Erfolgs-Coach

So feiert Bayern-Legende Jupp Heynckes seinen 75. Geburtstag

Hoch soll er leben! Jupp Heynckes in den Händen seiner legendären 2013er-Mannschaft.
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Hoch soll er leben! Jupp Heynckes in den Händen seiner legendären 2013er-Mannschaft.

Jupp Heynckes feiert in seiner Wohlfühloase im Katzenhaus in Schwalmtal seinen 75. Geburtstag und verrät: „Feiern im Kleinen entsprechen mehr meinem Naturell“.

  • Am Samstag, 9. Mai wird FC-Bayern-Legende* Jupp Heynckes 75 Jahre alt
  • Viermal heuerte Heynckes als Trainer in München an, schaffte sogar das Triple
  • Am Geburtstag gönnt sich Heynckes „ein schönes Glas Rotwein“

München - Der 9. Mai. Er war auch heuer mit dem Fußball verbunden. Wochenlang geisterte dieses Datum als möglicher Termin für die Wiederaufnahme der Bundesliga in den Köpfen, und wäre es tatsächlich dieses und nicht erst kommendes Wochenende so weit gewesen, könnte Jupp Heynckes an seinem 75. Geburtstag gemütlich Konferenz schauen. „Fast jedes Bayern-Spiel“, sagt der ehemalige Coach, verfolgt er ja noch, allerdings ist 15.30 Uhr so ein Zeitpunkt, „an dem ich auch mal müde werde. Ich habe da manchmal ein Tief.“ Dann schlummert Heynckes, während seine Bayern spielen. Was für ein wundervolles Rentnerdasein!

Diese Geschichte hat Heynckes vor rund drei Monaten im tz-Interview ausgeplaudert, sie ist aber freilich noch aktuell. Denn sie erzählt aus einem Leben, das zwei Jahre nach dem endgültigen (!) Eintritt in den Ruhestand zwar noch vom Fußball geprägt ist, ihm aber längst nicht mehr jenen Stellenwert einräumt, den er in den 73 Jahren zuvor hatte. „Ab und an“, sagt Heynckes, geht sein „Puls noch hoch“, ab und an sitzt er auf seinem Sofa in Schwalmtal und schimpft. Die Emotionen legen sich aber heute so schnell, wie sie gekommen sind. Den Rest seiner Zeit aber verbringt er wie auch seinen heutigen Ehrentag: Mit Frau Iris und seiner Familie in der „Casa de los Gatos“, dem Haus der Katzen, wie er seinen Landsitz genannt hat.

Triple-Triumph: Jupp Heynckes mit den Trophäen.

„Feiern im Kleinen entsprechen mehr meinem Naturell“, sagt Heynckes. Keine Zigarren, sondern ein schönes Glas Rotwein, keine große Party, sondern gute Gespräche mit geliebten Menschen. So ist Heynckes allerdings nicht erst als Rentner geworden. „Ich mochte mich nie präsentieren“, sagt er, die schillernde Seite der Branche hat er stets anderen überlassen. Wer am Tag nach Kriegsende geboren ist, wächst bescheiden und demütig auf. „Bodenständigkeit und Authentizität“ haben seine Eltern ihm gelehrt, Vater Mathias war Schmied, Mutter Anna betrieb einen Tante-Emma-Laden. Als neuntes von zehn Kindern musste „Josef“ sich immer behaupten. Stundenlang bolzte er im Hinterhof, jonglierte Bälle. 369 Bundesligaspiele, 220 Treffer, vier Meistertitel, EM- und WM-Sieg 1972 und 1974 sowie Uefa-Cup-Sieg 1975 stehen als Bilanz der ersten Karriere, die zwischen 1963 und 1978 mit Ausnahme von drei Jahren in Hannover in Gladbach stattfand.

Dass die Laufbahn als Trainer bei der Borussia starten müsse, war nur logisch. Dass Heynckes aber zu Höherem berufen war, auch. „Am Anfang wollte ich zu viel erzwingen“, sagt Heynckes heute. Viermal heuerte er in München an, 2017, als er wieder mal einsprang, schloss sich der Kreis. „Man darf nie vergessen, wer entscheidend mitgeholfen hat“, sagt Heynckes über den „Freundschaftsdienst“, den er vier Jahre nach dem Triple-Gewinn leistete. Jeder Trainer muss sich an ihm messen lassen. Und wenn nach einer Entlassung wieder sein Name genannt wird, schmunzelt er. Inzwischen sagt er: „Schluss ist Schluss. Man sollte sich nie überschätzen. Das habe ich nie gemacht.“

1972: Beobachtet von Jupp Heynckes (M) erzielt  Gerd Müller (l, vorn) die 1:0-Führung im Fußball-Länderspiel gegen die UdSSR.

Nicht mal 2013, auf der Tanzfläche von London. Natürlich ließ er da, am Ziel der Bayern-Träume, seine Hüften mal kurz kreisen. Den Erfolg – bis heute in der Vereinsgeschichte einmalig – genoss er aber im Stillen. Er reflektierte und fühlte sich bestätigt, denn in diesem Triple-Sieg spiegelte sich ein Credo seiner Karriere wieder. „Aus Misserfolgen und Enttäuschungen habe ich die größte Motivation gezogen“, sagt er. 1974 war er zwar Weltmeister, musste aber im Endspiel verletzt zusehen. Er antwortete in der darauffolgenden Saison mit 45 Pflichtspieltoren und dem UEFA-Cup-Sieg. Als Trainer sprang der Funke nach dem Vize-Jahr 2012 auf sein Team über.

Auch deshalb, weil er seiner Linie treu blieb. „Mit sich im Reinen“ sei er, und wie 75 fühlt er sich freilich noch nicht. An diesem Samstag wird er schwimmen gehen, seine Tiere pflegen, mit seiner Frau plaudern. Und wenn die beiden in „Erinnerungen schwelgen“, wird er sagen: „Jeder ist zu ersetzen.“ Wobei: „Vielleicht hätten die Bayern ohne mich nicht das Triple gewonnen.“ Für diesen Satz muss er sich nicht überschätzen.

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