Unerfreuliches Spiel

FC Bayern ahnt: So ein Abend wird häufiger kommen

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Himmel, hilf: Stellvertretend für die Mannschaft erbittet Arturo Vidal Beistand von oben.

München – Es war schon spät und der Weg nach München lang, aber nicht nur deshalb hatte es Karl-Heinz Rummenigge am Freitagabend eilig.

Dass der Vorstandsboss des FC Bayern nach dem 0:0 keine Lust hatte, Interviewfragen zu beantworten, war offensichtlich. Eiligen Schrittes ließ er alle Reporterwünsche an sich abprallen. Nur weg von diesem garstigen Ort, der ihm so viel Unmut bereitet hatte.

Frankfurt, das ist das Terrain des Vorstandsbosses Heribert Bruchhagen, der in Fragen von Vermarktung und Gelderverteilung der ewige Widerpart der Bayern ist. Eintracht gegen Bayern ist für Bruchhagen das klassische Duell Klein gegen Groß. Wenn es in Wahrheit auch deutlich kleinere Klubs als die Hessen gibt, so hat es dem Goliath Bayern doch sichtlich nicht geschmeckt, beim David vom Main mit dem 0:0 die ersten Punkte abzugeben. „Eine gefühlte Niederlage“ meinte nicht nur Torwart Manuel Neuer erlitten zu haben.

Eintracht-Stürmer gibt am Ende einen Linksverteidiger

Verdruss und Ernüchterung im erfolgsverwöhnten Kader bezogen sich mehr noch auf die Umstände als auf das nackte Resultat. Diejenigen Münchner, die hinterher Worte über das Spiel fanden, formulierten ihre Kommentare schmallippig und mit beinahe eingeschnapptem Unterton. Woche für Woche denke man, die Taktik des Gegners lasse sich nicht mehr defensiver ausrichten, klagte Philipp Lahm: „Heute wurden wir eines Besseren belehrt.“ Jerome Boateng hatte „natürlich keinen schönen Fußball-Abend“ verlebt, weil die Eintracht sich „wie eine Handball-Mannschaft“ vor dem eigenen Tor formiert hatte. Und auch der fast arbeitslose Neuer erkannte von seinem einsamen Posten aus, wie „mühsam“ es für die Kollegen war, „immer wieder anzulaufen und zu sehen, dass die Räume nicht größer werden“.

Mit zermürbender Regelmäßigkeit rannten die Bayern gegen die Wand an, die die Frankfurter errichtet hatten. Das war nicht schön anzusehen und verdarb dem Tabellenführer sichtlich die Laune. Aber wirklich überraschend war es auch nicht. Bei realistischer Betrachtung konnte man den Gastgebern, die in der Liga seit Wochen kriseln und zuletzt im DFB-Pokal beim Drittligisten Aue strauchelten, durchaus nachempfinden, dass sie die Wege zum Tor verriegelten und verrammelten und dass der Stürmer Seferovic am Ende einen astreinen Linksverteidiger gab. Not kennt kein Gebot. Pep Guardiola, der als Trainer naturgemäß eine analytischere Sichtweise als seine Mannschaft pflegt, beurteilte die Eintracht dann auch wesentlich wohlwollender als sein Personal. Sie habe gut verteidigt. „Fußball läuft nicht immer so, wie du willst. Wir müssen uns anpassen.“

Zehn Spieltage lang haben die Bayern am oberen Ende ihrer Möglichkeiten agiert, haben oft brilliert und selbst enge Partien unter teils glücklichen Umständen gewonnen (Hoffenheim, Augsburg). Frankfurt war nun die erste Abweichung. Die ultradefensive Taktik der Gastgeber förderte zutage, dass den Bayern an diesem Abend die Mittel fehlten. Es grenzte schon an Verzweiflung, als Arjen Robben in der Schlussphase einen plumpen Schwalbenversuch hinlegte, der folgerichtig mit einer Gelben Karte geahndet wurde. Und doch hätte sich auch am Freitag die Überlegenheit auszahlen können. Bei allem sichtbaren Mangel an Inspiration und Schärfe hatte man seine Chancen. „Aber du musst halt auch das 1:0 machen“, räumte Kapitän Lahm ein.

Aus den enttäuschten Kommentaren der Bayern sprach auch die böse Vorahnung, dass ihnen solche Spiele in dieser Saison noch häufiger blühen werden. Frankfurt könnte eine Blaupause für noch ganz andere Teams sein. Schon am Mittwoch in der Champions League dürfte es wieder so kommen. Der FC Arsenal hat bereits im Hinspiel vor zwei Wochen aus einer kompakten Defensive heraus den Weg nach vorne gesucht und sehr erfolgreich gefunden. Beim Gegenbesuch fallen nun auch noch die Nationalspieler Walcott und Oxlade-Chamberlain aus. Zwei Offensivkräfte. Die Engländer, ahnt Manuel Neuer, werden das Spiel gegen Frankfurt „gesehen haben und gemerkt haben, dass es dann Probleme für uns gibt“.

Anders als die Eintracht hat Arsenal, das in der Champions League einen schlechten Start erwischte, aber nicht nur das Personal, sondern auch die Motivation, um auf Sieg zu spielen. Und auch in der Liga sollten für die Bayern zumindest kurzfristig angenehmere Tage anbrechen. Nächsten Samstag kommt der VfB Stuttgart. Wenn der trotz aller erdenklichen Defizite eines nicht im Repertoire hat, dann ist das Mauerfußball.

Marc Beyer

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