„Gladbach fährt besonders viele Umschaltangriffe“

FCB trifft auf Gladbach: Taktik-Experte analysiert die vier Knackpunkte für den Liga-Knaller

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Wird in Gladbach gefragt sein: Lewy, hier gegen Ginter (re.)

Wie können die Bayern am Samstag dem Bundesliga-Senkrechtstarter Borussia Mönchengladbach Kontra geben? Die Analyse von Taktik-Experte Constantin Eckner.

  • Borussia Mönchengladbach und der FCB kämpfen um die Bundesliga-Tabellenführung.
  • Hansi Flick bemüht sich vor dem Topspiel um Entschleunigung.
  • Taktik-Experte Constantin Eckner erklärt in der tz, wo die Schlüssel zum Sieg liegen.

München - Die Rechnung ist relativ simpel. Siegen die Bayern am Samstag beim Tabellenführer aus Gladbach, bleiben sie (bei einem Leipziger Sieg gegen Hoffenheim) höchstens drei Punkte von der Spitze entfernt. Setzt es wiederum nach dem 1:2 gegen Leverkusen die nächste Pleite, verlieren die Münchner die Fohlen bei dann sieben Punkten Rückstand langsam aber sicher vom Radar. Hansi Flick weiß um die Bedeutung des Duells im Borussia-Park, war bei der Presserunde vor dem Spiel gegen den Dauerrivalen aus den Siebzigern jedoch um Entschleunigung bemüht. „Gladbach ist Tabellenführer, wir sind Vierter“, so der Cheftrainer, „aber wir reisen mit Selbstvertrauen an und können jeden Gegner bezwingen.“

Wollen in Gladbach wieder jubeln: Pavard, Goretzka, Coman & Alaba (v.li.)

Hansi Flick: „Mein Bruder war Gladbach-Fan, ich der Bayern-Fan“

Ihm gegenüber steht diesmal nicht irgendein Gegner, sondern die Senkrechtstarter der Bundesliga sowie die Herzensmannschaft seines Bruders. „Im Hause Flick war es auch immer ein Klassiker. Mein Bruder war Gladbach-Fan, ich der Bayern-Fan“, verriet der 54-Jährige vor dem Duell gegen die neue Borussia von Marco Rose. Der Ex-Trainer von Red Bull Salzburg hat es geschafft, seinen Gladbachern ein neues, dynamisches Gesicht zu verleihen, das dem der Flickschen Münchner in der strategischen Ausrichtung sehr ähnelt. Beide Mannschaften setzen auf aggressives Gegenpressing, beide wollen Umschaltmomente für sich nutzen. Taktikexperte Constantin Eckner von der Fachseite spielverlagerung.de erklärt in der tz, wo die Schlüssel zum Sieg liegen:

Die tz-Analyse des Taktik-Experten

1.Roses Burschen sind bekannt für ihre bedrängende Art. Ein geordneter Spielaufbau ist gegen seine Fohlen eine Utopie, schließlich wird der Gegner immer und überall angelaufen, gestört und so zu Fehlern gezwungen. Anders als bei anderen Teams geschieht dies bei der Borussia jedoch „auf dem gesamten Spielfeld“, wie Eckner erklärt: „Die Borussia übt ihr Pressingspiel in allen Zonen überdurchschnittlich intensiv aus. Sie setzt auf mehrere Pressingphasen, sowohl vorne, als auch in der Mitte und hinten.“ Besonders wichtig: systematisches Pressing! Eckner: „Meistens versuchen sie, den Gegner auf ihre rechte Seite zu drücken und dort Balleroberungen zu forcieren.“ Klappt das, geht es von dort aus ohne Umwege in Richtung gegnerisches Tor.

„Gladbach fährt besonders viele Umschaltangriffe“

2.Das aggressive Anlaufen ist im Borussia-Park nur Mittel zum Zweck. Ausschlaggebend für den momentanen Tabellenplatz ist das, was nach erfolgreichem Anlaufen geschieht. Anstatt das Leder in sichere Gefilde zu befördern und von dort aus geordnete Angriffe einzuleiten, will Gladbach die Unordnung des Gegners bei Ballverlusten ausnutzen und schlägt nach Ball­eroberung eiskalt zu. „Gladbach fährt besonders viele Umschaltangriffe“, präzisiert Eckner. „Statistisch gesehen kommen sie auf 1,4 Abschlüsse nach Kontern, das ist Maximalwert in der Bundesliga. Und diese Abschlüsse sind insofern gefährlich, da sie blitzschnell und somit in der Regel aus unbedrängter Position stattfinden.“

„Gibt Menschen, die kommen damit nicht so klar“: Gladbach und das böse M-Wort

Taktik-Analyse: Borussia setzt auf „Asymmetrie“

3.Baut die Rose-Truppe von hinten auf, verfolgt sie ebenfalls einen strikten Plan. Hierbei setzt der Spitzenreiter auf „Asymmetrie“, so nennt es jedenfalls der Experte. „Erfolgt der Aufbau beispielsweise über ihre linke Seite, so verlagern sie das komplette Spiel auf diese Flanke, häufen dort bewusst mehrere Akteure an und locken ihren Gegner so auf die Seite des Ballführenden“, so Eckner. Haben sich die Gladbacher den Gegner zurechtgelegt, geht es erneut ganz schnell. „In diesen Situationen schlagen sie dann ganz gerne den Diagonalball auf ihre schnellen Flügelspieler – meistens sind das Stefan Lainer rechts und Marcus Thuram links –, die aufgrund der Seitenverlagerung des Gegners frei stehen und unbeschwert die Linie entlanglaufen können“, so Eckner.

„In der Abwehr sind die Gladbacher nicht so gut aufgestellt wie vorne“

4.Und die Konsequenz aus all dem? Geht es nach dem Fußball-Fachmann, müsste die Herangehensweise der Bayern klar sein. Die Münchner haben einige spielstarke Akteure in ihren Reihen, weshalb der Fokus darauf liegen muss, die Pressinglinien der Borussia schnell und gezielt zu überspielen. Eckner: „In der Abwehr sind die Gladbacher nicht so gut aufgestellt wie vorne. Wäre ich Hansi Flick oder Hermann Gerland, würde ich versuchen, in Ballbesitz durch die Mitte schnell zu einem Zielspieler zu kommen.“ Bei Dortmund, die Gladbach in der laufenden Saison zweimal schlugen (1:0 in der Liga, 2:1 im Pokal), war dieser Zielspieler Marco Reus, sein Pedant bei Bayern wäre Robert Lewandowski. „Er ist der Schlüssel, denn er kann den Ball auf die Außen ablegen, damit Kinsley Coman oder Serge Gnabry ins Eins-gegen-Eins kommen“, so Eckner. „Hier ist Gladbach verwundbar.“ Und Bayern gefährlich.

Nach der Partie lenkten sich die FCB-Stars mit einer kleinen Feier ab - und da gibt es eine kuriose Randnote.

José Carlos Menzel López

Mehr zum Thema im Video: Thuram im Interview

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