Fußballtraining 2.0

FC Bayern investiert in neuen Mega-Simulator am Campus - nur ein anderer Klub nutzt ihn weltweit

Computersimulationen haben während der Corona-Krise Hochkonjunktur. Doch unabhängig davon hat der FC Bayern nun in einen riesigen Fußballsimulator investiert.

  • Die Bundesliga und der FC Bayern* pausieren wegen der Corona-Krise - so auch der Bayern-Campus.
  • Das Nachwuchsleistungszentrum erhält einen ganz besonderen Zugang - das Skills Lab.
  • In dem großräumigen Fußballsimulator von morgen sollen die Talente geschult werden.
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München - Die Corona-Krise hat auch den Betrieb am Bayern-Campus im Norden Münchens weitgehend lahmgelegt. Immerhin aber rollten dort, wo sonst die Talente von morgen geschliffen werden, zuletzt Bagger und Krähne an. Im Sommer – so der Plan vor Ausbruch der Pandemie – erhält das Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern einen ganz besonderen Neuzugang: das sogenannte Skills Lab, die neueste Generation eines Fußballsimulators.

Der neue Simulator für den Bayern-Campus.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein sechseckiger Raum, der durch Kino-Beamer in ein Mini-Stadion verwandelt wird. Die Maße: rund 20 Meter Durchmesser und 320 Quadratmeter Spielfläche. Entwickelt wurde der Simulator von der österreichischen Firma Anton Paar SportsTec aus Graz. Geschäftsführer Johannes Tändl bezeichnet das Premiumprodukt seines Unternehmens im Gespräch mit der tz* selbstbewusst als „das weltbeste Fußball-Trainingssystem“.

Fußballsimulator mit Leveln: „Ab Level 4 wird es für Laien unspielbar“

Aber der Reihe nach: Per Tablet wählen Spieler und Trainer eine oder mehrere Übungen aus. Tändl: „Die Übungen geben einen Querschnitt aller fußballerischen Fähigkeiten, die ein Spieler haben sollte.“ Dazu gehören Basisübungen wie Passspiel, Kopfball oder Volleyschuss und Spielszenen, „die möglichst realitätsnah sind“ – etwa ein Doppelpass mit einem laufenden Mitspieler.

Insgesamt bietet der Simulator über 60 verschiedene Übungen in jeweils fünf Schwierigskeitsstufen. „Den Torabschluss aus dem Rückraum kann ein Kind trainieren, aber auch Robert Lewandowski oder seine Teamkollegen“, sagt Tändl. Das Kind würde sich auf Level 0 ausprobieren, Hobby- und Amateurkicker auf Level 1 oder 2. Der Geschäftsführer meint: „Ab Level 4 wird es richtig schwierig und für Laien unspielbar.“ Einige der Rekorde im Simulator am Grazer Firmensitz hält Schalke-Profi Michael Gregoritsch.

60 verschiedene Übungen sind möglich.

Zu Beginn jeder Übung erscheint ein grüner Kreis auf dem Boden, das Training startet, sobald der Spieler diesen betritt. Nach einem Countdown geht’s los. Ballmaschinen, die bis zu 130 km/h erreichen, beginnen ihre Arbeit. Tändl: „Der Nutzer muss bei einigen Übungen neben den fußballerischen auch die kognitiven Fähigkeiten unter Beweis stellen. Das kann in etwa so aussehen: Ringsherum laufen Mit- und Gegenspieler, der Nutzer muss nun so schnell wie möglich erkennen, auf welchen Leinwänden eine Überzahlsituation zu sehen ist.“

Rückmeldung bereits während der simulierten Übungen

Bereits während der laufenden Übung bekommt der Kicker eine Rückmeldung. „Bei jedem geschossenen oder gepassten Ball zeigen Farben von Rot bis Grün an, ob und wie genau das Ziel getroffen wurde“, erklärt der Geschäftsführer. „Außerdem sammelt der Spieler unterschiedlich viele Punkte.“ Die Statistiken werden live geführt, sie erscheinen auf der sechsten Wand. Auf die anderen fünf Wände wird gespielt. Mit den gesammelten Daten soll auch die Entwicklung des Spielers vorhergesagt werden können.

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Darauf baut auch der FC Bayern. Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagte über den Fußballsimulator: „Unser Ziel ist es, die Leistung jedes unserer Talente zu erfassen und damit zusätzliche Grundlagen für die individuelle Förderung zu schaffen.“ Eine Delegation aus München schaute sich das „Skills Lab“ in Graz an, der Hersteller konnte punkten – unter anderem mit einem simulierten Pfeifkonzert. Das ist viel mehr als eine Spielerei, wie Tändl am Beispiel Elfmeterschießen erklärt: „Werden die Spieler vom System ausgepfiffen, performen sie in der Regel um ein paar Prozent schlechter.“ Und die Münchner Nachwuchskräfte können schließlich nicht früh genug darauf vorbereitet werden, was ihnen eines Tages womöglich in einem Bundesliga-Stadion blüht.

Nur ein anderer Klub benutzt den Simulator

Der deutsche Rekordmeister entschied sich nach der Inaugenscheinnahme für die Anschaffung des Simulators. Die Kosten sollen im niedrigen siebenstelligen Bereich liegen. Bisher nutzt weltweit nur ein Klub das Produkt, das derzeit in München entsteht: der FC Ingolstadt.

Übrigens: Schaltet man die Zuschauerreaktionen im Simulator aus, lassen sich freilich auch Geisterspiele nachempfinden. Keine schlechte Option in diesen Tagen.

Währenddessen hat Hertha-Profi Salomon Kalou mit einem Skandal-Video die Gemüter erhitzt.

Jonas Astermann

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Rubriklistenbild: © Anke Barnard/Anton Paar SportsTec

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