Trainer-Legende wird ernst

Gaga-Vorschlag oder geniale Idee? Wenger denkt an WM-Revolution - Lewandowski spielt Hauptrolle

Arsène Wenger spricht sich für weniger Länderspiel-Abstellungen aus und will eine WM-Revolution.
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Arsène Wenger spricht sich für weniger Länderspiel-Abstellungen aus und begründet eine mögliche WM-Revolution.

Der langjährige Arsenal-Coach Arsène Wenger ist für die Entwicklung bei der FIFA zuständig und will künftig für weniger Länderspiel-Abstellungen sorgen.

München/Straßburg - Oftmals kehren Stars nach den Länderspielen mit ihren Nationalmannschaften verletzt zu ihren Klubs zurück. Dieser Trend ist durch die vielen Abstellungen bedingt, wenn man Trainer-Legende Arsène Wenger fragt. Der 71-jährige Elsässer ist nach seiner Trainerkarriere als Direktor Entwicklung bei der FIFA tätig und befürwortet weniger Länderspielpausen während der Saison – dafür aber auch einen WM-Zyklus von zwei Jahren.

WM-Revolution: Trainer-Legende Arsène Wenger plädiert für neuen Weltmeisterschafts-Rhythmus

Er respektiere zwar die Weltmeisterschaften, sehe den Vier-Jahres-Rhythmus allerdings „nicht in Stein gemeißelt“ und führt Argumente für einen Zwei-Jahres-Zyklus am. „Inzwischen gehören 211 Länder zur FIFA – und 133 davon haben noch nie eine WM gespielt. Diese Länder schauen alle vier Jahre zu ohne jede Chance, selbst daran teilzunehmen“, meinte der langjährige Arsenal-Trainer in einem Interview mit dem Kicker.

Ihm sei vor allem aufgefallen, dass die meisten Spieler von Weltmeister-Teams „zwischen 26 und 30 Jahre alt sind, weil es Erfahrung für ein so großes Turnier braucht“. Dieser Umstand macht eine Titelverteidigung schwierig, „weil man mit 34 dann doch meist zu alt ist“. Er selbst könne anhand seiner Laufbahn „mit mehr als 200 Spielen in der Champions League“ sagen, dass Weiterentwicklung auch mit dem Erkennen der Schwächen zusammenhängt.

WM-Revolution: Wenger führt Lewandowski-Verletzung als Beispiel für Abstellungsflut auf

Er habe als Klubtrainer immer das Gefühl gehabt, „dass die vielen kürzeren Abstellungsperioden für die Spieler eher ungünstig waren“. Wenger spricht dabei von „Momenten der Ungewissheit“, wenn Spieler mental oder körperlich angeschlagen zu ihren Vereinen zurückkehren. Als prominentes Beispiel für sein Argument dient der Arsenal-Ikone Bayerns Robert Lewandowski, der sich während der entscheidenden Etappe der Saison bei einem Länderspiel gegen Fußballzwerg Andorra verletzte.

Robert Lewandowski verletzte sich gegen Andorra und fiel für das wichtige PSG-Spiel aus.

„Wir brauchen doch nur auf die abgelaufene Saison zu blicken. Robert Lewandowski verletzte sich während der wichtigsten Phase im Klubfußball bei einem Länderspiel, fehlte damit im Viertelfinale gegen Paris St. Germain“, erinnert sich Wenger. „Das hat Bayerns komplette Champions-League-Saison kaputtgemacht“, fasst der Franzose die unglückliche Situation des Rekordmeisters in der vergangenen Spielzeit zusammen.

WM-Revolution: Trainer-Ikone Arsène Wenger schlägt neuen Turnier-Rhythmus vor

Konkret hieße das für ihn, dass die Abstellungen reduziert werden würden. Er plädiere „nur noch eine Abstellungsperiode, oder maximal zwei, anstatt wie heute fünf“. Die Nationalteams könnten sich Wenger zufolge im Oktober treffen und in einem Monat „sieben Qualifikationsspiele bestreiten und dann im Juni die Endrunde eines Turniers“, so der unkonventionelle Vorschlag.

Dies würde die Reisen für die Spieler reduzieren, „mehr Klarheit und Kontinuität für alle Beteiligten“ garantieren und nebenbei das Verletzungsrisiko verringern. Nach jedem Turnier solle es zudem eine Ruhepause geben. Durchgesetzt werden könnte der neue Plan aber wenn überhaupt erst bei den Turnieren ab 2024. „Stellen Sie sich das so vor: 2026 die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada; 2027 eine Europameisterschaft und die anderen Kontinental-Turniere; 2028 wieder eine Weltmeisterschaft; und so weiter“, beschreibt Wenger den Turnier-Plan, in dem es um „mehr Qualität und weniger Quantität“ gehen soll. (ajr)

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