Rolle spielt), ist bei den Profis ausbaufähig. Die Fragen „Wo stehen die Spieler aktuell? Wo kann ich Trainingshinweise geben?“ bleiben oft die Saison über unbeantwortet, weil die mit rund zwei Stunden Dauer doch recht zeitintensive Diagnostik laut Spitzenpfeil „einer der ersten Termine ist, der hinten runterfällt“. Im Fokus steht der Spielbetrieb, das ist gut so. Dennoch sieht der 49-Jährige in puncto individueller Trainingssteuerung „noch viel Potenzial“.

Guardiola war kein großer Fan der Wissenschaft

Mitentscheidend ist stets der Trainer, das ist im Profi-Fußball das große Problem. Konstanz wie im Nachwuchs, festgesetzte und vor allem regelmäßige Kontrollen gibt es nicht. Pep Guardiola war immerhin einer, der die Termine nicht unterbunden hat. Ein großer Verfechter der Wissenschaft aber ist der Spanier nicht. Nachfolger Carlo Ancelotti schätzt Spitzenpfeil ähnlich ein. Die Tests werden weiter nebenher laufen.

Wie wichtig Unabhängigkeit vom jeweils angestellten Trainer wäre, verdeutlicht Spitzenpfeil am Beispiel der zahlreichen Muskelverletzungen, die die Bayern in der laufenden Saison geplagt haben. Genauere Diagnostik könnte die Blessuren zwar nicht unbedingt verhindern, da man die „hohe Gegnereinwirkung im Fußball einfach nicht zu 100 Prozent simulieren kann“. Zumindest aber könnte „früher erkannt werden, wann jemand im kritischen Belastungsbereich ist“. Spieler könnten aus dem Training genommen werden, individuell angepasste Programme absolvieren. Vergleichswerte gäbe es genug.

„Noch geht man im Fußball sehr vorsichtig an die Sache heran“, sagt Spitzenpfeil. Ein Trend aber ist erkennbar. Wäre ja auch schade, wenn man Urgewalten wie Kingsley Coman, Prachtexemplare der Wissenschaft, so gar nicht mit statistischen Werten belegen könnte.

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