Feuer frei

Bayern beim BVB: Alles möglich, nur kein Geplänkel

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Dokument der Respektlosigkeit: Selten attackierte jemand die Bayern so hart wie Subotic den entgeisterten Robben.

München - Der FC Bayern mag sich abgesetzt haben von seinem Herausforderer aus Dortmund, aber brisant sind die Duelle immer noch. Auch am Samstag ist alles möglich, nur kein Geplänkel.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, irgendwann landet man bei Neven Subotic. Der Verteidiger verkörpert viel von dem, was Borussia Dortmund den BVB in den letzten Jahren ausgemacht hat. Er ist charmant und aufgeweckt, erfolgreich und dabei volksnah. Auf der Dortmunder Lindemannstraße, mitten auf der Fahrbahn, hat er einen eigenen Parkplatz. Genau hier feierte er 2011 den Meistertitel mit den Fans, wenig später deklarierte ein Anhänger mit Pinsel und gelber Farbe den Ort zur privaten Stellfläche um. In Dortmund geht das.

Subotic steht aber auch für das andere Gesicht der Borussia: Die Aggressivität und permanente Angriffslust, auf der die Erfolge der letzten Jahre beruhen. Das bundesweit berühmteste Bild zeigt Neven Subotic nicht oben ohne auf seinem Auto stehend in der Lindemannstraße. Es stammt aus dem April 2012 und zeigt ihn vollständig bekleidet, aber ansonsten nicht sehr zivilisiert, im Dialog mit Arjen Robben. Wobei: Eigentlich ist es kein Dialog, denn Robben sagt nichts. Der Niederländer hat soeben einen Elfmeter verschossen, nun brüllt ihn Subotic aus nächster Nähe an. Er unterstellt dem Stürmer des FC Bayern, sich den Elfmeter erschlichen zu haben. Er könnte sich freuen, aber sein Jubel hat nichts Fröhliches.

Die Aufnahme ist ein Dokument der Respektlosigkeit und Unsportlichkeit. So hart hat die Bayern selten jemand attackiert. Größere oder kleinere Feindseligkeiten gibt es in jedem Spiel, aber selbst nach den Maßstäben des Spitzenfußballs, wo es selten zimperlich zugeht, ist Subotics Verhalten drastisch. Davon abgesehen war er im Unrecht. Robben war elfmeterwürdig gefoult worden.

Es ist ruhig geworden zwischen den Klubs. Die Dortmunder sind neun Plätze und 31 Punkte entfernt, von einem Gipfeltreffern würde kein Borusse zu sprechen wagen. An Zündstoff wird es trotzdem nicht mangeln, so wie in den letzten Jahren. Mal entfachte eine Rote Karte (Rafinha) einen beinahe handgreiflichen Streit zwischen Matthias Sammer und Jürgen Klopp (2013), mal wurde ein reguläres BVB-Tor nicht anerkannt (Pokalfinale 2014). Dazwischen traf man sich im Champions League-Finale, das für drei Akteure mit Platzverweis hätte enden können (Dante, Ribery, Lewandowski). Für Samstag kündigt Subotic im „Kicker“ an: „Es wird köcheln und brodeln, diese Hitze müssen die Bayern aushalten.“

Vor dem bislang letzten Bundesligatreffen zwischen Bayern und Borussen hat Jürgen Klopp im Herbst einen bemerkenswerten Kommentar abgegeben: „Ich glaube, dass das Leben gerecht ist. Und ich glaube, dass man, wenn man sich im Erfolg schlecht verhält, das irgendwann einmal zurückbekommt.“ Er bezog sich auf die Bayern und ihr unverhohlenes Interesse an Marco Reus. Vor allem erzürnte die Dortmunder die gezielte Indiskretion Karl-Heinz Rummenigges, der in einem Interview die Ausstiegsklausel in Reus’ Vertrag thematisiert hatte. Was Klopp nicht bedachte: Man konnte seine Aussagen auch in die umgekehrte Richtung deuten. Da landete man wieder bei Subotic.

Der Zeitpunkt, als er Robben anschrie, markiert fast exakt den Höhepunkt des Dortmunder Aufschwungs. Mit dem 1:0 an jenem April-Abend 2012 besiegelten die Dortmunder ihren zweiten Meistertitel in Folge, wenige Wochen später verpassten sie den Bayern eine 5:2-Abreibung im DFB-Pokalfinale. Weil die Münchner zudem ihr Finale dahoam verloren, war der Mai 2012 für sie ein fast schon historischer Tiefpunkt.

Es kam dann, wie es bei den Bayern immer kommt. Sportliche Rückschläge verstehen sie als Ansporn und Attacke auf ihr Selbstverständnis als Nummer eins. Sie verstärkten sich schnell und rücksichtslos, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass es auf Kosten der Dortmunder geschah. Der Vorwurf, einen Rivalen bewusst geschwächt zu haben, trifft in diesem Fall aber nicht zu. Mario Götze war dank seiner Ausstiegsklausel nun mal auf dem Markt und mit 37 Millionen Euro nicht überteuert. Und wäre Robert Lewandowski nicht nach München gegangen, dann halt ins Ausland. Für ihn war Dortmund einfach zu klein.

Mehrfach hat man in den vergangenen Jahren den Vorwurf des BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gehört, der FC Bayern habe seinen Klub „zerstören“ wollen. Das ist eine steile These. Es gab fragwürdige Momente wie Rummenigges Reus-Kommentar und grobe Stillosigkeiten wie das Durchsickern des Götze-Transfers am Tag vor dem Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid. Aber dass die Transfers sportlich Sinn machen, ist unbestritten. Die Dortmunder stellten sich hingegen bei ihren Einkäufen weniger glücklich an. Dennoch ist das Bild von den BVB-Zerstörern aus der Säbener Straße noch in vielen Köpfen präsent.

Für Samstag darf man einiges erwarten. Der Fußball ist sehr erfindungsreich, wenn es darum geht, seine ganz eigenen Geschichten zu schreiben. Nach dem letzten Treffen am 1. November meinte ein Lippenleser, erkannt zu haben, dass Pep Guardiola Franck Ribery bei dessen Einwechslung das Kommando gab: „Feuer frei auf Subotic.“ Tatsächlich kam es so, wie Klopp in einem anderen Zusammenhang erhofft hatte. Ein Sportler, der sich im Erfolg schlecht verhalten hatte, bekam nun die Rechnung. Subotic verschuldete die zwei späten Gegentreffer zur Dortmunder 1:2-Niederlage, das zweite mit einem elfmeterwürdigen Foul. Den Strafstoß verwandelte Arjen Robben.

Marc Beyer

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