Kommentar zum TV-Gelder-Krach

Bayern, BVB und Bundesliga verlieren riesige Millionen-Summen - jetzt rächt sich der hemmungslose Poker

Vorstandsboss des FC Bayern: Katl-Heinz Rummenigge.n
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Vorstandsboss des FC Bayern: Katl-Heinz Rummenigge.n

Der Bundesliga, dem FC Bayern und dem BVB drohen im TV-Gelder-Streit mit Eurosport hohe Millionen-Einbußen. Doch das haben sie sich selbst eingebrockt. Die Krise um die TV-Gelder kommentiert tz.de-Autor Patrick Mayer.

  • Eurosport will den TV-Vertrag mit der DFL aufkündigen.
  • Besonders der FC Bayern und Borussia Dortmund werben um einen baldigen Restart der Bundesliga - um weiteren Schaden durch die Corona-Krise abzuwenden.
  • Dabei haben sie durch den hohen Poker-Einsatz bei den TV-Geldern eine Mitschuld an den Folgen - ein Kommentar.

München - Der Profifußball tut sich ja gerne schwer mit Eingeständnissen.

Sei es auf dem Platz, wenn ein rüpelhafter Spieler vom Schiedsrichter sanktioniert wird - und das überhaupt nicht verstehen kann. Oder sei es neben dem Feld, wenn die Verantwortung für das Scheitern gerne mal hin- und hergeschoben wird.

Wegen TV-Gelder: Die Corona-Krise trifft die Bundesliga schwer

Jetzt ist das nur menschlich. Und späte Erkenntnis ist ein Zeichen von Stärke. Hat aber, wie es im Schwäbischen heißt, auch immer ein G‘schmäckle. Also einen Nebengeschmack. So geschehen aktuell in der Corona-Krise der Bundesliga.

Als klar war, wie schwer die Coronavirus-Pandemie die Bundesliga treffen würde, wagte Krisenmanager Christian Seifert die Flucht nach vorne. Ja, erklärte der Boss der Deutschen Fußball Liga (DFL), wir vermarkten ein Produkt.

Zügellose Summen für die TV-Rechte, riesige Ablösen bei Transfers und schier unendliche Gehälter belebten das Geschäftsgebaren ungebremst.

FC Bayern, BVB und Bundesliga trieben TV-Vermarktung immer weiter nach oben

Zwischen 2017 und 2021 plante die DFL (ursprünglich) mit 4,64 Milliarden Euro, einzig aus der nationalen TV-Vermarktung. Immer wieder war die Rede davon, dass dies sogar zu wenig sei. Dass zum Beispiel die englische Premier League noch deutlich größere TV-Erlöse erzielen würde.

Schon 2010 hatte FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge der Tageszeitung Welt gesagt: „Wir müssen dahin kommen, statt unserer 400 Millionen Euro pro Jahr irgendwann 800 Millionen oder eine Milliarde Euro wie in den anderen Ligen zu bekommen.“

Die Verhandlungen um die TV-Gelder glichen fortan einem Poker ohne Grenzen. In der Zwischenzeit lud sich die viel beschriebene Fußball-„Blase“ immer weiter auf, überhitzte regelrecht, vergleichbar mit dem Wohnungsmarkt.

Zum Verständnis: In Deutschland wird die TV-Vermarktung nach verschiedenen Kriterien ausgeschüttet. Maßgeblich gehören dazu der Erfolg in der Bundesliga und die damit verbundenen Teilnahmen am internationalen Geschäft. 

Heißt: Insbesondere der FC Bayern München und Borussia Dortmund kassieren, die Hauptkonkurrenten um die deutsche Meisterschaft.

TV-Gelder der Bundesliga: FC Bayern und BVB bekommen am meisten

Ein Blick auf die Verteilung der internationalen Erlöse in dieser Saison hilft, um das Verhältnis nachvollziehen zu können. So stehen laut Kicker dem SC Paderborn, Fortuna Düsseldorf und Union Berlin je 3,437 Millionen Euro zu, der BVB bekommt dagegen 32,417 Millionen Euro, der FC Bayern sogar 45,066 Millionen Euro. 

Kumuliert kassiert der SC Paderborn Medienberichten zufolge 26 Millionen Euro für eine Saison, der Rekordmeister aus München 68 Millionen Euro.

Geschäftsführer von Borussia Dortmund: Hans-Joachim Watzke.

Die Top-Klubs sind schließlich auch diejenigen, das zeigen Studien, die besonders viele Zuschauer vor die TV-Bildschirme und die Streaming-Tablets locken.

FC Bayern, BVB und Bundesliga: 70-Millionen-Ohrfeige durch Eurosport

Doch: Einem Medienunternehmen war es jetzt mutmaßlich zu teuer: Die 70-Millionen-Euro-Ohrfeige von Eurosport, das angeblich nicht mehr zahlen will, trifft nicht zuletzt die Großen, die in Person von FCB-Präsident Herbert Hainer, Rummenigge und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beharrlich für einen baldigen Restart werben.

Sie können das verkraften. Aber ihr hemmungsloser Poker rächt sich nun - für sie und die gesamte Bundesliga

Die Corona-Pause hat die Dominanz des FC Bayern München in der Bundesliga zementiert. Ex-FCB-Profi Paul Breitner sah dies kommen. Für die nächste Saison prophezeit er eine ganz neue Situation.*

Patrick Mayer

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