Er redet nicht über seine Schwalbe

Nach Schwalbe: Maulkorb für Vidal - Rüffel von Guardiola

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Arturo Vidals (Mitte) Schwalbe sorgte für hohe Wellen.

München - Nach dem 2:0 gegen Werder Bremen hat Arturo Vidal über alles gesprochen, nur nicht über seine Schwalbe. Er hat einen Maulkorb verpasst bekommen, das war offensichtlich.

Arturo Vidal hatte sich für Personenschutz entschieden – oder wie man in Fußball-Fachkreisen sagt: Sotun- als-wären-wir-stark-beschäftigt- Schutz. Der Mann seiner Wahl, als der Chilene die Allianz Arena verließ: Javi Martinez.

Das Duo gab wirklich alles, damit Vidal die Katakomben durchqueren konnte, ohne mit einem Journalisten reden zu müssen. Aber letztlich ließ er sich doch umstimmen. Er sprach – über alles, außer: Seine Schwalbe. Vidal, ein Mann, der derzeit jedes einzelne Spiel des FC Bayern prägt, hatte nach dem 2:0 gegen Werder Bremen einen Maulkorb verpasst bekommen, das war offensichtlich. Nur: Die Aussagen, die der 28-Jährige über die Partie loswurde, die kommende Woche gegen Atletico Madrid ansteht, interessierten in diesem Moment doch recht wenig. Jeder wollte wissen, was Vidal zu dieser einen Szene sagt, die in der 71. Minute zum vorentscheidenden 2:0 geführt hatte. Aber: Es mussten andere sprechen.

Guardiola: "So will ich eigentlich nicht das zweite Tor schießen"

Bremen schimpfte – zu Recht. Von einem „Genickbruch“ sprach etwa Vidals Gegenspieler Janek Sternberg, der „ganz klar mit einem Pfiff in Richtung Schwalbe“ gerechnet hatte. Schiedsrichter Tobias Stieler blies zwar in seine Pfeife, zeigte aber nach dem theatralischen Fall des gerade erst eingewechselten Vidal auf den Punkt. Müller verwandelte, das Spiel war durch. „So“, sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola, „will ich eigentlich nicht das zweite Tor schießen“. Auch Karl-Heinz Rummenigge stellte klar: „Das ist nicht das, was der FC Bayern haben will.“ Ein deutlicher Rüffel für Vidal.

Sogar Stieler gab zu, falsch gehandelt zu haben und sagte kleinlaut: „Es tut mir leid. Das war eine Fehlentscheidung.“ Zwar wies der Referee darauf hin, dass die Szene „nicht spielentscheidend“ war. Sie hatte Bremen aber in einer Phase, in der der Ausgleich gar nicht unwahrscheinlich schien, den letzten Mut genommen. Natürlich wurde nach der Partie viel geredet, Schlagworte in solchen Fällen sind „Dusel“ und „Bayern-Bonus“. Manuel Neuer wollte davon nichts hören: „Da wird viel erzählt, aber es ist nicht so, dass immer alles für den FC Bayern spricht und alle für uns pfeifen. Es wurde auch schon viel gegen uns gepfiffen.“ Ansichtssache.

Rummenigge will das Thema wechseln

Rummenigge bat darum, „das Thema nicht überzustrapazieren“. Allein in dieser Saison aber erinnert man sich noch gut an die Szene, die das Spiel gegen den FC Augsburg entschied. 90. Minute, unberechtigter Elfmeter, Müller, 2:1. Und auch Statistiker haben schon bewiesen – sogar in Langzeitstudien –, dass große etablierte Vereine in strittigen Situationen durchaus Vorteile haben. Ein weiteres ausschlaggebendes Kriterium: Die Anzahl der Zuschauer im Stadion. Statistiker Eberhard Feess sagte der „FAZ“ zuletzt: „Beim FC Bayern explodiert dieser Effekt geradezu.“ Das war am Dienstag erneut zu sehen. Auch wenn Neuer es lieber „ein bisschen Glück“ nannte. Denn das ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen.

Tüchtig war Vidal, das steht außer Frage. Nur hätte sich jeder gewünscht, dass er seinen Arbeitsnachweis auf andere Weise bringt. Mit einem Tor etwa – wie zuletzt so oft. Darüber hätte er auch reden dürfen, als „King Arturo“. So war er diesmal einfach: Der Schwalben-„King“.

Video: Das sagt Manuel Neuer zu seiner Vertragsverlängerung

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