Bundesliga ruht

Kommt es zur Corona-Meisterschaft für den FC Bayern? Drei Szenarien für die Liga

Leere Ränge in der Allianz Arena.
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Leere Ränge in der Allianz Arena.

Das Coronavirus hat die Bundesliga zum Erliegen gebracht. Wird der FC Bayern München automatisch zum neuen Meister erklärt? Drei Szenarien sind möglich.

  • Die DFL hat alle Bundesliga-Spiele vorerst abgesagt.
  • Der Coronavirus stellt eine zu große Gefahr dar.
  • Nun könnte es zu verschiedenen Szenarien kommen, wie die Saison zu Ende gebracht wird.

München - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) stellt den Spielbetrieb im Zuge der Corona-Pandemie ein. Die Maßnahme gilt für den kompletten 26. Spieltag der 1. und 2. Liga, der am Freitag beginnen sollte. „Darüber hinaus empfiehlt das Gremium, wie geplant, der am Montag tagenden Mitgliederversammlung der Profiklubs, die Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 2. April – also inklusive der Länderspiel-Pause – fortzusetzen“, hieß es in der Mitteilung. Die Entscheidung hat eine historische Dimension: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ist der Ligabetrieb unterbrochen. Betroffen sind zunächst nur der 26. und 27. Spieltag (20. bis 22. März).

Coronavirus: DFL knickt doch ein und sagt Bundesliga ab

Am Freitagvormittag hatte das DFL-Präsidium nach einer Sondersitzung noch vorgeschlagen, wegen der Corona-Pandemie erst ab Dienstag auszusetzen. Dieses Vorhaben sollte von den 36 Profiklubs bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montag in Frankfurt abgenickt werden. Der Plan hatte für harsche Kritik gesorgt. So warf Bayern-Star Thiago den Entscheidern in den sozialen Medien vor, unklug und unverantwortlich zu handeln. „Seid ehrlich, es gibt viel wichtigere Dinge als den Sport“, schrieb der Spanier. Union-Torwart Rafal Gikiewicz schimpfte: „Fußballer werden in dieser Situation behandelt wie Affen im Zirkus!“

Trotz der Bedenken begrüßte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den DFL-Entschluss. Er hatte die Entscheidung gegen einen sofortigen Stopp der Liga mit finanziellen Aspekten und dem TV-Vertrag begründet. Es stehe eine hohe Zahlung der Fernsehpartner aus, berichtete Rummenigge: „Wenn diese Zahlung ausbleiben würde, wäre zu erwarten, dass viele kleine und mittlere Vereine finanzielle Probleme kriegen würden“, sagte er. Viele Fans warfen den Entscheidungsträgern daraufhin vor, dass es ihnen nur ums Geld gehe. Und jetzt? Die tz zeigt drei Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte:

Szenario 1: Nach einer EM-Absage bleibt Zeit bis Ende Juni 

Für die europäischen Ligen würde eine EM-Verschiebung vor allem eines bedeuten: mehr Zeit. Bis zum Ende der Saison (die Verträge der Spieler enden am 30. Juni) könnte versucht werden, die verbleibenden Spieltage der Ligen durchzudrücken. Das wirkt angesichts der Rasanz, mit der das Virus grassiert, aber wie ein letzter Strohhalm. Das ist ein Szenario, das bislang kaum öffentlich thematisiert wird, weil die UEFA noch keine Anstalten macht, die paneuropäische EM in zwölf Ländern abzusagen beziehungsweise zu verschieben. 

Für den Dienstag ist eine Videokonferenz mit allen 55 Mitgliedern anberaumt, bei der über die Zukunft aller nationalen und europäischen Wettbewerbe diskutiert werden soll. Es soll auch um die EM gehen, bei der seit Tagen über eine Verschiebung auf den Sommer 2021 spekuliert wird. Belastbare Quellen gibt es nicht. Hannover 96, der 1. FC Nürnberg und Real Madrid stehen nach positiven Tests in den Vereinen unter Quarantäne, weitere solche Fälle werden folgen. Jeder einzelne Fall wird auch nach einer Spielpause dafür sorgen, dass Spiele abgesagt werden müssen. Angesichts von weiteren Quarantäne-Fällen wirkt das Zeitfenster bis Ende Juni winzig klein. An eine Rückkehr von Zuschauern ist sowieso nicht zu denken.

Szenario 2: Annullierung der ganzen Saison nach einem Abbruch

Das würde bedeuten, dass die bisherige Saison komplett nichtig wäre. So hat zum Beispiel die Deutsche Eishockey Liga entschieden. Stattdessen würden die gleichen 18 Vertreter wie in der laufenden Spielzeit auch kommende Saison in der Bundesliga spielen, für eine Europapokal-Teilnahme 2021/22 dürfte die Platzierung aus der vorletzten Saison (2018/19) maßgeblich sein. 

Angesichts der Tatsache, dass auch der Spielbetrieb in der 3. Liga und im Amateurbereich derzeit eingestellt ist und dort eine reguläre Beendigung der Spielzeit utopisch scheint, könnte das die erste Option sein, auch wenn es Verlierer gäbe. Bielefeld würde um einen möglichen Bundesliga-Aufstieg gebracht, international könnte ein Komplett-Stopp den FC Liverpool seinen ersten Meistertitel seit 30 Jahren kosten. Dass in Deutschland die DFL wegen der einmaligen Situation auf 20 Teams aufstockt, darf bezweifelt werden.

Szenario 3: Wertung der aktuellen Tabelle nach einem Abbruch

Bayern wäre erneut Meister, Bremen würde absteigen und Stuttgart zurückkehren. Dies könnte Millionenklagen gegen die DFL zur Folge haben. Zudem käme die Frage auf, wie mit offenen Relegationsspielen umgegangen würde. Hier eine Grenze zu ziehen, bei der die DFL nicht von mehreren Seiten für Willkür attackiert wird, scheint nicht möglich. Zu den verheerenden Auswirkungen im Basketball äußerte sich nun FC-Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic.

bok

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