Vor Champions-League-Spiel in Moskau

Arzt erklärt: So kam es beim FC Bayern zum Corona-Chaos um Stürmerstar Serge Gnabry

Hansi Flick (re.) und Serge Gnabry vom FC Bayern sitzen im Flughafen München auf einer Bank.
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Serge Gnabry (re.) und FC-Bayern-Trainer Hansi Flick vor dem Abflug nach Moskau.

Serge Gnabry vom FC Bayern ist fälschlicherweise positiv auf das Coronavirus getestet worden und steht bei Lokomotive Moskau zur Verfügung. Ein Experte erklärt die Hintergründe.

  • Serge Gnabry ist nach einem falsch positiven Corona-Befund in der Champions League gegen Lokomotive Moskau wieder dabei.
  • Der Münchner Sportmediziner und Internist Dr. Karlheinz Zeilberger erklärt, wie es dem irrtümlichen Resultat kommen konnte.
  • Außerdem spricht der Arzt über die Gefahren des Trips des FC Bayern München ins Risikogebiet Moskau.
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München/Moskau - Serge Gnabry ist in Moskau dabei. Gut möglich sogar, dass er am Dienstagabend gegen Lokomotive Moskau (18.55 Uhr, hier geht‘s zum Live-Ticker) sogar von Beginn an aufläuft. Doch wie konnte es dazu kommen, dass der Angreifer falsch positiv war? Was genau bedeutet das? Und warum sind Corona-Tests nur bedingt zuverlässig? Die tz hat den Experten gefragt. Der Münchner Sportmediziner und Internist Dr. Karlheinz Zeilberger betreut u. a. die deutschen Triathleten und testet auch in seiner Praxis viel. Der Doc beantwortet die wichtigsten Fragen:

FC Bayern ohne Serge Gnabry: Warum war der Coronatest falsch positiv?

Weil sämtliche Tests nicht zu hundert Prozent genau sind. „Sie werden immer wieder Infizierte nicht erkennen und positive Befunde haben, die nicht stimmen“, erklärt Zeilberger. Die Erklärung, warum der sogenannte PCR-Test dennoch gelegentlich irrtümlicherweise positiv ausfällt, kann beispielsweise folgende Erklärung haben: „Besagte Tests durchlaufen mehrere Durchgänge. Ist er erst am Schluss positiv, so kann das damit zusammenhängen, dass anderes Virenmaterial den Test noch positiv macht.“ Das sind Ableger, die dem Coronavirus ähnlich sind und bei einem besonders sensibel eingestellten Test zum falschen Positivresultat führen. Und umso öfter jemand getestet wird, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass er auch mal falsch positiv ist.

Serge Gnabry: Schließt der Antigentest, der ebenfalls durchgeführt wurde, eine vorherige Corona-Erkrankung aus?

Nein, das wäre nur bei dem Antikörpertest der Fall. Dieser erfolgt anhand einer Blutprobe und zeigt, ob infolge einer Infektion mit dem Virus Antikörper entwickelt wurden. Der Antigentest wiederum erfolgt per Abstrich und zeigt - ähnlich wie der PRC-Test - an, ob Virusmaterial zu finden ist. Anders als der PCR, erfolgt dieser jedoch bedeutend schneller. Zeilberger: „Er ist ungenauer als der PCR, dient jedoch als schnelle Eintrittskarte in Krankenhäuser oder Altenheime. Ich benutze diesen Antigenschnelltest, wenn jemand Symptome aufweist und wissen will, ob er Verbreiter ist. In 15 Minuten ist das Ergebnis da, beim PCR warte ich bis zu 72 Stunden.“

FC Bayern bei Lok Moskau: Macht es Sinn, die Spieler am Tag nach der Rückkehr aus dem Risikogebiet zu testen?

Mitnichten. Tests am ersten Tag einer möglichen Infektion sind nicht aussagekräftig. „In den ersten drei Tagen kann es sein, dass es im Abstrich noch nicht nachweisbar ist“, erklärt Zeilberger. „Beim Supercup in Budapest war es zwar auch schön und gut, dass am ersten Tag nach der Rückkehr getestet wurde, dies gibt aber keine Sicherheit, ob ich mich am Vortag angesteckt habe oder nicht.“ Dazu, dass der FC Bayern am Samstag wieder in Köln spielt, sagt der Arzt: „Wenn Sie alles konsequent durchdenken, wäre ein geregelter Spielbetrieb nicht aufrechtzuerhalten.“

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