Hainer lässt Fan-Sorge bestehen

Corona-Krise: Bayern-Boss sendet dringenden Appell an „jeden Einzelnen“

Oberster Herr beim FC Bayern: Herbert Hainer folgte Uli Hoeneß auf dem Präsidenten-Posten und manövriert dem Klub nun durch die Corona-Krise.
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Oberster Herr beim FC Bayern: Herbert Hainer folgte Uli Hoeneß auf dem Präsidenten-Posten und manövriert dem Klub nun durch die Corona-Krise.

Der Fußball steht still in der Corona-Krise. Bayern-Boss Herbert Hainer sieht viele Vereine in der Bredouille und nimmt die gesamte Bevölkerung in die Pflicht.

  • Der FC Bayern* sieht sich für die Krise rund um das Coronavirus finanziell gut aufgestellt.
  • Präsident Herbert Hainer lobt das Verhalten der Spieler.
  • Zudem appelliert er an die Bevölkerung.

München - Die Corona-Pandemie stellt auch den Weltfußball und somit die Bundesliga vor die größte Herausforderung aller Zeiten. Sollte die Saison vorzeitig abgebrochen werden müssen, drohen den Vereinen Ausfälle in Millionenhöhe. Vor allem kleinere und finanziell schwächere Klubs droht dann die Insolvenz. „Die Lage ist sehr angespannt, es geht um die Existenz einzelner Vereine“, bestätigt Bayern-Präsident Herbert Hainer.

Zur Erinnerung: Sollte die Saison tatsächlich nach 25 Spieltagen beendet werden, würde allein durch den Wegfall der Fernsehgelder für die letzten neun Runden bei etwa 1,4 Milliarden Euro TV-Gesamtgeldern für alle 34 Spieltage ein Einnahmeausfall von rund 370 Millionen Euro anfallen. Mit den Ausfällen bei Sponsoring und Kartenverkauf summiert sich die Lücke auf 770 Millionen Euro.

Corona-Krise beim FC Bayern: Hainer sieht Verein „hervorragend aufgestellt“

Trotz dieser alarmierenden Zahlen schließt Hainer ernsthafte finanzielle Gefahren für den FC Bayern weitestgehend aus, betont aber, dass die wirtschaftliche Krise, die diese Situation mit sich bringe, natürlich auch für den Rekordmeister eine große Herausforderung sei: „Aber der FC Bayern ist hervorragend aufgestellt und wir arbeiten Tag für Tag, dass der Verein diese spezielle Zeit gut übersteht. Wir blicken trotz dieser immensen Herausforderung, die wir alle nur gemeinsam bewältigen können, zuversichtlich in die Zukunft.“

In der Gegenwart positionieren sich aktuell viele Fan-Initiativen klar gegen Geisterspiele. Die Frage, ob das ein mögliches Szenario sei, um die Saison zu Ende spielen zu können, ließ Hainer unbeantwortet. Eine klare Meinung hat er allerdings zum Thema Europameisterschaft 2020: „Diese anstehende EM im Juni, die ja in ganz Europa stattfinden wird, steht nun natürlich besonders auf dem Prüfstand. Eine Ausrichtung des Turniers nach aktuellem Stand der Dinge kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt beim besten Willen nicht vorstellen.“

Corona-Krise beim FC Bayern: Hainer lobt Social-Media-Nachrichten der Profis

Was Hainer in diesen schwierigen Tagen große Freude bereitet hat, ist das Verhalten der Bayern-Spieler im Internet: „Ich finde es übrigens großartig, wie einige unserer Spieler über die Sozialen Medien mit einfühlsamen Appellen dazu aufgerufen haben, jeder möge sich für die Gesellschaft einbringen, sich zurücknehmen, wenn möglich anderen helfen und die offiziellen Anweisungen der Behörden ernst nehmen. Viele schlossen ihre Statements mit dem Satz, dass sie hoffen, dass wir alle uns bald wieder gesund in einem Fußballstadion sehen.“

Bereits Ende Februar hatte Hainer im tz-Interview gefordert, dass die Münchner Fußballer die Werte und Prinzipien des Vereins in den Sozialen Netzwerken an die Fans weitergeben. „Wir müssen darauf achten, dass sowohl der Verein als auch die Spieler bei aller Digitalisierung, bei allem Tempo auch immer die Werte des FC Bayern leben und damit auch weitergeben an ihre Zielgruppen, an die jungen Menschen, mit denen wir weltweit in Verbindung stehen“, sagte er damals.

Corona-Krise beim FC Bayern: „Gesundheit und Zusammenhalt von höchster Bedeutung“

Auch darum hat sich der Verein in der momentanen Krise vorgenommen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten ganz im Sinne der Gesellschaft und Solidarität einzubringen. „Ich appelliere hier an alle, ganz im Zeichen der Vernunft zu agieren. Noch einmal: Jeder Einzelne ist gefragt. Jeder Einzelne ist nun wichtig. Die Gesundheit und der Zusammenhalt in der Bevölkerung sind nun von höchster Bedeutung. Es geht darum, Vertrauen zu haben, zusammenzustehen und eine Ausbreitung des Virus unter allen Umständen zu verlangsamen“, sagt Hainer und kündigt an: „Wir als FC Bayern möchten versuchen, ein Vorbild in unserem täglichen Handeln zu sein. Das ist ein wichtiger Beitrag, den wir als Verein leisten können. Und eines ist ja auch klar: Trotz aller Herausforderungen - es gibt aktuell weit größere Probleme und Sorgen als die des Fußballs.“

Ähnliche Töne schlug bereits Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß an, wählte dabei aber am Sonntag im „Sport 1 Doppelpass“ drastischere Worte: „Denken Sie an Italien, wo ein Arzt darüber entscheiden muss, ob er einer 80-Jährigen das Beatmungsgerät abschalten muss, weil es für einen 55-Jährigen reserviert ist. Das sind wesentliche Probleme und da müssen wir uns nicht darüber ärgern, wann die Bundesliga wieder los geht.“

Hainer und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wandten sich mit einer E-Mail in der Corona-Krise an die Mitarbeiter beim FC Bayern. Wie geht es mit der ausgesetzten Meisterschaft weiter? Wir skizzieren drei mögliche Szenarien.

*tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Manuel Bonke

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