„Meisterschaft offener denn je“

Kurz vor Saisonstart gegen Gladbach: Schweizer Zeitung mit Abgesang auf FC Bayern - „Zug bereits abgefahren“

Die Bayernspieler Niklas Süle, Leon Goretzka und Manuel Neuer sind frustriert über die Niederlage gegen PSG.
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Die Bayern scheiterten in der UEFA Champions League an der Star-Truppe aus Paris.

Eine Schweizer Zeitung äußert sich kritisch über den FC Bayern München und sieht die internationale Konkurrenz enteilen. Und das kurz vor Saisonstart.

München - Im vergangenen April ist der FC Bayern München in der UEFA Champions League gegen Paris Saint-Germain ausgeschieden. Die Münchener mussten sich nach zwei hart umkämpften Partien gegen die Star-Truppe aus Paris rund um Neymar und Kylian Mbappe geschlagen geben.

Doch wie sieht es in dieser Saison aus. Die Schweizer Zeitung Blick ist dieser Frage nachgegangen und stellt eine steile These auf. Ihrer Auffassung nach könnte der deutsche Rekordmeister nie wieder die Champions League gewinnen. Ein regelrechter Abgesang wird prognostiziert.

FC Bayern München: Nie wieder Champions League? - Schweizer Zeitung mit Abgesang auf den FCB

Die Zeitung kritisiert vor allem das verhaltene Vorgehen auf dem Transfermarkt. Schließlich konnte der FC Bayern schon mit der Qualität des Kaders der abgelaufenen Spielzeit nicht gegen die europäischen Top-Klubs bestehen. Damit der Primus der Bundesliga auf internationalem Parkett seine Titelambitionen beibehalten kann, sind hochkarätige Neuzugänge dringend notwendig.

Vom großen Aufrüsten kann aufgrund der finanziellen Lage derzeit allerdings nicht die Rede sein. Die Münchener müssen Corona bedingt mit anderen Mitteln wirtschaften. Der Transfer von Dayot Upamecano (22) für 42,5 Millionen Euro von Ligarivale RB Leipzig bleibt wohl das höchste der Gefühle. Hinzu kommt mit Omar Richards (23) ein junger Linksverteidiger ablösefrei aus der zweiten englischen Spielklasse - vornehmlich für die Kadertiefe.

Zu wenig meinen die Schweizer und werfen den Bayern fahrlässiges Verhalten vor. Mit dieser konservativen Strategie könne man die Champions League bereits vor Saisonstart abhaken und sogar die Meisterschaft in der Bundesliga könnte eine enge Kiste werden. Die anderen Anwärter um die Krone Europas schlafen dagegen nicht und lassen sogar Rekordmarken purzeln.

Blick schreibt wörtlich: „Und doch muss man vor Beginn der neuen Spielzeit sagen: Rüstet Bayern nicht noch etwas auf, könnte die deutsche Meisterschaft offener denn je werden. In der Königsklasse ist der Zug angesichts des Wettrüstens der Konkurrenz bereits abgefahren“.

Trotz Corona-Pandemie und Financial Fairplay: Top-Klubs rüsten munter auf

Jack Grealish wechselt für eine rekordverdächtige dreistellige Millionensumme zu Manchester City. Der englische Meister verpflichtet den Linksaußen von Aston Villa für 117,5 Millionen Euro und baggert darüber hinaus am englischen Stürmerstar Harry Kane von Tottenham Hotspur. Auch für diesen wäre eine Ablöse in vergleichbarer Höhe fällig.

Die Spitzenteams der Premier League sind trotz Corona-Pandemie weiterhin in der Lage, teure Stars von ihren Vereinen loszueisen. Manchester United konnte sich die Dienste von Jaden Sancho sowie Raphael Varane sichern. Champions League-Sieger FC Chelsea verhandelt mit Inter Mailand über den belgischen Torgaranten Romelu Lukaku. Hier könnte sich der nächste Transferhammer anbahnen. Um das Financial Fairplay macht man sich an dieser Stelle keine Gedanken. Dazu hat die UEFA in den letzten Jahren ihren Beitrag in negativer Hinsicht geleistet.

Und auch in Frankreich wird munter aufgerüstet. Paris Saint-Germain schnappt sich den vom FC Barcelona abgewanderten Lionel Messi und macht ihn zum wertvollsten ablösefreien Transfer aller Zeiten. Diese Bestmarke hatte PSG lediglich einen Monat zuvor durch die Verpflichtung des italienischen Europameisters Gianluigi Donnarumma selbst aufgestellt. Mit Sergio Ramos, Georginio Wijnaldum und dem Ex-Dortmunder Achraf Hakimi konnte der Scheich-Klub zudem weitere Hochkaräter unter Vertrag nehmen. Die Konkurrenz scheint dem FC Bayern enteilt zu sein.

Verantwortliche des FC Bayern: Nagelsmann bleibt gelassen, Kahn spricht von Wettbewerbsnachteil

Den Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters ist diese Tatsache durchaus bewusst. In der aktuellen Situation kann der Verein dem Wunsch der Fans nach weiteren Verstärkungen nicht nachkommen. Die Folgen der Pandemie lassen Neuzugänge in dieser Größenordnung nicht zu. Das soll vor allem eine Chance für den Nachwuchs sein, sich nachhaltig in den Vordergrund zu spielen.

Neu-Coach Julian Nagelsmann sieht die Situation gelassen: „Du hast ja nicht nur Stammspieler, sondern auch Spieler, die draußen sitzen. Jeder muss mit dieser Rolle zurechtkommen und trotzdem fürs Team alles geben. Und wenn das gegeben ist, werden wir wieder eine sehr gute Saison spielen können.“

In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit ist dieser Plan noch nicht aufgegangen. Sein Team konnte keines der angesetzten Partien für sich entscheiden. Selbst im finalen Test, in dem die EM-Fahrer bereits wieder an Bord waren, ging der amtierende Meister der Bundesliga mit 0:3 gegen den SSC Neapel unter.

Oliver Kahn hat sich ebenfalls zur aktuellen Situation geäußert und sieht in den unterschiedlichen finanziellen Handlungsspielräumen zwar einen Wettbewerbsnachteil, erinnert aber auch an die gute Arbeit der Vergangenheit.

„Insbesondere die investorengetriebenen englischen Klubs haben eine enorme finanzielle Power. Es uns bisher immer gelungen, diesen Wettbewerbsnachteil auszugleichen. Daran arbeiten wir mit allem, was wir haben, denn wir sind der FC Bayern“, gibt sich der Vorstandsvorsitzende des Ligaprimus in einem Interview kämpferisch. (men)

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