WM-Held schmort nur auf der Bank

Götze bei Bayern fehl am Platz? "Da fühlt sich jeder verarscht"

München - Dass verletzte Profis eine gewisse Zeit brauchen, bis sie wieder Stammspieler sind, ist völlig normal. Doch bei Mario Götze scheint fehlende Fitness nicht das Problem zu sein. Was läuft schief in der Beziehung zwischen dem WM-Helden und dem FC Bayern?

Gegen Mainz saß Mario Götze mal wieder 90 Minuten auf der Bank. Wie schon gegen Darmstadt. Wie gegen Juventus Turin. Und wie gegen Wolfsburg. 360 Minuten nur zuschauen zu dürfen - für einen wie Götze die Höchststrafe. Klar, der Offensivspieler war in der Hinrunde wegen eines Muskelfaserrisses im Adduktorenbereich, den er sich Anfang Oktober bei der Nationalmannschaft zugezogen hatte, lange außer
Gefecht. Doch inzwischen ist der WM-Held von Rio wieder fit - und darf immer noch nicht ran.

Helmer: "Damit hat es sich Götze nicht leichter gemacht"

"Vielleicht 15, vielleicht 90 Minuten" Spielzeit für Götze hatte Pep Guardiola etwa vor der Partie in Wolfsburg angekündigt. Unterm Strich waren es allerdings genau null Minuten. Auf berechtigte Nachfragen zu Götze reagierte Guardiola extrem genervt. Auch bei der 1:2-Pleite am Mittwochabend gegen Mainz war Götze für Guardiola offenbar keine Option. Der Spanier wechselte nur zwei Mal, brachte Thomas Müller und Douglas Costa, für Götze war allerdings wieder kein Platz auf dem Platz.

Mario Götze hat derzeit einen Stammplatz nur auf Bayerns Ersatzbank.

Was läuft schief im Verhältnis zwischen dem FC Bayern und dem technisch vielleicht besten deutschen Fußballer? Ex-Profi und TV-Moderator Thomas Helmer sieht die Gründe für die belastete Beziehung ganz am Anfang. Als der Jungstar im Juli 2013 offiziell als Bayern-Neuzugang vorgestellt wurde, trug er ein T-Shirt seines privaten Sponsors, der auf dem Sportartikelmarkt der größte Konkurrent des Bayern-Ausrüsters ist. "Allein sein Auftritt bei der Vorstellung, die Nummer mit Nike statt adidas, gehört sich nicht. Da fühlt sich jeder verarscht, auch der Verein, der sich bei Problemen dann halt fragt, inwieweit er ihn unterstützt", kritisiert Helmer im Interview mit dem "Kicker" und meint: "Damit hat es sich Götze nicht leichter gemacht, obwohl er eigentlich ein guter Spieler ist."

In seiner ersten Saison bei den Roten kam Götze in insgesamt 42 Pflichtspielen zum Einsatz, in der Nach-WM-Saison sogar in 47 Partien. In der aktuellen Spielzeit ist - auch verletzungsbedingt - Götzes Einsatzzeit allerdings stark gesunken, ganze zehn Pflichtspiele absolvierte der Außenstürmer, der in der Offensive aber auch hinter der ersten Sturmreihe oder als "falscher Neuner" auflaufen kann. "Ich habe immer das Gefühl, er fühlt sich nicht wohl. Und das muss er für Topleistungen", analysiert Helmer die Lage aus der Ferne.

Pep Guardiola schwärmt zwar - wie gewohnt - in den höchsten Tönen vom Ex-Dortmunder, der 2013 dem Bundesliga-Konkurrenten für 37 Millionen weggeschnappt wurde: "Mario Götze war sehr wichtig, ist sehr wichtig und wird sehr wichtig werden. Vor seiner Verletzung war er in Top-Kondition. Früher oder später wird er mit uns spielen." Auch dass Götze regelmäßig Sonderschichten schiebt, um sich unverzichtbar zu machen, ist Guardiola nicht entgangen. "Manche denken, oh, der ist speziell, nein ist er nicht. Er ist sehr professionell, denkt 24 Stunden nur an Fußball", so der Bayern-Coach.

Bleibt die Frage, warum er Götze dann nicht einsetzt? Sportvorstand Matthias Sammer hatte versucht, der Situation die Brisanz zu nehmen, indem er erklärte, es sei aktuell eben nicht die "Zeit für Experimente". Doch für Franck Ribéry, der noch länger als Götze gefehlt hatte und etwa zum gleichen Zeitpunkt wieder zur Mannschaft gestoßen war, fand Guardiola ziemlich schnell wieder einen Platz.

Gibt Götze am Samstag gegen Borussia Dortmund sein Comeback?

Weltmeister Jürgen Kohler sieht auf Sicht keine Perspektive für Götze an der Säbener Straße. Vertraglich ist der 23-Jährige noch bis zum Sommer 2017 an den FCB gebunden. "Wenn Bayern zu 100 Prozent von Götze überzeugt wäre, hätte man seinen Vertrag schon verlängert. Mit Lewandowski wollen sie, obwohl dessen Vertrag zwei Jahre länger geht. Das zeigt, wie die Entscheider im Klub denken", erläutert Kohler im "Kicker"-Interview: "Bei Bayern sehe ich für ihn keine Entwicklung." Götze selbst hatte erklärt, wegen seiner Zukunft erst das Gespräch mit dem kommenden Bayern-Trainer Carlo Ancelotti suchen zu wollen.

Sein bislang letztes Spiel bestritt Götze am 4. Oktober 2015 beim 5:1-Triumph gegen Dortmund. Am Samstag treten die Bayern zum absoluten Topspiel bei der Borussia an - vielleicht ist dann ja endlich der langersehnte Zeitpunkt für Götzes Comeback gekommen...

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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