Mainz-Manager im tz-Interview

Heidel: "Wollen die Punkte in München einfahren"

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Mainz-Manager Christian Heidel.

München - Für den FSV Mainz geht es am Samstag gegen den FC Bayern um nicht mehr viel. Die Rheinländer haben mit dem Abstieg genauso wenig zu tun wie mit Europa. Dennoch ist Manager Heidel zufrieden.

Herr Heidel, wenn sich Ihre Mannschaft heute so richtig anstrengt, dann könnte das zu einer Partystimmung-Verzerrung in der Allianz Arena führen! Sind Sie auf die Folge-Diskussion vorbereitet?

Heidel (lacht): Oh nein, damit hatte ich mich bisher noch gar nicht beschäftigt! Wir werden alles dafür tun, in München gut zu spielen. Aber nicht, um die Party kaputt zu machen, sondern um Punkte einzufahren.

Haben Sie so eine Meisterfeier beim FCB am letzten Spieltag schon mal erlebt?

Heidel: Wir hatten mal 2007 das letzte Spiel in München, allerdings wurde Bayern da nicht Meister. Damals ist aber Mehmet Scholl verabschiedet worden, das war schon sehr emotional. Bei uns sind zuvor alle Spieler mit Zylindern auf dem Kopf eingelaufen, da haben sich die Leute schon gedacht, die Mainzer haben sie nicht mehr alle! Der Hintergrund war, dass wir den Hut ziehen wollten vor unseren Fans. Denn obwohl wir bereits abgestiegen waren, hatten uns noch einmal sechseinhalbtausend Leute begleitet!

Kommen wir zu einer aktuellen Diskussion: Haben Sie das Gefühl, der FC Bayern hatte sich zuletzt etwas weniger angestrengt?

Heidel: Das ist schwer zu beurteilen. Ich bin mir sicher, dass der FC Bayern nie mit der Einstellung aufgetreten ist, dass er die 90 Minuten einfach nur rumbringen wollte. Aber es ist völlig normal, dass am Ende ein klein wenig die Konzentration fehlt. Das hat aber nichts mit Absicht oder Hängenlassen zu tun.

Wie war das denn bei Ihrer Mannschaft? Mainz ist gerettet, nach oben geht auch nichts mehr.

Heidel: Wir hatten nur das eine Spiel gegen den HSV zu Hause, bei dem wir bis heute nicht wissen, wie wir das verlieren konnten. Man kann der Mannschaft da keinen Vorwurf machen, sie war durch die frühe Verletzung von Elkin Soto wirklich sichtlich geschockt. Ich habe nicht den Eindruck, dass unsere Mannschaft die Saison ausklingen lässt! Unsere Spieler fahren nicht nach München und überlegen im Spiel, wann der Flieger auf die Malediven geht.

Wie würden Sie die Saison des FSV denn bis hierhin zusammenfassen?

Heidel: Es war eine schwierige Saison, aber das hatte ich auch immer gesagt. Sie war sehr schwer planbar, auch und gerade durch den späten Trainerwechsel. Mit den 40 Punkten plus sind wir sehr zufrieden. Wir sind immer noch Mainz 05! Und trotz der Turbulenzen, trotz der für uns sehr untypischen Trainerentlassung unter der Saison, haben wir unser Ziel noch recht souverän erreicht.

Mitte Februar musste Kasper Hjulmand gehen.

Heidel: Das war eine schleichende Entwicklung. Ich hatte immer gesagt, dass Kasper ein guter Trainer ist, dazu stehe ich heute noch. Doch der Weg, den er gehen wollte, kam zu früh für Mainz 05. Zur Erklärung: Sein großes Vorbild ist der Trainer und die Spiel-idee unseres heutigen Gegners. Gegen dieses Spiel ist ja nichts auszusetzen, unser Problem aber war, dass wir dadurch unsere Stärken verloren haben - das aggressive Spiel gegen den Ball, Gegenpressing, schnelles Umschalten. Er wollte zu 100 % seine Philosophie durchsetzen, ohne Rücksicht auf Ergebnisse. Und in Mainz gibt es die Regel, dass der Verein immer über einzelnen Personen steht. Er wollte nicht umstellen, also haben wir umgestellt.

Wie sehr stecken Sie nun schon in der nächsten Saison?

Heidel: Sehr. Wir haben ganz konkrete Ideen und sind in der Umsetzung. Zum Trainingsauftakt am 28. Juni soll unsere Mannschaft nahezu komplett stehen.

Sind denn die Millionen, die man für Johannes Geis einnehmen dürfte, schon verplant?

Heidel: Die sind nicht verplant, weil wir sie nicht haben. Denn Johannes Geis ist noch in Mainz - und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er auch in Mainz bleibt. Es ist nicht so, dass er auf gepackten Koffern sitzt.

Was wäre Ihnen denn lieber: Dass eine Stütze in der Mannschaft bleibt oder frisches Geld in den Kassen?

Heidel: Das ist in Mainz immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit…

…und eine, welche Summe geboten wird.

Heidel: Ja. Wenn ich mal sagen kann, ein Spieler ist unverkäuflich, dann haben wir es geschafft. Das wird noch eine Zeitlang dauern. Deswegen müssen wir abwägen: Wenn eine gewisse Summe zu erzielen ist und wir uns aus dieser Summe wieder in der Breite verbessern können, dann ist es ein Thema für Mainz. Aber ein Wechsel erst am 27. August oder so wäre völlig undenkbar für uns. Wir wollen uns einspielen! Was Johannes Geis betrifft, kann ich im Moment nur sagen, sind wir ganz weit entfernt von einem Wechsel. Die englischen Vereine stoßen durch den neuen Fernsehvertrag in andere finanzielle Dimensionen.

Ist das für Sie schon spürbar?

Heidel: Absolut. Bei uns sitzen bei jedem Spiel zehn, zwölf Scouts von englischen Klubs auf der Tribüne. Wir wissen, dass sie sich intensiv mit Spielern von Mainz 05 beschäftigen. Wir wissen auch, dass für die Bundesliga durchschnittliche Spieler in England von unterdurchschnittlichen Klubs Gehälter angeboten bekommen, bei denen ich Atembeschwerden bekomme! Wir reden von der Kategorie Sunderland, West-Bromwich etc., also nicht die ganz Großen. Diese Vereine zahlen pro Woche Gehälter, die wir maximal pro Monat bezahlen können.

Interview: Michael Knippenkötter

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