Persönliche Reifeprüfung

Abtauchen ist nicht für Pep Guardiola

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Pep Guardiola trifft mit dem FC Bayern auf seinen Ex-Verein.

Das Spiel gegen den FC Barcelona bedeutet nicht nur für den FC Bayern eine sportliche Reifeprüfung - sondern auch für Pep Guardiola eine persönliche.

Dass es mal eine Zeit gab, in der Pep Guardiola nicht so omnipräsent war, wie er es – egal, ob freiwillig oder nicht – als Trainer des FC Bayern ist, kann man sich derzeit kaum vorstellen. Nun, wo es in die entscheidende Phase der Saison geht, folgt Pressekonferenz auf Pressekonferenz, jede Woche gibt es mehrfach etwas zu erzählen, das die Gazetten füllt und über jeden Sender flimmert. Aber es gab im Leben von Pep Guardiola ja auch dieses eine Jahr, in dem alles anders war.

Als der FC Bayern zum bisher letzten Mal in der Champions League auf den FC Barcelona traf, also jenes Team, gegen den es auch in den Halbfinal-Partien am 6. und 12. Mai gehen wird, war Guardiola gut beraten, frühzeitig abzutauchen. Richtig viel hatte man vom Spanier ohnehin während seines gesamten Sabbatjahr-Aufenthalts in New York nicht mitbekommen, in diesen paar Wochen von Mitte April bis Anfang Mai 2013 aber war der Spanier vollkommen in der Versenkung verschwunden. Er wusste genau: Jedes Wort vor dem brisanten Duell seines Ex-Klubs mit dem Verein, bei dem er ab dem Sommer Trainer sein sollte, wäre eines zu viel. Im Stadion erschien er weder in München, wo die Bayern 4:0 gewannen, noch in Barcelona, wo sie noch drei Tore nachlegten und wiederum keines kassierten. Guardiola verfolgte das Spiel, das seine Vergangenheit genauso wie seine Zukunft betraf, in den USA. Ganz für sich. Und er konnte sich in jenem Moment, als dieses 7:0 der Bayern verbrieft war, sicher sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Zwei Jahre später haben die Zeiten sich geändert.

„Barcelona ist die beste Mannschaft in Europa“, sagte Pep Guardiola am Freitag, kurz nachdem die Lose in Nyon gezogen worden waren. Die Aussage verblüffte neben den Standardsätzen seines Vorredners Matthias Sammer („50-50-Chance“, „kein Favorit“), aber Guardiola wollte auch bei mehrfachen Nachfragen nicht von seiner Meinung abrücken. „Sie haben einen neuen Trainer, sie haben Neymar und Luis Suarez – man kann sie nicht mehr mit damals vergleichen“, erklärte der Spanier. Und statt Sätzen wie „wir wollen gewinnen“ hörte man von ihm stets dieselbe Aussage: „Wir wollen es probieren.“ Er ist nicht sicher, ob er seine Reifeprüfung besteht.

Sammer hatte es „irgendwie im Gefühl“ gehabt, sagte der Sportvorstand, der die Auslosung gemeinsam mit Guardiola verfolgt hatte: „Denn solche Geschichten schreibt nur der Fußball.“ Ein selbstbewusstes „Auf geht’s“ sei die erste Reaktion des Trainers gewesen, berichtete Sammer, Guardiola aber erzählte Anderes. „Als Erstes habe ich meiner Tochter eine SMS schreiben müssen. Sie ist in der Schule und konnte die Auslosung nicht verfolgen.“ Die Reaktion der kleinen Maria auf den Gegner: „Gut, dann kann ich Oma und Opa sehen.“

Das kleine Familientreffen der Familie Guardiola ist der nette Nebeneffekt, brisanter aber wird das große mit seinen Ex-Kollegen auf dem Platz werden. „Ich kehre zurück nach Hause. Das ist natürlich speziell. Alles andere wäre gelogen“, sagte der Katalane. Die Trennung nach vier Jahren und 13 Titeln ist im Nachgang nicht unbedingt friedlich verlaufen, hier und da wurde aus seiner Heimat nachgetreten. Guardiola wird im Fokus stehen, mindestens so lange, bis das Hinspiel im Camp Nuo am 6. Mai angepfiffen wird. Und trotzdem sagt er: „Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung in meinem Leben machen darf.“

Mit seinen Bayern wird er diesmal nicht Favorit sein. Aber man glaubt im Klub nach dem 6:1 gegen Porto daran, dass auf dem Weg ins Endspiel nach Berlin jede Hürde zu nehmen ist. „Was kann Dir Besseres passieren, als dich mit den Besten zu messen?“, fragte Sammer und forderte die Mannschaft auf, „mit größtmöglicher Persönlichkeit aufzutreten“.

Das muss auch Guardiola tun. Abtauchen ist nun nicht mehr. Für ihn kommen die Spiele aller Spiele.

Hanna Schmalenbach

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